Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risiken durch Fruchtwasseruntersuchung

26.09.2007
Fruchtwasseruntersuchung mit Risken verbunden
Ultraschall als schonende Alternative

Fruchtwasseruntersuchungen zur Früherkennung von Erkrankungen und Behinderungen eines ungeborenen Kindes bergen nach wie vor Risiken - bis hin zum Abgang des Fetus. Dies belegt eine aktuell veröffentlichte Studie mit Daten von mehr als 20.000 Schwangeren. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfiehlt den verstärkten Einsatz eines risikoarmen Ersttrimester-Screenings: Einer Kombination von Ultraschalluntersuchung und Blutanalyse.

In der Regel erfolgt eine Fruchtwasseruntersuchung zwischen 14 und 16 Schwangerschaftswochen. Dabei sticht der Arzt - unter Ultraschallsicht - mit einer Hohlnadel durch Bauchwand und Muskelschicht der Gebärmutter der Schwangeren bis in die Fruchtblase, die den Fetus umgibt. Das entnommene Fruchtwasser enthält abgelöste Zellen des Ungeborenen. Im Labor untersucht, geben deren Chromosomen Aufschluss über mögliche Genfehler, wie zum Beispiel Trisomien.

Anhand der Daten von mehr als 20.000 Schwangeren recherchierte Privatdozent Dr. med. Peter Kozlowski vom Institut "Praenatal-Medizin und Genetik", einem Düsseldorfer Pränatalzentrum, den Schwangerschaftsverlauf werdender Mütter nach einer Amniozentese. Diese verglich er mit fast 13.000 Schwangerschaften, bei denen eine Vorsorge mittels Ultraschall aber ohne Amniozentese durchgeführt wurde. Es zeigte sich, dass die Amniozentese die Fehlgeburtenrate von 0,82 Prozent auf 1,31 Prozent erhöhte. Die Differenz von fast einem halben Prozent bedeutet, dass auf etwa 200 Amniozentesen eine zusätzliche Fehlgeburt kommt.

Durch den Einsatz des nicht-invasiven Ersttrimester-Screenings, einer Kombination von Ultraschalluntersuchung und Blutanalyse im ersten Drittel der Schwangerschaft, ließe sich die Zahl der Fruchtwasseruntersuchungen senken und damit auch das Risiko eines Abortes, sagt DEGUM-Präsident Professor Dr. med. Eberhard Merz, Frankfurt. "Die Amniozentese sollte Schwangeren jedoch dann angeboten werden, wenn eine Ultraschalluntersuchung einen Verdacht auf eine angeborene Erkrankung ergeben hat".

Ein besonderes Risiko stellt die Amniozentese dann dar, wenn sie sehr früh, nämlich bereits mit 13 Schwangerschaftswochen durchgeführt wird. Im Vergleich zu einem späteren Untersuchungstermin wurden diese Kinder der Studie zufolge fast dreifach häufiger mit einem Klumpfuß geboren. Absolut gesehen war diese Behinderung zwar selten (Rate 0,29 Prozent), dennoch müssen die Frauen nach Ansicht der DEGUM darauf hingewiesen werden.

Die Amniozentese ist zwar eine sichere Methode zur Früherkennung bestimmter Chromosomenfehler. "Ein Ersttrimesterscreening durch DEGUM-qualifizierte Ärzte ist jedoch in vielen Fällen eine risikoarme Alternative", sagt Professor Merz. In Pränatal-Zentren arbeiten speziell ausgebildete Ärzte, die nach dem Qualifizierungskonzept der DEGUM den Stufen II und III angehören. Gegenwärtig gibt es in Deutschland ungefähr 600 solcher Experten.

Quelle:
P. Kozlowski, A. Knippel, R. Stressig:
Individual Risk of Fetal Loss Following Routine Second Trimester Amniocentesis: A Controlled Study of 20 460 Cases (Individuelles Risiko für Schwangerschaftsverlust nach Routineamniozentese im 2. Trimenon: Eine kontrollierte Studie von 20 460 Fällen)

Ultraschall Med 2007; DOI: 10.1055/s-2007-963217

| idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten