Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was bestimmt, ob Frauen nach der Schwangerschaft einen Diabetes entwickeln?

23.07.2012
Studie zu Langzeitfolgen von Schwangerschaftsdiabetes startet.

Seit Anfang des Jahres wird allen Frauen in der Schwangerschaft ein Zuckerbelastungstest als Kassenleistung angeboten. Dies ist jetzt auch Bestandteil der Mutterschaftsrichtlinien. Die gemeinsamen Anstrengungen von Internisten und Gynäkologen sollen dazu führen, dass Blutzuckererhöhungen in der Schwangerschaft vermieden und das Risiko für bestimmte Geburtskomplikationen gesenkt werden kann.

Am Universitätsklinikum Tübingen werden die Langzeitfolgen von Schwangerschaftsdiabetes für Mutter und Kind erforscht.

Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes gut behandelt wird, verläuft die Schwangerschaft normal ohne Komplikationen und die Frauen bringen ein gesundes Kind zur Welt, so steht es im Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses vom März diesen Jahres (1). „Wir sind froh, dass diese Untersuchung jetzt nicht mehr nur bei Verdacht auf Diabetes in der Schwangerschaft durchgeführt wird, sondern routinemäßig bei jeder Frau in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche“ sagt Frau Priv. Doz. Dr. Anita Hennige, Oberärztin an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. Ein beginnender Schwangerschaftsdiabetes kann so rechtzeitig erkannt werden bevor Komplikationen auftreten.

Viele Frauen sind nach einem auffälligen Zuckerbelastungstest sehr beunruhigt. Dabei ist die Therapie bei rechtzeitiger Diagnose vergleichsweise einfach: „Wir wissen, dass schon durch einfache Blutzuckermessungen und eine Umstellung der Ernährung das Risiko für Mutter und Kind erheblich gesenkt werden kann. Medikamente sind nur in Einzelfällen notwendig“, so die Diabetologin.

Nicht vermeiden lässt sich durch die heutige Therapie eine Langzeitfolge für die Mütter: Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes haben ein vielfach höheres Risiko später an einem dauerhaften Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, obwohl die Blutzuckerwerte nach der Geburt erstmal völlig normal waren.

Hier setzt das neue Tübinger Forschungsprojekt an: Was bestimmt, ob Frauen nach der Schwangerschaft einen Diabetes entwickeln? Welche Risikofaktoren sind dafür bekannt? Ist es die verschlechterte Insulinwirkung oder doch eher ein Mangel an Insulin?

Übergewichtig, Diabetes mellitus Typ 2 in der Verwandtschaft und bestimmte genetische Veränderungen sind bekannte Risikofaktoren. Aber es gibt auch unbekannte Faktoren. Es ist immer noch unklar, welche Frau tatsächlich ein erhöhtes Risiko hat und was sie tun kann, um das Risiko zu senken. „Diese Frage beschäftigt viele unserer Patientinnen nach der Geburt ihrer Kinder“, stellt Dr. Hennige fest. „Wir wollen in ein paar Jahren das individuelle Risiko vorhersagen können und den Frauen Empfehlungen geben, wie sie durch Lebensstilintervention ihr Risiko senken können.“

Dazu startet jetzt am Universitätsklinikum Tübingen eine neue Studie. Sie wird von der Medizinischen Klinik (Abteilung Innere Medizin IV, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Ulrich Häring) in Zusammenarbeit mit der Universitäts-Frauenklinik Tübingen (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Diethelm Wallwiener) durchgeführt und findet in enger Kooperation mit den weiteren Standorten des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) in München, Düsseldorf und Dresden statt. Nur so ist es möglich, eine ausreichende Anzahl von Frauen zu untersuchen und aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten.

Aber nicht nur die Mütter haben ein höheres Risiko, auch die Kinder von Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes tragen ein erhöhtes Risiko früh an Diabetes zu erkranken. „Außer genetischen Faktoren müssen da auch Umweltfaktoren in der Schwangerschaft in Betracht gezogen werden“, erläutert Dr. Hennige. Wir denken hier an Hormone aus dem Fettgewebe oder auch Nahrungsfette, die dem Kind bereits im Mutterleib eine metabolische Prägung verleihen. Dieses metabolische Gedächtnis führt im späteren Leben möglicherweise zu Übergewicht und Diabetes.

Eine Möglichkeit, diese fetale Programmierung zu untersuchen, ist die fetale Magnetoenzephalographie, die bislang weltweit außer in Tübingen nur noch an einem weiteren Standort möglich ist. Mit dem nichtinvasiven Verfahren kann die funktionelle Gehirnreifung des Fetus bei Frauen mit Gestationsdiabetes untersucht werden.

(1) Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses:
„Ich bin Schwanger. Warum wird allen schwangeren Frauen ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes angeboten?“

http://www.g-ba.de/downloads/83-691-284/2012-03-03_Merkblatt%20Schwangerschaftsdiabetes.pdf

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abt. Innere Medizin IV
Priv. Doz. Dr. med. Anita Hennige
Otfried-Müller-Str. 10, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 05 97 oder -8 27 11
E-Mail Anita.Hennige@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik