Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der beste aller "ungünstigen" Zeitpunkte: Ein Kind im Medizinstudium - Ulmer Pilotstudie

24.07.2009
Studium, Praktisches Jahr, Berufseinstieg, Facharztausbildung ... Wann ist für MedizinerInnen der beste Zeitpunkt für Nachwuchs?

Eine Studie der Ulmer Universität zeigt, dass das Studium dafür unter allen "ungünstigen" Zeitpunkten einer der günstigsten ist.

Die Pilotstudie analysiert, mit welchen Schwierigkeiten Studierende mit Kindern im anspruchsvollen Medizinstudium zu kämpfen haben und entwickelt daraus Konzepte zur Verbesserung. Mit einer Förderung des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums in Höhe von 190.000 Euro für zwei Jahre wird die Studie auf alle Medizinischen Fakultäten des Landes in Kooperation mit dem Landesinstitut FamilienForschung Baden-Württemberg ausgedehnt.

"Wenn die Studienzeit für Medizinerinnen der günstigste Zeitpunkt für Nachwuchs ist, müssen wir dafür sorgen, dass das Medizinstudium mit Kind möglich ist", erklärt Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Studiendekan der Medizinischen Fakultät und Familienforscher. "Der Frauenanteil unter den Medizinstudierenden liegt bei über 60 Prozent. Ein familienfreundliches Studium ist daher ein Baustein, um sicherzustellen, dass wir in Deutschland auch in Zukunft genügend Ärzte haben", so Fegert.

Für die aus Studiengebühren finanzierte Studie befragte Fegert mit seinem Team in 37 strukturierten Interviews etwa die Hälfte der Ulmer Medizinstudierenden mit Kindern. Obwohl die meisten von ihnen das Studium als einen relativ günstigen Zeitpunkt für die Familiengründung sehen, haben sie mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Neben fehlender zentraler Beratung und finanziellen Problemen wurde besonders häufig die familienunfreundliche Studienorganisation genannt. "Der Stundenplan ist gerade im Medizinstudium sehr verschult.

Man bekommt schon einen relativ strikten Stundenplan vorgegeben", stellt Medizinstudent Marcus Meier fest, Vater einer kleinen Tochter. Da Lehrveranstaltungen und Praktika oft bis in den Abend hinein dauern, fehlen zu diesen Zeiten Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder.

Das Ulmer Studiendekanat zieht aus den Analysen der Studie Konsequenzen. "Wir sind dabei, den Lehrplan so umzuarbeiten, dass studierende Eltern ihre Veranstaltungen in der Kernarbeitszeit besuchen können", erläutert Studienreferent Hubert Liebhardt, im Dekanat der Medizinischen Fakultät Ulm verantwortlich für Studienangelegenheiten. Ein Teilzeitstudium ist in der Medizin bisher in Deutschland nicht vorgesehen.

"Wir möchten aber in einem ersten Schritt für Studierende mit Kindern flexiblere Fristen einführen. Außerdem loten wir aus, ob man Praktika innerhalb des Studiums in Teilzeit ableisten könnte", erläutert Liebhardt. Universität und Klinikum arbeiten im audit "berufundfamilie" zudem u. a. an einer verbesserten Kinderbetreuung.

Dass die Gesellschaft von der Unterstützung der Medizinstudenten mit Kindern profitieren wird, davon ist Anita Kirner, Medizinstudentin und Mutter einer kleinen Tochter, überzeugt: "In einem Job wie der Medizin später Kinder zu bekommen, kostet die Gesellschaft wesentlich mehr Geld, denn Schwangerschaftsvertretungen einzustellen ist schwierig. Wer seine Familienplanung im Studium abgeschlossen hat, ist im Berufsleben halt zuverlässig." Und, so Liebhardt, hat durch die Doppelbelastung hohe Kompetenz in Organisation und Leistungsstärke erworben.

Für Rückfragen steht Ihnen Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Universitätsklinikum Ulm, unter der Telefonnummer 0731 500-43043 gerne zur Verfügung.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Berichte zu: Liebhardt Medizinstudium Praktikum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise