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Bevölkerung skeptisch bei Vorkasseprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung

24.11.2010
Ergebnisse des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung

Eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung misst dem sogenannten "Vorkasseprinzip" in der gesetzlichen Krankenversicherung keine große Bedeutung bei. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung.

Diese Form der Kostenerstattung, bei der die Patienten ihre Arztrechnung zunächst aus eigener Tasche begleichen, spielt bei der Beurteilung der Krankenkassen durch die Versicherten lediglich eine untergeordnete Rolle. Auch die Praxis zeigt, dass die bereits seit 2004 von den gesetzlichen Krankenkassen angebotenen freiwilligen Tarife kaum angenommen werden.

Fragt man die Bevölkerung nach ihren Präferenzen bei der Beurteilung ihrer Krankenkasse, rangiert der Kostenerstattungstarif unter insgesamt 12 Kriterien nur auf Platz neun (30 Prozent Zustimmung). Der Selbstbehalttarif liegt mit 9 Prozent auf dem letzten Platz. Der Kostenerstattungstarif richtet sich an gesetzlich Versicherte, die ihre Leistungen wie Privatversicherte in Anspruch nehmen möchten. Beim sogenannten Selbstbehalttarif bieten die Krankenkassen Prämienzahlungen als Gegenleistung dafür an, dass der Versicherte Kosten übernimmt, die eigentlich die Krankenkasse zahlen muss.

Für die Befragten ist die gute Erreichbarkeit (57 Prozent) das wichtigste Kriterium bei der Beurteilung der Krankenkassen. Erst mit einem relativ großen Abstand folgen Bonusprogramme (46 Prozent), gute Angebote für chronisch Kranke (45 Prozent), Kostenübernahme für Gesundheitskurse (43 Prozent), Beitragsrückzahlung bei Leistungsfreiheit (41 Prozent), Zusatzleistungen bei Krankheit zu Hause (39 Prozent) und Kostenübernahme für alternative Medizin (39 Prozent).

Die gesetzlich versicherte Bevölkerung hat demnach eine insgesamt skeptische Grundhaltung gegenüber den zwei Tarifen, die eine direkte Bezahlung des Arztes durch den Patienten beinhalten. Dies spiegelt sich auch in der großen Diskrepanz zwischen ihrer Kenntnis und ihrer realen Nutzung wieder. Ein Blick auf die Zahlen der Umfrage des Gesundheitsmonitors im Frühjahr 2010 zeigt, dass 38 Prozent den Kostenerstattungs- und 36 Prozent den Selbstbehalttarif zwar kannten, allerdings wurden diese Tarife gerade einmal von vier beziehungsweise einem Prozent der Versicherten als Wahlleistung angenommen. Signifikant großes Interesse am Kostenerstattungstarif zeigen vor allem Menschen, die angeben, bei guter Gesundheit zu sein. Dagegen stößt der Selbstbehalttarif bei freiwillig gesetzlich Versicherten und Menschen mit hoher Schulbildung auf besondere Zustimmung.

"Die Stärkung des 'Vorkasseprinzips' könnte das Potential haben, freiwillig Versicherte an die GKV zu binden", interpretiert Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Allerdings könnten weniger gut Informierte im Unklaren darüber sein, dass Ihnen möglicherweise nur ein Teil der entstandenen Aufwendungen erstattet wird. Hier sollten die Folgen einer Tarifentscheidung für den Versicherten transparent sein, so dass eine informationsbasierte Entscheidung für jeden Einzelnen möglich ist.

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt jedes Jahr 1.500 Personen zu aktuellen Themen im Politikfeld Gesundheit. Die Befragten repräsentieren den Bevölkerungsdurchschnitt. Aufgrund der Komplexität der Fragen werden die Fragen schriftlich beantwortet.

Weitere Informationen:

Jan Böcken, Bernard Braun, Juliane Landmann (Hrsg.)
Gesundheitsmonitor 2010
Bürgerorientierung im Gesundheitswesen
Informationen für Entscheider in Ministerien und Kommunalverwaltungen, Politiker, Entscheidungsträger in der gesundheitlichen Selbstverwaltung, Wissenschaftler und Patientenvertreter
2010, ca. 300 Seiten
ISBN 978-3-86793-305-6
ca. 37,00 EUR
Rückfragen an:
Dr. Juliane Landmann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 245
E-Mail: Juliane.Landmann@Bertelsmann-Stiftung.de
Dr. Jan Böcken, Telefon: 0 52 41 / 81-81 462
E-Mail. Jan.Boecken@Bertelsmann-Stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.Bertelsmann-Stiftung.de

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