Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Roland Berger untersucht Markt für faule Kredite

17.10.2007
Bessere rechtliche Rahmenbedingungen und Handel über Börse erforderlich

Nach einem Boom im Jahr 2006 wird sich der Handel mit notleidenden Krediten (Distressed Debt) in Deutschland, Österreich und der Schweiz heuer stark abschwächen. Wie eine Trendstudie von Roland Berger Strategy Consultants zeigt, rechnen Banken im deutschsprachigen Raum mit einem Rückgang des Transaktionsvolumens bei Unternehmenskrediten von rund 21 Milliarden auf ca. 7,5 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Für 2008 wird wieder eine leichte Erholung mit rund 10 Milliarden Euro erwartet. Neben der internationalen Finanzkrise sind das größte Handelshindernis aus Sicht der Befragten die unterschiedlichen Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern. Daher wünscht sich mehr als die Hälfte der befragten Manager eine Börse für schwierige Kredite, die den Handel einfacher und transparenter gestalten würde. Auch eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen und die weitere Professionalisierung des Marktes gelten als wesentliche Erfolgsfaktoren.

Die US-Immobilienkrise und die damit verbundenen Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten hat die Lust der Banken auf den Handel mit notleidenden Krediten deutlich gemindert. Trotzdem bleibt das Thema vor allem in Deutschland auf der Agenda. Das Gesamtvolumen an Distressed Debt wird dort auf rund 150 Milliarden Euro geschätzt. Kaum eine Rolle spielen notleidende Kredite hingegen in Österreich, wo sich auch kein entsprechender Markt etabliert hat.

... mehr zu:
»Distressed »Kredit »Problemkredit

Viele potenzielle Verkäufer, aber kaum Händler

"Auffallend ist, dass mehr als drei Viertel der im Distressed-Debt-Bereich tätigen Banken ausschließlich als Verkäufer von Krediten auftreten. Reine Käufer gibt es unter den von uns befragten Banken nicht", erklärt Alexander Kainer, Projektmanager im Wiener Büro von Roland Berger. 2006 agierte nur ein Fünftel der Kreditinstitute auch als Händler. Banken verkaufen notleidende Kredite hauptsächlich, um ihr Kreditbuch zu bereinigen oder weil sie einen attraktiven Verkaufspreis erzielen können. Weniger wichtig für den Verkauf sind eine verringerte Eigenkapitalunterlegung oder die Verbesserung der eigenen Bonität.

Kein funktionierender Markt

"Am Volumen kann es nicht liegen, dass sich in Mitteleuropa noch kein funktionierender Distressed-Debt-Markt entwickelt hat", meint Kainer. Alleine in Deutschland wird der Markt auf rund150 Milliarden Euro geschätzt. Dass diese durchaus eine kritische Masse bilden, zeigt ein Blick auf die USA: Hier liegt die Untergrenze für Fonds, die in Distressed Debt investieren, bei "nur" rund 500 Millionen US-Dollar. Das Problem in unseren Breiten sind vielmehr unterschiedliche Preisvorstellungen (88,9 Prozent der Befragten sehen das so) und fehlende rechtliche Rahmenbedingungen (72,2 Prozent). Daher wünschen sich 58 Prozent, dass der Handel mit Problemkrediten über die Börse organisiert werden soll. Dadurch würde der Markt transparenter und Kredite wären leichter zu handeln. "Allerdings existiert bei den Banken noch keine klare Vorstellung darüber, wie ein solcher Handel im Detail organisiert sein könnte und wer die Kosten für die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur tragen soll", so der Berater.

Reputation des Käufers für Kreditverkauf entscheidend

"Aufgrund der herrschenden Rechtsunsicherheit spielt neben dem Preis die Reputation des Käufers eine wesentliche Rolle im Handel mit notleidenden Krediten. Enge persönliche Kontakte und Vertrauen sind in diesem Geschäftsfeld essenziell", sagt Kainer. Denn der Weiterverkauf von nichtfälligen Krediten ist nur mit Zustimmung des Schuldners möglich. Für die Banken ist es zudem wichtig, dass ihr eigener Ruf durch den Verkauf nicht leidet und der Käufer in der Abwicklung sehr erfahren ist. Vor allem Spezialinstitute möchten das Risiko eines Reputationsschadens minimieren und suchen Käufer mit hoher Sanierungskompetenz, um negative Auswirkungen auf ihr Geschäft zu vermeiden.

Fast alle befragten Banken, die an der Trendstudie von Roland Berger teilnahmen, verkaufen vorrangige Darlehen bzw. haben sie in der Vergangenheit verkauft. 63,2 Prozent der Kreditinstitute setzen den Schwerpunkt auf Avale/Garantien, während 52,6 Prozent nachrangige Darlehen/Mezzanine veräußern.

KMUs stärker von faulen Krediten betroffen

Auffallend ist auch, dass Klein- und Mittelbetriebe stärker von Problemkrediten betroffen sind als Großkonzerne. So entfiel 2006 ein Viertel von Distressed Debt bei den befragten Banken auf Unternehmen mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz im Jahr, jeweils rund 30 Prozent auf Firmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 100 Millionen sowie zwischen 100 und 500 Millionen Euro Umsatz. Nur 15,9 Prozent der Problemkredite betrafen Großkonzerne mit mehr als 500 Millionen Euro Umsatz.

Banken vertrauen auf interne Frühwarnsysteme

Um möglichst früh notleidende Kredite erkennen und die entsprechende Gefahr einschätzen zu können, vertraut ein Großteil der Institute auf interne Frühwarnsysteme. Zudem ziehen die Banken Zahlungsverzug und die Ausfallkriterien nach Basel II zur Klassifizierung von Krediten heran. Auch eine wirtschaftlich schlechte Situation des Kreditnehmers dient als Indikator.

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 33 Büros in 23 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 1.700 Mitarbeiter haben im Jahr 2006 einen Honorarumsatz von rund 555 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von mehr als 140 Partnern.

Weitere Informationen:
Roland Berger Strategy Consultants
DI Alexander Kainer
Managing Partner
Freyung 3/2/10
1010 Wien
Tel. +43-1-536 02-101
E-Mail: alexander_kainer@at.rolandberger.com
Roland Berger Strategy Consultants
Mag. Matthias Sturm
Marketing- & PR-Advisor
Freyung 3/2/10
1010 Wien
Tel. +43-1-536 02-110
E-Mail: matthias_sturm@at.rolandberger.com

Alexander Kainer | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

Weitere Berichte zu: Distressed Kredit Problemkredit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics