Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Berufliche Weiterbildung und Elternzeit verlangsamen altersbedingten Abbau geistiger Fähigkeiten

07.08.2013
Wie eine neue Studie der Universität Luxemburg zeigt, können Erwerbsunterbrechungen die geistigen Fähigkeiten im Alter fördern oder auch vermindern.

Einige Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere Unterbrechungen aufgrund von Arbeitslosigkeit und Krankheit mit einem höheren Risiko kognitiver Beeinträchtigungen einhergehen und dass diese Art Erwerbsunterbrechungen demnach die kognitive Reserve langfristig reduzieren.

Die größten Hinweise für diese Annahmen lieferten Weiterbildungs- und Mutterschaftsunterbrechungen, bei denen ein langsamerer kognitiver Verfall festgesellt wurde. Das lässt darauf schließen, dass diese Erwerbsunterbrechungen für die kognitiven Funktionen von Vorteil sein können.

In dieser neuen Veröffentlichung kommt Dr. Anja Leist von der Forschungseinheit INSIDE der Universität zu dem Schluss, dass Erwerbsunterbrechungen während des Berufslebens die kognitive Reserve vergrößern oder verringern können. Bislang wurde noch nicht systematisch untersucht, wie verschiedene Aktivitäten während einer Erwerbsunterbrechung mit späteren kognitiven Funktionen und Veränderungen zusammenhängen.

Auf Basis einer vollständiger Beschreibung des beruflichen Werdegangs und umfangreicher kognitiver Untersuchungen der Befragten im Rahmen des „Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe“ (SHARE) in 13 Ländern untersuchte das Forscherteam, wie Erwerbsunterbrechungen aufgrund von Arbeitslosigkeit, Krankheit, Haushaltsführung, Weiterbildung und Elternzeit mit den kognitiven Funktionen und einem altersbedingen Kognitionsverlust bei älteren Menschen zusammenhängen.

Diese Ergebnisse sind die ersten Hinweise für mögliche förderliche Auswirkungen von kognitiv stimulierenden Aktivitäten während Erwerbsunterbrechungen. In nach Berufsklassen unterteilten Analysen fand das Team heraus, dass Arbeitslosigkeit und Krankheitsperioden bei Arbeitsnehmern in höheren Berufen stärker mit einer Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten einhergehen. In weiteren Studien muss untersucht werden, ob wirklich ein Kausalzusammenhang zwischen diesen Ergebnissen besteht.

„Für mich war es eine spannende Hypothese, dass Erwerbsunterbrechungen möglicherweise die kognitive Reserve während des Berufslebens vergrößern können. Weitere Studien sind nötig, um die verschiedenen Mechanismen und Auswirkungen, die zusammenwirken, zu verstehen: Beispielsweise können Weiterbildungsperioden später zu einem höheren sozioökonomischen Status führen, während die Elternzeit den Stress, familiäre und berufliche Verpflichtungen zu vereinen, verringern kann. Die Untersuchungsergebnisse stimmen mit anderen Studien überein, die darauf hindeuten, dass kognitiv stimulierende Aktivitäten die kognitive Reserve vergrößern und kognitive Beeinträchtigungen im Alter hinauszögern können“, so die Forscherin Anja Leist, die vom Postdoc-Forschungsprogramm des Fonds National de la Recherche (FNR) unterstützt wird.

Anja Leist veröffentlichte „Time away from work predicts later cognitive function: Differences by activity during leave“ im renommierten Journal „Annals of Epidemiology“ zusammen mit den Koautoren Maria Glymour, Johan Mackenbach, Frank van Lenthe und Mauricio Avendano.

Kontakt für weitere Informationen: anja.leist@uni.lu
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1016/j.annepidem.2013.05.014
http://www.annalsofepidemiology.org/ - Link zur Publikation
http://www.uni.lu - Homepage der Universität Luxemburg

Britta Schlüter | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni.lu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik