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Viele Unternehmen behindern durch kurzfristige Sparmaßnahmen nachhaltiges Wachstum

22.04.2002


Studie von PricewaterhouseCoopers: Zwei Drittel der Unternehmen führen kurzfristig angelegte Kostensenkungen zur Beschwichtigung von Aktionären durch

Gespart wird vor allem an Investitionen in Forschung und Entwicklung

Kosten sind überwiegend nach zwei bis drei Jahren wieder auf altem Niveau

In der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage dienen Maßnahmen zur Kostensenkung selten dem nachhaltigen Wachstum der Unternehmen. Sie sind vielmehr ein Mittel, um Analysten und Aktionäre kurzfristig zu beeindrucken. Bei den wenigsten Unternehmen gibt es langfristige Einsparungsstrategien: Deshalb hat sich nach nur zwei bis drei Jahren in der Regel ein großer Teil des eingesparten Kostenblocks wieder aufgebaut.

Dies sind die Ergebnisse der aktuellen Studie Strange days - Are businesses equipped to catch opportunity in an unpredictable world?, die arnold+bolingbroke im Auftrag von PricewaterhouseCoopers erstellt hat. Im ersten Quartal des Jahres 2002 wurden fast 600 Finanzvorstände (Chief Financial Officers, CFOs) und weitere Führungskräfte aus Unternehmen der Branchen Konsumgüter, Handel, Industriegüter, Informationstechnologie und Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, Automobil und Luftfahrt befragt. Folgende Länder wurden bei der Umfrage berücksichtigt: USA, Kanada, Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien, Südafrika, Brasilien und Australien. Die Befragten - darunter 50 Top-Manager aus Deutschland - äußerten ihre Meinung zur aktuellen Wirtschaftslage und ihre Strategien zum Thema Kostensenkung.

"In der aktuellen wirtschaftlichen Situation ist es wenig verwunderlich, dass eine langfristige Strategie zur Kostensenkung für den größten Teil der Führungskräfte höchste Priorität hat", erläutert Frank Brebeck, Mitglied des Vorstands von PricewaterhouseCoopers. "Allerdings schaffen es die wenigsten Unternehmen, diese Strategie auch intelligent und konsequent in die Praxis umzusetzen."

Zwei Drittel der Unternehmen sparen am falschen Ende

Auch in wirtschaftlich schwächeren Phasen sollten Unternehmen langfristige Investitionen zur Steigerung des Firmenwertes tätigen, meinen 88 Prozent aller befragten Manager (82 Prozent in Deutschland). Trotzdem haben zwei Drittel der Unternehmen bereits Investitionen in Forschung und Entwicklung zurückgestellt oder ganz gestrichen.

Kurzfristige Sparmaßnahmen und falsche Prioritäten

Über 80 Prozent der Befragten haben in ihren Unternehmen eine Kostenanalyse durchgeführt. Fast die Hälfte dieser Firmen hat daraufhin auch Ziele für Einsparungen definiert. Dennoch werden vor allem kurzfristige Sparmaßnahmen durchgeführt (68 Prozent). 74 Prozent aller Befragten und 76 Prozent der deutschen Finanzchefs räumen ein, dass ihre Unternehmen dabei oft falsche Prioritäten setzen: Kürzungen werden in Bereichen durchgeführt, wo am schnellsten messbare Resultate sichtbar werden, und nicht dort, wo es langfristig am sinnvollsten wäre. Mit dieser Politik, so die Studie von PricewaterhouseCoopers, riskieren die Unternehmen mittel- und langfristig ihren wirtschaftlichen Erfolg.

Differenzierung zwischen positiven und negativen Kosten

"Kosten allein sind nicht die Wurzel allen Übels", stellt Andreas Borcherding, Partner im Bereich Risikomanagement von PricewaterhouseCoopers fest. "Doch viele Unternehmen schaffen es nicht, zwischen positiven und negativen Kosten zu unterscheiden: Positive Kosten schaffen einen Mehrwert für das Unternehmen, schlechte nicht. Oftmals werden Entscheidungen zu Gunsten kurzfristiger Interessen gefällt, anstatt den langfristigen Unternehmenserfolg im Auge zu behalten."

Deutsche Unternehmen planen langfristiger

Für die befragten deutschen Top-Manager ist die kurzfristige Befriedigung von Analysten- und Aktionärswünschen weniger entscheidend als für ihre Kollegen in anderen Ländern. Im Gegensatz zu fast zwei Dritteln aller CFOs weltweit haben in Deutschland nur 58 Prozent der Befragten das Gefühl, durch eine Kultur der reinen Selbsterhaltung zu kurzfristigen Sparmaßnahmen gezwungen zu werden. Dagegen legt die Mehrheit der Befragten (80 Prozent) in Deutschland größten Wert auf konsequente Maßnahmen wie zum Beispiel Firmenregelungen bezüglich Geschäftsreisen. Über zwei Drittel (64 Prozent) der Befragten würden zur Kostendämpfung auch die Anzahl der Mitarbeiter reduzieren. Den Abbau nicht-rentabler Betriebsteile halten 80 Prozent der deutschen Finanzchefs für besser geeignet, Kosten zu sparen, als deren Nutzen zu optimieren.

Effiziente Beschaffung und Einkauf sind entscheidende Faktoren

Die Effizienz der Beschaffung ist der entscheidende Schlüssel für jede Strategie zur Kostensenkung und eine notwendige Vorbereitung auf den kommenden Aufschwung, so die Meinung von mehr als 70 Prozent der Befragten. Deutschland ist beim Thema Beschaffung und Einkauf über das Internet (E-Procurement) vielen anderen Ländern weit voraus: 56 Prozent der in Deutschland befragten CFOs gehen davon aus, dass Unternehmen mit einer nachhaltigen Beschaffungsstrategie eine bessere Ausgangsposition für den kommenden wirtschaftlichen Aufschwung haben.

E-Procurement: etablierte Lösung zur Kostensenkung in Deutschland

53 Prozent aller Befragten halten die Einführung von Internet-Technologien für trendbedingt (Deutschland 57 Prozent). Dennoch ist die Hälfte aller Befragten davon überzeugt, dass spätestens in zwei bis drei Jahren alle Unternehmen eine Strategie für Beschaffung und Einkauf über das Internet (E-Procurement) haben müssen. Gleichzeitig erhöhen aber nur 38 Prozent der Unternehmen ihre Ausgaben für die Entwicklung von Internet und E-Business. 34 Prozent der Befragten reduzieren sogar ihre Investitionen in diesem Bereich.

In Deutschland sind die Unternehmen hier allerdings fortschrittlicher: 61 Prozent haben bereits in eine E-Procurement-Lösung investiert. Darüber hinaus halten die befragten deutschen CFOs noch weitere Optimierungsmaßnahmen im Einkaufsbereich für notwendig, so zum Beispiel eine exakte Analyse der Kosten, die durch Lieferanten und Sortiment entstehen. Die Studie nennt weitere Einsparungsmaßnahmen in diesem Bereich. Wenig berücksichtigt wird bei Einkaufsprozessen bis dato auch der steuerliche Aspekt. Die Studie brachte zutage, dass nur 14 Prozent der befragten deutschen CFOs steuerliche Kriterien in ihre Kostenkalkulation bei der Beschaffung miteinbeziehen.

Die Studie Strange days - Are businesses equipped to catch opportunity in an unpredictable world? können Sie unter www.pwcglobal.com/extweb/ncsurvres.nsf/DocID/42936FFE43A5FEE085256B91 0019CEF6 kostenfrei im pdf-Format herunterladen.

PricewaterhouseCoopers ist in Deutschland mit einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro eines der marktführenden integrierten Dienstleistungsunternehmen im Bereich Beratung und Prüfung. Rund 11.000 Mitarbeiter arbeiten an 39 Standorten in Deutschland für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. Die breite Palette der Dienstleistungen umfasst die Wirtschaftsprüfung, die Steuerberatung, die Unternehmens- und Corporate Finance- sowie die Human Resource-Beratung.

Weitere Informationen zur Studie:

Strange days - Are businesses equipped to catch opportunity in an unpredictable world?

Die Studie im Überblick

  • Im ersten Quartal 2002 wurden 592 Interviews mit Chief Financial Officers (CFOs) und Führungskräften in vergleichbaren Positionen durchgeführt. Innerhalb Europas wurden folgende Länder berücksichtigt: Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien. Des weiteren die USA und Kanada,

    Brasilien, Südafrika und Australien.

  • In jedem Land wurden etwa 50 Interviews geführt, in den USA 183.

  • Die Untersuchung ordnet die Aussagen der Unternehmen nach drei Umsatzgruppen: 50 bis 500 Millionen US-Dollar (52 Prozent der Interviews), 500 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar (23 Prozent) und eine bis fünf Milliarden US-Dollar (23 Prozent).

  • Es wurden Unternehmen aus sechs Branchen befragt: Konsumgüter, Handel, Fertigung, IT & Telekommunikation, Finanzdienstleister sowie und Automobil und Luftfahrt.

  • Die Untersuchung umfasst sowohl börsennotierte als auch nicht-börsennotierte Unternehmen.

Die wesentlichen Ergebnisse

  • 82 Prozent aller befragten Unternehmen haben eine Kostenanalyse durchgeführt, aber nur 48 Prozent dieser Firmen, haben eine Strategie zur Kostensenkung entwickelt.

  • 74 Prozent aller Befragten denken, dass Unternehmen oft an der falschen Stelle sparen, von den deutschen Befragten sind sogar 76 Prozent dieser Meinung.

  • 68 Prozent aller Befragten glauben, dass in der aktuellen Wirtschaftslage Maßnahmen zur Kostensenkung selten dem nachhaltigen Wachstum der Unternehmen dienen. Sie sind vielmehr ein Mittel, um Analysten und Aktionäre kurzfristig zu beeindrucken. In Deutschland sind 52 Prozent dieser Meinung.

  • 88 Prozent aller Befragten stimmen darin überein, dass Unternehmen auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten langfristige Investitionen durchführen sollten. Fast 60 Prozent haben jedoch schon jetzt Investitionen gestoppt oder zurückgestellt.

  • 86 Prozent aller Befragten stimmen darin überein, dass einschneidende kurzfristige Einsparungen die Arbeitsmoral und Loyalität der Mitarbeiter stark beeinträchtigen können. 61 Prozent der Unternehmen haben einen Einstellungsstopp verhängt, fast 60 Prozent haben Mitarbeiter entlassen.

  • 57 Prozent aller Befragten gehen davon aus, dass sich eingesparte Kosten nach zwei bis drei Jahren in der Regel zum großen Teil wieder aufgebaut haben. In Deutschland glauben dies 30 Prozent.

  • 73 Prozent aller Befragten und 56 Prozent der deutschen CFOs glauben, dass die Effizienz der Beschaffung der entscheidende Schlüssel für jede Strategie zur Kostensenkung und eine notwendige Vorbereitung auf den kommenden Aufschwung ist.

  • 51 Prozent aller Befragten geht davon aus, dass spätestens in zwei bis drei Jahren alle Unternehmen eine Strategie für Beschaffung und Einkauf über das Internet (E-Procurement) haben müssen. Nur 38 Prozent der Unternehmen erhöhten ihre Ausgaben für Internet und E-Business-Entwicklung, 34 Prozent reduzierten ihre Ausgaben für diesen Bereich.

Kosten-Definitionen gemäß der Studie von PricewaterhouseCoopers

  • Gute Kosten sind Aufwendungen, die das gegenwärtige und künftige Wachstum antreiben und sicherstellen, wie zielgerichteter Vertrieb und Marketing, Forschung und Entwicklung sowie geschäftsrelevante Weiterbildung. Werden diese Kosten zu stark zurückgefahren, hat dies nachteilige Auswirkungen auf das Unternehmen.

  • Neutrale Kosten sind beispielsweise Aufwendungen für die IT-Infrastruktur einschließlich der unmittelbar Kunden-relevanten Systeme. Diese Kosten haben weder unmittelbare Einfluss auf das Wachstum, noch stehen sie vorrangig zur Disposition.

  • Schlechte Kosten haben keinen Einfluss auf das Wachstum, noch unterstützen sie die Infrastruktur des Unternehmens. Dazu gehören redundante Prozesse, unkontrollierte Beschaffung, unnötige Ausgaben für IT, Projekte ohne strategische Notwendigkeit.

Andreas Borcherding | ots

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