Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Dünnsein das Leben beherrscht - Studie zur Therapie von Magersucht

26.10.2007
Die Ulmer Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie führt mit acht weiteren Uniklinika die bisher größte Studie zu verschiedenen ambulanten Therapien bei Magersucht (Anorexia nervosa) durch. Die Studie mit 237 Teilnehmerinnen wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Ihre Gedanken drehen sich dauernd um das Thema Essen. Sie wollen so dünn wie irgend möglich sein, haben ständig Angst, dick zu werden, machen Sport und Diäten, um nur nicht zuzunehmen.

Junge Frauen mit Magersucht, der Anorexia nervosa, leiden an einer ernstzunehmenden psychosomatischen Erkrankung. Sie ist langwierig, nach Therapieerfolgen gibt es sehr häufig Rückfälle, die Krankheit kann chronisch werden.

"Unter allen psychisch bedingten Krankheiten weist sie unter jungen Menschen die höchste Sterberate auf", so Professor Dr. Jörn von Wietersheim, Leiter der Psychosomatischen Ambulanz der Universitätsklinik für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der die Studie in Ulm leitet. Grund dafür sind körperliche Schäden durch Mangel- und Fehlernährung, die beispielsweise zum plötzlichen Herztod führen können. Aber auch Selbstmord spielt eine große Rolle.

In der ANTOP-Studie (Ambulante Therapie bei Anorexia nervosa) sollen zwei therapeutische Ansätze als ambulante Behandlung mit den Standardtherapien bei niedergelassenen Ärzten verglichen werden. Ein speziell für dieses Störungsbild entwickelter verhaltenstherapeutischer Ansatz geht von den Symptomen aus, das Essverhalten wird protokolliert und Therapeut und Patientin versuchen, z.B. mit Hilfe von Esstagebüchern, ein anderes Essverhalten zu ermöglichen.

Der psychodynamische Therapieansatz geht mehr von der Persönlichkeit der Betroffenen aus, betrachtet die Essstörung als Ausdruck von dahinter liegenden Problemen und Konflikten. Über zehn Monate hinweg werden die Studienteilnehmerinnen dabei in 40 Sitzungen nach genau festgelegten Abläufen therapiert. "Es gibt Hinweise darauf, dass die ausgewählten speziellen Therapien eventuell günstigere Ergebnisse bringen könnten", erklärt von Wietersheim.

In Deutschland sind etwa 100.000 junge Frauen von Magersucht betroffen, ihr Bodymaßindex (Körpergewicht geteilt durch Größe im Quadrat) liegt unter 17,5. Auslöser der Krankheit sind häufig Konflikte in der Pubertät und ein niedriges Selbstwertgefühl. Mit dem Wunsch, dünn zu sein, versuchen viele junge Frauen, diesen Konflikten zu begegnen - das Dünnsein kann sich dabei zu einem eigenständigen Wert entwickeln, dem alles untergeordnet wird.

Junge Frauen mit einem Bodymaßindex zwischen 15 und 18,5, die bereits 18 Jahre alt sind, können an der Studie teilnehmen, wenn sie die Diagnosekriterien einer Magersucht erfüllen. Interessenten können sich an die Psychotherapeutische Ambulanz der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Ulm wenden.
Tel: 0731 - 500 61831
Mail: joern.vonwietersheim@uniklinik-ulm.de
Universitätsklinikum Ulm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
Tel: 0731 - 500 43025
Fax: 0731 - 500 43026
E-Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de

Petra Schultze | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de/psychosomatik

Weitere Berichte zu: Anorexia Dünnsein Magersucht Psychotherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie