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Weiterführende Informationen zum Studie "Impfung gegen Typ 1 Diabetes"

17.10.2007
Die Studienärzte Frau Prof. Ziegler, Herr Prof. Bonifacio und Herr Prof. Eisenbarth äußern sich zum Ablauf der Pre-POINT Studie, in der die Möglichkeit einer Impfung gegen Typ 1 Diabetes untersucht werden soll.
Pre-POINT (Primary Oral / intranasal INsulin Trial)
Schutz vor Typ 1 Diabetes durch Insulin-Impfung
Frau Prof. Ziegler:
Hintergrund
Der Typ 1 Diabetes, auch als "jugendlicher" oder "insulinabhängiger" Diabetes bezeichnet, ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Weltweit leiden derzeit etwa 9,5 Mio. Menschen an Typ 1 Diabetes, in Deutschland sind es 250 000 - 300 000 Menschen. Er ist eine so genannte Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Insulin produzierenden Beta-Zellen der eigenen Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Eine solche Autoimmunreaktion kann meist bereits viele Jahre vor Ausbruch der Erkrankung durch den Nachweis von "Diabetes-Antikörpern" im Blut erkannt werden. Insulin ist dabei eines der Antigene, gegen die Betroffene - vor allem Kinder -Antikörper entwickeln.
Pre-POINT Studienaufbau
Bei der Pre-POINT Studie handelt es sich um eine Impfung gegen Typ 1 Diabetes. Durch die vorbeugende Behandlung mit Insulin soll bei Kindern mit sehr hohem Diabetesrisiko bereits die Entwicklung von "Diabetes-Antikörpern" im Vorfeld eines Diabetes verhindert werden. Bei der Studie handelt es sich also um eine so genannte "Primärpräventionsstudie". Zur Behandlung wird Insulin täglich als Pulver mit der Nahrung eingenommen oder als Spray über die Nase, zunächst täglich, dann 2x wöchentlich. Das Insulin dient hier aber nicht zur Senkung des Blutzuckers. Vielmehr soll die Gabe von Insulin das Immunsystem stimulieren und eine Immunantwort gegen Insulin provozieren- allerdings eine schützende. Der Immunreaktion, die im Vorfeld einer Typ 1 Diabeteserkrankung auftritt und die Beta-Zellen zerstört, kann man so zuvorkommen. An Pre-POINT teilnehmen können nur gesunde Kinder im Alter von 2 bis 7 Jahren, die noch keine Anzeichen einer Autoimmunreaktion zeigen, also noch keine Diabetes Antikörper haben. Um zu sehen, wie gut die Behandlung die Krankheitsentstehung verhindern kann, müssen aber natürlich Kinder behandelt werden, die ein sehr hohes Risiko haben, in den nächsten Jahren Typ 1 Diabetes zu bekommen. Das Risiko an Typ 1 Diabetes zu erkranken ist besonders hoch, wenn entweder mehrere erstgradige Verwandte (Vater, Mutter oder Geschwister) bereits an Typ 1 Diabetes erkrankt sind, oder wenn ein Geschwisterkind erkrankt ist, das die identischen Diabetes-Risikogene hat wie das noch gesunde Kind. Ein sehr hohes Risiko bedeutet ca. 50%, d.h. 50 von 100 Kindern erkranken. Zum Vergleich erkranken etwa nur drei von 1000 Kindern, wenn keinerlei familiäre Belastung vorliegt und etwa fünf von 100 wenn entweder ein Familienmitglied an Diabetes erkrankt ist oder bestimmte genetische Merkmale (Diabetes-Risikogene) vorliegen.
Ablauf der Studie
Wenn eine Familie wie z.B. hier Familie Räuchle an Pre-POINT Interesse hat, kann sie an einem ersten deutschlandweiten Risiko-Screening teilnehmen. Dem gesunden Kind wird Blut abgenommen und auf Diabetes-Risikogene und Diabetes-Antikörper untersucht. Gleichzeitig muss in diesem Fall auch das erkrankte Geschwisterkind auf die Diabetes-Risikogene untersucht werden. Sind die gleichen Diabetes-Gene bei beiden Geschwistern vorhanden, aber keine Diabetes Antikörper im Blut des gesunden Kindes nachweisbar, kann sie in Pre-POINT eingeschlossen werden. Alle Untersuchungen sind kostenlos und können überall in Deutschland beim Kinderarzt erfolgen. Ist ein Kind einschlussfähig, wird es einer Studiengruppe zugeteilt, die eine Hälfte wird oral behandelt, die andere intranasal. In jeder Gruppe bekommen drei von vier Kindern die Behandlung, eines ein Placebo zur Kontrolle. Dann wird die Familie von einem Mitglied des Studienteams besucht, das mit zum Kinderarzt kommt, die Studie erklärt und die erste Impfung zusammen mit der Familie durchführt. Die Impfungen werden dann für einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten von den Eltern fortgeführt, je nach Einschlusszeitpunkt. Kontrolluntersuchungen finden beim Kinderarzt vor Ort statt. Das Studienteam ist dabei in regelmäßigem, engem Telefonkontakt mit der Familie. Teilnehmen werden insgesamt 40 Kinder, 16 davon in Deutschland. Weitere

Studienzentren gibt es in den USA, in England, der Schweiz, Österreich und Italien.

Die Pre-POINT Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) einer amerikanischen, von Betroffenen getragenen Forschungsstiftung gefördert.

Kontakt:
Interessierte melden sich beim Institut für Diabetesforschung an (0800 33 83 33 9 oder prevent.diabetes@lrz.unimuenchen.de) und bekommen von hier nähere Informationen und Studienmaterial.
Herr Prof. Bonifacio:
1. Why do you use Insulin for the Pre-POINT vaccination?
"The reasons are three. We have found that in children who develop diabetes, insulin is the first antigen that the immune system detects as foreign ie. there is evidence that the destruction of the beta cells starts from there. Second, studies in mice have shown that if you give insulin orally or intranasally from a young age you can prevent them developing diabetes(provided you give the right amount).

Third, there is a lot of experience in giving insulin both orally and intranasally and this experience shows that it is safe, which is of course very important."

1. Warum verwenden Sie gerade Insulin für die Impfung?
Es gibt drei Gründe. Wir haben herausgefunden, dass bei Kindern, die Diabetes
entwickeln, Insulin das erste Antigen ist, das das Immunsystem als fremd identifiziert. Das heißt es gibt Hinweise, dass die Zerstörung der Betazellen mit dem Insulin beginnt.
Zweitens haben Studien mit Mäusen gezeigt, dass man die Entwicklung von Diabetes verhindern kann, wenn man in jungen Jahren orales oder intranasales Insulin verabreicht (vorausgesetzt man gibt die richtige Dosis).

Drittens haben wir bereits sehr viel Erfahrung mit der Verabreichung von Insulin, sowohl oral als auch intranasal, und diese Erfahrung zeigt, dass es ungefährlich ist. Das ist uns natürlich sehr wichtig.

2. What is the aim of the Pre-POINT Study?
"Pre-POINT is a prelude to POINT which aims to test whether giving insulin either orally or intranasally very early will prevent diabetes. Before we do the full POINT trial we need to make sure that we have picked the best possible way to give the insulin (both amount and how). We have some idea of this from the work done in mice, but humans are not mice! Therefore, we have designed the trial so that we start by giving a low dose of insulin to the children, and then as the trial goes on we increase the amount that we give - and all the time we look for evidence that it is working at that dose (mainly looking for what we call a protective immune response) - this is the Pre-POINT part. The design is such that the children in Pre-POINT can be moved to the dose and route that looks best and continue in the POINT trial. If we didn't start like this, we would be shooting in the dark and may end up doing a full trial with the wrong dose - that would be too much to risk. So Pre-POINT is almost more important that POINT."
2. Was ist das Ziel der Pre-POINT Studie?
Pre-POINT ist die Einleitung für die POINT Studie, die sich zum Ziel gesetzt hat herauszufinden, ob die frühzeitige Verabreichung von Insulin - entweder oral oder intranasal - Diabetes verhindern kann. Bevor wir die großangelegte POINT Untersuchung starten, müssen wir sicher sein, dass wir die bestmögliche Dosis und Darreichungsform gefunden haben, um das Insulin zu verabreichen. Wir haben schon Erfahrung aus der Arbeit mit Mäusen, aber Menschen sind keine Mäuse! Deswegen haben wir die Studie so aufgebaut, dass wir zuerst mit einer geringen Dosis anfangen und im Laufe der Untersuchung die verabreichte Dosis erhöhen. Während der Behandlung sammeln wir Belege für die Wirksamkeit der einzelnen Dosen und sehen, ob wir eine - wie wir es nennen - "schützende Immunantwort" erkennen können. Das ist das Ziel von Pre-POINT. Der Studienaufbau ist so angelegt, dass die Kinder in Pre-POINT auf die Dosis und

Darreichungsform eingestellt werden, die am wirksamsten ist, und dann in der POINT Studie weiter teilnehmen können. Wenn wir nicht auf diese Weise beginnen würden, würden wir einen Schuss ins Blaue machen und es könnte damit enden, dass wir eine ganze Untersuchung mit der falschen Dosis machen - das wäre zu risikoreich. So gesehen ist Pre-POINT fast wichtiger als POINT.

Herr Prof. Eisenbarth:
"It has become increasingly clear that the immune system attacking insulin is central to why children develop diabetes. It is now possible to prevent diabetes in animal models and predict diabetes in children. A large study, termed DPT, provides preliminary data that oral insulin, even after the immune system targets insulin, oral insulin can delay diabetes. It appears to work as an immune vaccine. We believe the treatment will be even more effective if given before autoimmunity and this is the pre-point study."
"Es hat sich gezeigt, dass die Immunreaktion gegen Insulin ein zentraler Auslöser für Typ 1 Diabetes bei Kindern ist. Es ist heute bereits möglich, Diabetes im Tiermodell zu verhindern und die Erkrankung bei Kindern vorherzusagen. Eine große Studie mit dem Namen DPT (Diabetes Prevention Trial) hat gezeigt, dass orales Insulin Typ 1 Diabetes verzögern kann, sogar dann, wenn der Immunprozess bereits in Gang gesetzt wurde. Es scheint zu funktionieren wie eine Impfung. Wir gehen nun davon aus, dass die Behandlung mit oralem Insulin noch wirkungsvoller ist, wenn es bereits verabreicht wird,
bevor der Autoimmunprozess in Gang gesetzt wird. Das wird die Pre-POINT Studie
zeigen."
Pressekontakt:
Christine Huber
Kölner Platz 1, 80804 München
Telefon: +49 - (0)89 - 30 68 - 25 91
Fax: +49 - (0)89 - 30 68 - 75 09
E-Mail: christine.huber@lrz.uni-muenchen.de

Christine Huber | idw
Weitere Informationen:
http://www.diabetes-point.org/
http://www.ifdf.de

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