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Sprachen sind vom Aussterben bedroht

19.09.2007
Forscher suchen in gefährdeten Gebieten nach letzten Überlebenden

Von den 7.000 unterschiedlichen Sprachen, die heute weltweit gesprochen werden, dürfte etwa die Hälfte dieses Jahrhundert nicht überleben. Alle zwei Wochen verschwindet eine von ihnen aus dem Sprachgebrauch, warnen Wissenschaftler.

Eine neue Studie zeigt nun die fünf Regionen, die vom Aussterben der Sprachen am stärksten betroffen sind. Jedes der Gebiete, die sich in Australien, Amerika und Asien befinden, beherbergt indigene Völker mit einer ständig sinkenden Vielfalt an Sprachen. "Mehr als die Hälfte der Sprachen hat keine Schrift und ist deshalb besonders gefährdet in Vergessenheit zu geraten", erklärt David Harrison, der sich der Bewahrung und Dokumentation der aussterbenden Sprachen verschrieben hat, gegenüber der New York Times.

Der Norden Australiens, das zentrale Südamerika, die Küstengebiete im Nordwesten der USA, der Osten Sibiriens und die US-Bundesstaaten Oklahoma, New Mexico und Texas sind vom Verschwinden der Sprachen besonders stark betroffen. Im Rahmen eines langfristigen Projekts bereist Harrison diese Regionen und versucht die wenigen verbleibenden Menschen zu finden, welche die gefährdeten Sprachen beherrschen. Die entsprechende Dokumentation des aussterbenden Wissens beinhaltet mehrere hundert Stunden an Sprachaufzeichnungen und das Festhalten der jeweiligen Grammatik.

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In Australien ist fast jede der 231 gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht. Vergangenen Juli hätte er den letzten und einzigen Menschen getroffen, der die Sprache Amurdag spricht, so Gregory D. S. Anderson, Direktor des Living Tongues Institute. "Das ist eine Sprache, die wir vermutlich nicht zurückbringen können, aber wir haben zumindest Tonbandaufzeichnungen gemacht."

In Südamerika werden die Sprachen der Minderheiten durch Spanisch, Portugiesisch oder stärker verbreitete indigene Sprachen verdrängt. Die Existenz einer Geheimsprache, die von den Ureinwohnern in der Medizin verwendet wird, zeigte den Forschern jedoch, dass in Einzelfällen auch Sprachen, die nur von kleinen Minderheiten gesprochen werden, die Jahrhunderte überstehen können.

Sowohl im Nord- als auch im Südwesten der USA bedroht Englisch sämtliche indigenen Sprachen. Das langfristige Überleben der 54 Sprachen der Ureinwohner in British Columbia, Washington und Oregon ist fraglich. Auch in Oklahoma, Texas und New Mexico geraten vierzig Sprachen, die durch das Einsperren der Ureinwohner in Reservate in die Bundesstaaten gebracht wurden, immer mehr in Vergessenheit.

In Sibirien wurden die Ureinwohner vom Staat gezwungen, einheitlich die Nationalsprache zu benutzen. Weltweit würden heute 83 Sprachen von 80 Prozent der Menschen gesprochen - alle anderen sterben schneller aus als Tier- und Pflanzenarten, so Harrison.

Georg Eckelsberger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.livingtongues.org

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