Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Amerikanische Ureinwohner stammen aus Sibirien

22.11.2007
Amerikas Ureinwohner wanderten vor etwa 11'000 Jahren von Sibirien über die Bering-Strasse auf den nordamerikanischen Kontinent ein. Dies konnte eine internationale Forschergruppe mit Berner Beteiligung nun mit genetischen Untersuchungen belegen. Die Studie wird heute im Open-Source-Journal "Public Library of Science Genetics" veröffentlicht.

Die wissenschaftliche Theorie, dass die ersten amerikanischen Siedler über die damalige Landbrücke zwischen dem amerikanischen und asiatischen Kontinent kamen, konnte nun bestätigt werden. Eine internationale Forschergruppe wies mit populationsgenetischen Methoden nach, dass die Besiedelung Amerikas über den nördlichsten Landteil erfolgte und sämtliche Völker der amerikanischen Ureinwohner mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer einzigen Migrationswelle vor etwa 11'000 Jahren abstammen.

Für die Studie wurden Genproben von 24 Völkern aus zehn Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas gesammelt und mit Genproben anderer Völker, darunter solchen aus Sibirien, verglichen. Daraus liessen sich Schlüsse ziehen über die genetische Vielfalt und Verwandtschaft sowie über Migrationswege der einzelnen Völker. Massgeblich zu den Resultaten beigetragen haben Prof. Laurent Excoffier und Dr. Nicolas Ray vom Zoologischen Institut der Universität Bern.

Amerikanische Ureinwohner sind genetisch weniger divers als Völker anderer Kontinente

Da der Zugang zum amerikanischen Kontinent über die Bering-Strasse nur während der letzten Eiszeit erfolgen konnte, erwarteten die Forscher bei den amerikanischen Ureinwohnern eine geringere genetische Vielfalt als bei Völkern anderer Kontinente, die sich an ihrem Ursprungsort mit anderen Völkern vermischen konnten. Dies wurde durch die Ergebnisse bestätigt. Darüberhinaus fand sich die höchste genetische Vielfalt bei Völkern im nördlichsten Teil Amerikas und nahm gegen Süden immer mehr ab. Die weltweit geringste genetische Vielfalt weisen die weitgehend isolierten Völker Amazoniens und Südostamerikas auf.

Diese Unterschiede in der genetischen Diversität sprechen für einen Ursprung der amerikanischen Ureinwohner bei der Bering-Strasse im Norden Amerikas mit anschliessender Ausbreitung über den Kontinent nach Süden. Vergleiche mit Genproben sibirischer Völker zeigten zudem, dass diese den amerikanischen Ureinwohnern genetisch am nächsten waren. Hier zeigte sich im Norden eine sehr grosse Ähnlichkeit, die gegen Süden ebenfalls immer mehr abnahm.

Abstammung von einer einzigen Migrationswelle

Die Ureinwohner Amerikas weisen eine weitere genetische Besonderheit auf, die sie von anderen Völkern unterscheidet: Sie besitzen als einzige eine bestimmte Ausprägung eines Gens, die sich bei allen Völkern auf dem ganzen Kontinent findet. Dies lässt den Schluss zu, dass alle Völker von einer einzigen Migrationswelle abstammen.

Mehrere Resultate aus der Studie weisen zudem auf eine initiale Besiedelung des Kontinents entlang der Pazifik-Küste und die erst nachträgliche Besiedelung des Binnenlands hin. Dies bestätigte eine Theorie, dass Völkerwanderungen generell eher der Küste entlang als im Inland erfolgten. "Zusammen mit archäologischen, geologischen und linguistischen Daten helfen diese Ergebnisse, ein klareres Bild über die Siedlungsgeschichte Amerikas zu gewinnen", so Laurent Excoffier.

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.kommunikation.unibe.ch/medien/mitteilungen/news/2007/amerika.html

Weitere Berichte zu: Bering-Strasse Besiedelung Genproben Kontinent Sibirien Ureinwohner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

Invitation to the upcoming "Current Topics in Bioinformatics: Big Data in Genomics and Medicine"

13.04.2018 | Event News

Unique scope of UV LED technologies and applications presented in Berlin: ICULTA-2018

12.04.2018 | Event News

IWOLIA: A conference bringing together German Industrie 4.0 and French Industrie du Futur

09.04.2018 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics