Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsbericht: Sprachkommunikation bei Verkehrsgeräuschen

22.10.2007
Beurteilung von Sprachverständlichkeit und Sprachqualität

Die moderne Arbeitswelt verlangt heute eine möglichst störungsfreie Sprachkommunikation. Dies trifft vor allem auf den Dienstleistungsbereich und den Bereich Bildung und Erziehung mit ihren hohen Kommunikationsbedarf zu. Die Störung von Sprachverständigung durch Verkehrsgeräusche wurde bisher nur wenig systematisch untersucht. Eine neue Studie im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) trägt dazu bei, Sprachkommunikation und ihre Qualität in die Gestaltungsgrundsätze für Arbeitsplätze und Ergonomie einfließen lassen zu können.

In einer umfassenden experimentellen Untersuchung wurden der Einfluss von Verkehrslärm, aber auch die Eigenschaften des Sprechers und die ablenkende Wirkung von Nebentätigkeiten auf das akustische Sprachverstehen und die Bewertung der Sprachqualität durch den Hörer ermittelt. Kontextunabhängiges Sprachmaterial wie in einen Trägersatz integrierte Ein-Silben-Worte sowie grammatisch richtige, aber sinnfreie und dadurch unvorhersehbare Sätze aus sechs Worten mussten im Sprachlabor erkannt und wiedergegeben werden.

Dazu wurde der mentale Aufwand und das subjektive Empfinden der Hörer abgefragt: Fünfstufige Antwortskalen von "sehr gut" bis "schlecht" vervollständigten dabei Selbstaussagen wie "ich musste mich konzentrieren, um die Sätze verstehen zu können" oder "ich habe die Bedingungen als störend empfunden, unter denen ich die Sätze verstehen musste." Darüber hinaus wurde die Reaktionszeit vom Ende der Wiedergabe bis zum Einsetzen des Nachsprechens erfasst. Sprachmaterial von Muttersprachlern stand ebenso zur Verfügung wie das von Fremdsprachlern. Zur Simulation einer möglichst realistischen Geräuschbelastung wurden Geräuschkulissen aus Straßenlärm, einem vorbeifahrenden Güterzug und neutralem Rauschen präsentiert, die in wechselnder Lautstärke die gesprochene Sprache störten. Die gesamte Bearbeitung des Sprachmaterials erfolgte digital auf einem PC mit Hilfe einer Audio-Editor Software.

Im Ergebnis der komplexen Analysen bleibt die objektivierbare Verständlichkeit auch bei steigenden Signal-Geräusch-Abständen weitgehend konstant. Die Sprachverständlichkeit spielt für die Beurteilung der Sprachqualität zwar eine wichtige Rolle, wird aber von physikalischen und psycho-sozialen Faktoren wie Intensität der Hintergrundgeräusche, Dialekt bzw. Akzent und Hörerzufriedenheit überlagert. Zur Ableitung eines entsprechend angepassten Qualitätsniveaus wurden zwei subjektive Bewertungen der Hörer einbezogen: die Einschätzung, wie leicht die Testaufgaben zu bewältigen waren, und die Konzentration, die der Test erforderte. Es zeigte sich, dass gerade diese Werte empfindlicher auf die Beeinträchtigung der Sprachkommunikation durch Verkehrslärm reagieren als die reine Sprachverständlichkeit, insbesondere dann, wenn die objektive Verständlichkeit relativ hoch ist. Die Autoren der Studie gehen daher von einem erweiterten Konzept von Sprachverständnis aus, das hohe Verständlichkeit bei möglichst niedrigem Aufwand für Sprecher wie Hörer umfasst. Gerade bei mental anspruchsvollen Tätigkeiten, so der Schluss, sollte Sprachkommunikation weitgehend anstrengungslos erfolgen.

Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Forschungsbericht Fb 1091: "Beurteilung der Sprachkommunikation bei Verkehrsgeräuschen"; Ch. A. Sust, R. Steckel, M. Kulka, H. Lazarus, P. Kurtz; 117 S.; ISBN 3-86509-672-2, EUR 14,00. Zu beziehen beim Wirtschaftsverlag NW, Postfach 10 11 10, 27511 Bremerhaven, Tel.: 0471/945 44 61, Fax 0471/945 44 88.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise