Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Smog-Alarm: Besser zu Hause bleiben

21.09.2007
Experten warnen vor Gesundheitsfolgen von Luftverschmutzung

Es ist unbestritten, dass Luftverschmutzung auch zum Tod führen kann, so das Ergebnis zweier Untersuchungen mit Menschen und Mäusen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe.

Diesel-Abgase können Blutgerinnsel bilden und diese können wiederum zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. Die Studien können nachweisen, dass es eine Korrelation zwischen den Herzproblemen und der schlechten Luftqualität in den Städten gibt. Zudem konnten Forscher an Mäusen deutlich machen, dass Smog das Immunsystem beeinflusst.

"Die wesentliche Botschaft lautet, dass sich Menschen, die schon an Herzproblemen leiden, zwar regelmäßig körperlich betätigen, dies aber vor allem bei Smogalarm im Freien unterlassen sollten", so der Kardiologe David Newby von der University of Edinburgh, der die klinische Studie geleitet hat. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben allein im Jahr 2000 rund 800.000 Menschen weltweit an den Folgen von Luftverschmutzung, viele davon an Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Newby hat in seiner klinischen Untersuchung 20 Männer, die zuvor an Herzinfarkten erkrankt waren, Dieselabgasen aus einem Traktor ausgesetzt, während sie auf Heimfahrrädern für jeweils zwei Einheiten zu je 15 Minuten trainierten. Die Luftqualität entsprach etwa der eines durchschnittlichen Smog-Tages in London. Das Ergebnis war ein deutlich herabgesetzter tissue Plasminogen Activator (tPA). Der tPA ist ein im ganzen Körper vorkommendes Enzym, das durch Abbau der Blutgerinnsel einen hemmenden Effekt auf die Blutgerinnung hat. Die Forscher konnten beweisen, dass dieser Mechanismus durch das Einatmen von Diesel-Abgasen gestört wird und dadurch zu einem vergrößerten Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko führt.

Vorangehende Untersuchungen an Hamstern haben deutlich gemacht, dass Thrombosen die Ursachen sind. Eine neue Studie von der Northwestern University in Chicago an Mäusen zeigt nun genau, wie das funktioniert. Gökhan Mutlu von der Feinberg School of Medicine konnte bei Mäusen, die schlechter Luftqualität ausgesetzt waren, feststellen, dass sie bei Verletzungen kürzer bluteten als jene Tiere, die gute Luft atmeten. Die Tiere, die schlechte Luft eingeatmet hatten zeigten zudem deutlich höhere Werte zahlreicher Proteine, die mit der Blutgerinnung zu tun hatten. Als das Forscherteam Immunzellen, die für die Vernichtung von Partikeln aus der Lunge verantwortlich sind, eliminierten, tauchten keine Blutgerinnungsprobleme auf. Das gleiche galt auch für Mäuse, bei denen das Gen für das Immunsignal-Protein Interleukin-6 fehlte. Diese Resultate weisen deutlich daraufhin, dass die Immunreaktion auf die Partikel in der Lunge zu Entzündungen führen. Diese führen zu Blutgerinnseln.

Andere Wissenschaftler wie etwa der Toxikologe Benoit Nemery von der Katholischen Universität Leuven in Belgien gehen allerdings eher davon aus, dass die Partikel einen anderen Weg einschlagen als die beiden Forscher festgestellt haben. Er hat gezeigt, dass kleine Partikel in den Blutkreislauf gelangen und das Herz direkt schädigen.

Techniker wie etwa der Luftschadstoffexperte Gerhard Fleischhacker, Direktor von CEF-Austria, arbeiten seit Jahren daran, die Abgase zu säubern. "Der Dieselpartikelfilter, der von der Autoindustrie derzeit als Allheilmittel angeboten wird, ist nicht in der Lage die gefährlichen Partikel zu beseitigen", so Fleischhacker gegenüber pressetext. "Ein Partikelfilter kann die gefährlichen und schädlichen Nanopartikel gar nicht abscheiden. Eine erhebliche Menge bzw. Masse an Schadstoffen gelangt immer noch in die freie Atmosphäre", erklärt der Experte. "Da Nanopartikel kleiner 100 Nanometer nicht abgeschieden bzw. nicht aus dem emittierten Abgasstrom entfernt werden können, bleibt das enorme, die Gesundheit gefährdende Potenzial der vielen Mrd. kanzerogenen Ultrafeinstpartikel nach wie vor erhalten," argumentiert Fleischhacker. Das Gesundheitsrisiko werde noch dadurch verstärkt, dass dem Laien immer wieder versichert werde, in mit dem Einbau eines "Rußfilters" die Abgase "sauberer" bzw. die Russ-Emissionen fast zur Gänze eliminiert würden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ed.ac.uk
http://www.medicine.northwestern.edu
http://www.cefaustria.at

Weitere Berichte zu: Herzinfarkt Luftqualität Luftverschmutzung Partikel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heimcomputer entdecken rekordverdächtiges Pulsar-Neutronenstern-System

08.12.2016 | Physik Astronomie

Siliziumsolarzelle des ISFH erzielt 25% Wirkungsgrad mit passivierenden POLO Kontakten

08.12.2016 | Energie und Elektrotechnik

Oberleitungs-LKW: Option für einen umweltverträglichen Güterverkehr?

08.12.2016 | Verkehr Logistik