Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Basis für Internet-Handel: Uni-Kassel testet "Vertrauenskapseln"

02.11.2007
In einer zweitägigen Simulationsstudie prüfen Wissenschaftler an der Universität Kassel die Wirksamkeit der von ihnen entwickelten "Vertrauenskapseln", die den Handel im Internet auf eine neue vertrauenswürdige Basis stellen sollen.

In einer zweitägigen Simulationsstudie prüfen Wissenschaftler an der Universität Kassel die Wirksamkeit der von ihnen entwickelten "Vertrauenskapseln", die den Handel im Internet auf eine neue vertrauenswürdige Basis stellen sollen. Drei verschiedene Online-Händler stellen u.a. Neu- und Gebrauchtwagen zum Verkauf an Käufer mit diversen definierten Merkmalen wie "geizig", "böswillig", "penibel". Allen steht während der Simulation am 6. und 7. November außerdem auf Anfrage juristische Beratung zur Verfügung (Universität Kassel, Wilhelmhöher Allee 64).

Wenn Käufer und Verkäufer sich gegenübertreten, ist ein gegenseitiges Vertrauen eine unumgängliche Basis. Die Erwartung vom anderen über den Tisch gezogen zu werden, erschwert den Handel ganz entscheidend. Misstrauen aber ist im Internethandel nach wie vor weit verbreitet, was nicht nur auf die hin und wieder zu lesenden Nachrichten über betrügerische Machenschaften zurück zu führen ist, sondern auch in der Besonderheit dieser Handelsform liegt: Käufer und Verkäufer treten sich nicht von Angesicht zu Angesicht gegenüber; der Handel findet nicht in einem geschlossenen Raum statt; Ware und Geld werden nicht direkt ausgetauscht, sondern nehmen Wege, die nicht immer sicher vor Einflüssen Dritter sind.

Das Forschungsprojekt "TrustCaps" (Vertrauenskapseln im Internet) ist den Faktoren, die den Handel positiv und negativ beeinflussen, nachgegangen und hat nach Wegen gesucht, auf denen sich Vertrauen zwischen Käufer und Verkäufer aufbauen kann, auch wenn sie ihr Geschäft im Internet abwickeln. Dabei standen Fragen von Datensicherheit, Prozesse aus arbeitswissenschaftlich-psychologischer und aus rechtswissenschaftlicher Sicht im Mittelpunkt.

Entwickelt wurde von der Forschungsgruppe mit dem Trusted Platform Module (TPM) eine TrustCaps-Software, die sicherstellen soll, dass

... mehr zu:
»Simulation »Simulationsstudie

- Vertrauen zwischen Käufer und Verkäufer entsteht: Der Partner soll sich so verhalten, wie es der andere Partner erwartet;

- Vertrauen in das Techniksystem vorhanden ist: Dieses soll korrektes Verhalten gewährleisten;

- Vertrauen in das Rechtssystem da ist: Dieses soll, wenn ein Partner sich nicht so verhält, wie es der andere Partner berechtigterweise erwarten durfte, Fehlverhalten sanktionieren oder den Schaden begrenzen. Hierzu braucht der Geschädigte beweisbare Informationen.

Dazu stellt das TrustCaps-System verschiedene Optionen bereit, die der Nutzer je nach dem gewünschten Vertrauensgrad wählen kann. Dazu gehören unter anderem: Automatisches Abfragen nach der Kundenfreundlichkeit der Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Händlers - das Ergebnis wird in einer Ampel dargestellt -; statt Übermittlung von angriffsgefährdeten Authentifikationsdaten wie Passwörter oder PINs die einfache Anwendbarkeit von Zertifikaten und SmartCards, die wie im realen Leben eine Unterschrift symbolisieren; oder die Möglichkeit Pseudonyme zu verwenden, die Einsicht Dritter in den Handel einschränken und die Übermittlung von persönlichen Daten an den Händler verhindern, aber dem Händler trotzdem den Zugriff auf den Käufer im Streitfalle ermöglichen.

Das Forschungsprojekt TrustCaps (Vertrauenskapseln im Internet) ist ein Kooperationsprojekt der Technischen Universität Darmstadt, Fachgebiet Sicherheit in der Informationstechnik (Leitung Prof. Dr. rer.nat. habil. Claudia Eckert) und der Universität Kassel, Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung im Forschungszentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG) (Leitung Prof. Dr. jur. habil. Alexander Rossnagel) sowie Institut für Arbeitswissenschaft (Prof. Dr.-Ing. Hans Martin, Projektkoordination PD Dr. phil. Christel Kumbruck).

In der Simulationsstudie werden als Verkaufssegmente Neuwagen, Gebrauchtwagen, Parfüm und Bücher zum Einsatz kommen. Von besonderer Bedeutung für das Gelingen der Simulationsstudie sind sachverständige Testpersonen. Als Käufer ist dabei eine möglichst breite Mischung von Otto-Normalverbrauchern anzustreben, wohingegen als Verkäufer und Gutachter Personen aus dem Umfeld Online-Verkauf bzw. Autovertrieb in Frage kommen.

Die Simulationsstudie wird ergänzend zur Förderung durch die DFG von VW Kassel-Baunatal, Abteilung Verkauf an Werksangehörige, sowie ebay Deutschland, Abteilung buyer trust, sowie der Firma Douglas unterstützt. Somit stehen für die Rollen der Verkäufer kompetente Akteure zur Verfügung, nämlich von VW und von ebay. Die Firmen unterstützen des Weiteren mit Sachspenden (Miniaturautos und Parfümproben), um ein beinahe reales Kaufgeschehen simulieren zu können.

Hinweis für die Redaktionen: Einblick in die Simulation und Fotos sind möglich
am 7. November, 9 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr, Wilhelmhöher Allee 64, 2. OG. Ihre Ansprechpartnerin ist Frau Dr. Christel Kumbruck, Kassel, Tel. 01702254445
Info
Universität Kassel
PD Dr. Christel Kumbruck
tel 01702254445
e-mail kumbruck@uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.trustcaps.de

Weitere Berichte zu: Simulation Simulationsstudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Proteinforschung: Der Computer als Mikroskop

16.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Vermeintlich junger Stern entpuppt sich als galaktischer Greis

16.01.2017 | Physik Astronomie

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

16.01.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz