Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bewegliche Schwangere gebären leichter

09.07.2009
Entspannte Umgebung reduziert medizinische Eingriffe bei der Geburt

Die Gestaltung des Kreißsaals einer Geburtenstation hat wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der Geburt. Dieses alte Hebammenwissen bestätigten nun Wissenschaftler der University of Toronto in der Fachzeitschrift Birth.

Sie ersetzten in ihrer Untersuchung die Entbindungsbetten zweier Spitäler durch Doppelmatratzen und eine Wohlfühl-Umgebung und beobachteten, ob das zu Änderungen im Geburtsverlauf führte. Die Maßnahmen hatten Erfolg: Nicht nur die Zufriedenheit der Frauen und ihrer Betreuungspersonen verbesserte sich, sondern es sank auch die Notwendigkeit, eine Infusion des Wehenhormons Oxytocin zu verabreichen.

Für das Experiment wurden 62 hochschwangere Frauen, die zuvor Bereitschaft zur Teilnahme bekundet hatten, bei der Aufnahme in die Geburtenstation per Zufall entweder in einen herkömmlichen Kreißsaal oder in einen speziell eingerichteten Raum eingewiesen. Dieser enthielt statt dem Entbindungsbett eine Doppelmatratze mit mehreren großen Kissen und auf das notwendige Minimum reduziertes Beleuchtung, daneben gab es eine große Auswahl von Entspannungsmusik, Wasserplätschern und anderen Beruhigungselemente.

"Die Entfernung des Entbindungsbettes signalisierte den Frauen, dass dieses nicht der einzige Ort des Gebärens ist. Frauen sollten somit die Fähigkeit behalten, sich während der Wehen frei zu bewegen, einen engen Kontakt mit den betreuenden Personen zu haben und dabei Ruhe und Vertrauen zu entwickeln", erklärt Studienleiterin Ellen Hodnett, Professorin für Krankenpflege.

Tatsächlich sorgten die Maßnahmen dafür, dass die Frauen während der Wehenzeit mobiler waren. 65 Prozent der im adaptierten Raum Gebärenden sagten, dass sie weniger als die Hälfte dieser Zeit liegend verbrachten, im normalen Kreißsaal waren es nur 13 Prozent. Oxytocin wurde um 28 Prozent weniger verabreicht. Die Reaktion auf die Räumlichkeit war überwältigend positiv, da die Frauen sich über die Möglichkeiten der Mobilität und der Hilfen zur Bewältigung der Wehen freuten. Sie gaben auch an, bessere Einzelbetreuung und Unterstützung von den Hebammen erhalten zu haben.

"Diese Untersuchung hinterfragt die Voraussetzungen für das typische Design des Kreißsaals", so Hodnett. "Die Geburtsumgebung scheint das Verhalten aller Anwesenden zu bestimmen - der gebärenden Frau, des Personals als auch des Kindes." Da die Vergleichsmenge der Studie klein war, soll bald die Ergänzung durch eine große, randomisierte Kontrollstudie folgen.

Dass die Geburtsumgebung eine hohe Bedeutung für den Ablauf der Geburt hat, betont auch Renate Großbichler-Ulrich, Präsidentin des österreichischen Hebammen-Gremiums http://www.hebammen.at . "Eine angenehme Atmosphäre hilft der Frau, sich auf den natürlichen Geburtsvorgang einzulassen. Mutter und Kind können so besser selbst arbeiten und es kommt weniger auf Wehenmittel oder andere Unterstützung von außen an", so die Geburtshelferin im pressetext-Interview. Alle Spitäler würden bereits Alternativen zum Entbindungsbett anbieten, es liege jedoch an den Frauen, diese in Anspruch zu nehmen.

Der Umgang mit der Geburt war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder von gesellschaftlichen Strömungen bestimmt. "Die späten 70er Jahren brachten eine Hochtechnisierung und Verwissenschaftlichung der Geburt, die bei den Frauen jedoch eine große Unzufriedenheit auslöste. Als Reaktion darauf setzte in den 80er Jahren eine von der Frauenbewegung beeinflusste 'Sanfte Welle' ein, bei der man weitgehend auf Schmerz- und Wehenmittel verzichtete", so Großbichler-Ulrich. Im Moment liege die Betonung auf Selbstbestimmung und Planbarkeit, was sich in den steigenden Kaiserschnitt-Raten wiederspiegle. Großbichler-Ulrich nimmt das derzeitige Krankenhaus-Finanzierungssystem durch Leistungspunkte dafür in die Pflicht, dass die normale Geburt trotz augenscheinlicher Vorteile nicht verstärkt gefördert werde. "Wie viel eine Geburt real kostet, ist bisher kaum erforscht", so die Hebammen-Sprecherin.

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.utoronto.ca

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie