Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DAX30-Unternehmen weiterhin deutlich internationaler als ihre Vorstände und Aufsichtsräte

11.09.2007
Umfassende Studie über Internationalität von Führungskräften liegt vor

Während die größten deutschen Unternehmen hinsichtlich ihrer Geschäftsaktivitäten heutzutage meist sehr international sind, sieht es in den Führungsetagen immer noch anders aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie, welche der Lehrstuhl für Internationales Management und Strategisches Management der ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat.

Die bisher umfangreichste Untersuchung über die Internationalität der Vorstände und Aufsichtsräte in DAX30-Unternehmen deckt damit erheblichen Nachholbedarf innerhalb der deutschen Corporate-Governance-Gremien auf.

Anders als in früheren Untersuchungen wurde Internationalität in der nun vorgelegten Studie anhand mehrerer Dimensionen gemessen. Nicht nur die Nationalität der Vorstände und Aufsichtsräte, sondern auch deren internationale Erfahrungen während Studium und Karriere sowie deren internationale Mandate gingen in die Analysen ein. Trotz dieses weiten Internationalitätsverständnisses zeigt sich, dass das Internationalitätsniveau der Vorstände und Aufsichtsräte das Internationalitätsniveau der Unternehmen bei Weitem noch nicht erreicht.

"Natürlich darf man Internationalität nicht als alleiniges Persönlichkeits- oder Qualifikationsmerkmal eines Vorstands- oder Aufsichtsratsmitglieds betrachten", betont Professor Dr. Stefan Schmid, Inhaber des Lehrstuhls für Internationales Management und Strategisches Management an der ESCP-EAP Berlin, der die wissenschaftliche Leitung des Forschungsprojekts innehat. "Aber fehlende Internationalität in den Führungsetagen kann negative Konsequenzen haben - nicht nur für die Unternehmensstrategie, sondern auch im Hinblick auf die Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber außerhalb Deutschlands." So ist es schwierig, High-Potentials im Ausland dauerhaft zu binden, wenn diese feststellen, dass Top-Positionen im Konzern nur Deutschen vorbehalten sind. Selbst im Inland ist es für viele Führungsnachwuchskräfte heutzutage wichtig, dass der potenzielle Arbeitgeber eine internationale Orientierung aufweist. Internationalität - und zwar Internationalität auf zahlreichen Ebenen - ist ein wichtiges Kriterium, um als "employer of choice" zu gelten.

"Globalisierung" scheint im Hinblick auf die Führungsetagen noch mehr ein Schlagwort als Realität zu sein. Den so genannten polyglotten "one world manager" gibt es in der Praxis - zumindest auf der obersten Unternehmensebene - noch selten. Die Studie hat dabei nicht nur Ergebnisse zur Internationalität an sich zutage gebracht. Analysiert wurde auch, mit welchen Ländern auf der Ebene der Corporate-Governance-Gremien Kontakte bestehen. Und dabei zeigt sich, dass viele deutsche Unternehmen immer noch stark eine "westliche Brille" und dabei insbesondere eine "anlgo-amerikanische Brille" aufsetzen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) erscheint dies eher vergangenheits- als zukunftsorientiert. Die Autoren der Studie sprechen sich deshalb für eine stärkere pro-aktive Internationalisierung in den Führungsetagen aus. Die Internationalisierung der Vorstände und Aufsichtsräte darf der Internationalisierung der Unternehmen nicht permanent hinterherhinken. Internationalisierung findet nicht nur beim Umsatz oder bei den Vermögenswerten statt. "Internationalisierung muss bei den Persönlichkeiten beginnen, die in Unternehmen zentrale Entscheidungen treffen", so Dipl.-Psych. Andrea Daniel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Herrn Professor Schmid, die an der Studie mitgearbeitet hat. Auf diese Weise kann auch verhindert werden, dass Unternehmen im Ausland zu stark als deutsch wahrgenommen werden und als ethnozentrisch gelten.

Manche Unternehmen versuchen zwar, die geringe Internationalität in Vorstand und Aufsichtsrat durch eine verstärkte Internationalität auf der zweiten und dritten Führungsebene "abzufedern". Doch dies kann zu einer kulturellen Diskrepanz zwischen dem Top-Management und weiteren Management-Ebenen führen. Die Studie liefert auch vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um den Deutschen Corporate Governance Kodex brisante Ergebnisse. Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt, bei der Besetzung von Positionen im Aufsichtsrat explizit eine adäquate Berücksichtigung der internationalen Aktivitäten des Unternehmens. Dieser Empfehlung scheinen bisher keineswegs alle DAX30-Unternehmen genügend nachzukommen.

Veröffentlichungen:

Die detaillierten Hauptergebnisse der bisher umfassendsten Studie zur Internationalität von Vorständen und Aufsichtsräten in Deutschland finden sich in folgender Publikation:

Schmid, Stefan (2007): Wie international sind Vorstände und Aufsichtsräte? Deutsche Corporate-Governance-Gremien auf dem Prüfstand. Working Paper Nr. 26, ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin, September 2007, 19 Seiten.

Weitere Ergebnisse der Studie, die Entwicklung des verwendeten Internationalitätsindex und die theoretischen Grundlagen der Internationalitätsmessung werden in einer zusätzlichen Publikation ausführlich dargestellt:

Schmid, Stefan/Daniel, Andrea (2006): Measuring Board Internationalization - Towards a More Holistic Approach, Working Paper Nr. 21, ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin, Dezember 2006, 49 Seiten.

Beide Publikationen können Sie kostenlos anfordern bei:

Frau Renate Ramlau
Lehrstuhl für Internationales Management und Strategisches Management
ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin
Heubnerweg 6
D-14059 Berlin
Tel.: 0049-(0)30-32007-137
Fax: 0049-(0)30-32007-107
E-Mail: renate.ramlau@escp-eap.de
Hintergrundinformation:
Die ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin ist der deutsche Campus der ESCP-EAP European School of Management mit weiteren Standorten in Paris, London, Madrid und Turin. In ihrem weltweit einzigartigen "Multi-Campus" mit 5 eigenen Standorten in 5 europäischen Ländern vermitteln die transnationalen Programme der ESCP-EAP neben wirtschaftswissenschaftlichen und praxisnahen Fachkenntnissen ein intensives interkulturelles Erlebnis. Vom wirtschaftswissenschaftlichen Hauptstudium über Promotions- und MBA-Programme bis hin zur Corporate Education bietet die ESCP-EAP Berlin ein breites Spektrum an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für internationale Führungskräfte.

Die ESCP-EAP ist als wissenschaftliche Hochschule staatlich anerkannt und arbeitet seit 30 Jahren in Deutschland. Hier ist sie die erste Hochschule, die von allen drei wichtigen internationalen Akkreditierungsagenturen - AACSB, AMBA und EQUIS - anerkannt worden ist. Die ESCP-EAP geht zurück auf die älteste Wirtschaftshochschule Europas und wird von der Deutsch-Französischen Hochschule unterstützt.

Kathrin Lehmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.escp-eap.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie