Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit der Feuerwehr rascher zur Lehrstelle

06.09.2007
Ehrenamtliche Mitarbeit lohnt sich: Jugendliche, die sich bereits während ihrer Schulzeit bei der örtlichen Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk (THW), einem Rettungsdienst oder ähnlichen Organisationen engagieren, finden nachweislich rascher einen Ausbildungsplatz.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) bei rund 2.600 Haupt- und Realschulabsolventen und -absolven-tinnen, die nach Ende ihrer Schulzeit auf Lehrstellensuche waren.

Die BIBB-Studie ging unter anderem der Frage nach, welche Faktoren die Dauer der Ausbildungsplatzsuche bis zu einem erfolgreichen Abschluss verkürzen oder verlängern. Die Ergebnisse sind dokumentiert in der zweiten Ausgabe von BIBB REPORT.

Mit dem ehrenamtlichen Engagement der Jugendlichen verbinden sich drei Funktionen:

o Die Jugendlichen lernen wichtige soziale und organisatorische Fertigkeiten und fördern damit entscheidend ihre Ausbildungsreife ("Qualifizierungsfunktion").

o Sie können in ihren Bewerbungsunterlagen auf das ehrenamtliche Engagement verweisen und setzen damit positive Zeichen für Personalentscheider ("Signal-funktion").

o Sie lernen wichtige Leute vor Ort kennen und verschaffen sich damit mehr Möglichkeiten für einen informellen Zugang zu möglichen Lehrstellen in der Region ("Vernetzungsfunktion").

Erfreulich ist, dass sich gerade Hauptschüler besonders oft in diesen Organisationen ehrenamtlich engagieren. Allerdings ist die Mitarbeit bei der Feuerwehr oder dem THW vor allem eine Domäne der männlichen Jugendlichen. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund sind dort vergleichsweise selten zu finden.

Weitere Positivfaktoren: Gute Schulleistungen, offenes Gesprächsklima in der Familie

Neben dem ehrenamtlichen Engagement tragen vor allem gute Leistungen in der Schule zu einem raschen Ausbildungseinstieg bei. Ein mittlerer Schulabschluss ist dabei zwar vorteilhafter als ein Hauptschulabschluss. Oft noch entscheidender als die Art des Schulabschlusses ist jedoch ein möglichst guter Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis. Auch der familiäre Hintergrund spielt eine wichtige Rolle: Wie bei der Frage, wer später einmal ein Studium aufnimmt oder nicht, haben Kinder höher gebildeter Eltern auch bessere Chancen auf eine betriebliche Berufsausbildung. Dies hängt nach den Ergebnissen der BIBB-Studie nicht nur damit zusammen, dass diese Jugendlichen in der Schule erfolgreicher sind. Vielmehr werden sie von ihren Eltern in Fragen der Berufswahl, Lehrstellensuche und Bewerbungsstrategien intensiver und besser beraten. Ein offenes, problemorientiertes Gesprächsklima zu Hause fördert daher nachweislich die Wahrscheinlichkeit, rascher den Wunsch nach einer Lehrstelle realisieren zu können.

Ausbildungsanfänger unter 18 Jahren inzwischen in der Minderheit

In den vergangenen Jahren verlängerte sich der Zeitraum zwischen Schulende und Ausbildungseinstieg immer mehr. Bis zumindest zwei Drittel der ausbildungsinteressierten Jugendlichen in eine betriebliche Lehre einmünden, dauert es bei Jugendlichen mit mittlerem Schulabschluss etwa ein Jahr, bei Hauptschulabsolventen und -absolventinnen sogar zwei Jahre. Während Anfang der 90er-Jahre noch mehr als die Hälfte aller Jugendlichen, die eine betriebliche Lehre aufnahmen, nicht volljährig war, ist dies heute nur noch etwa ein Drittel. Ein weiteres Drittel ist bereits über 20 Jahre alt. Das Durchschnittsalter aller Ausbildungsanfänger und -anfängerinnen ist inzwischen auf 19,3 Jahre gestiegen.

Gründe für einen verzögerten Ausbildungsbeginn

Maßgeblicher Grund für das immer höhere Einstiegsalter der Jugendlichen ist das Auseinanderdriften zwischen Ausbildungsplatzangebot und -nachfrage - sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht. In qualitativer Hinsicht stehen steigende Ausbildungsanforderungen einer aus Sicht der Betriebe nachlassenden Ausbildungsreife vieler Schulabgänger und -abgängerinnen gegenüber. In quantitativer Hinsicht führte die negative Beschäftigungsentwicklung bis 2005 zu einer starken Abnahme des Ausbildungsplatzangebots, während die Zahl der Schulabgänger und -abgängerinnen immer stärker zunahm.

Probleme bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund - aber auch bei jungen Frauen

Von den Problemen, einen betrieblichen Ausbildungsplatz zu finden, sind insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund betroffen. Dies kann laut BIBB-Studie aber nur zum Teil über die Wohnregion, die Bildungsvoraussetzungen und den familiären Hintergrund erklärt werden. Schlechtere Chancen auf eine betriebliche Ausbildungsstelle haben auch junge Frauen - und dies, obwohl sie im Durchschnitt bessere Schulabschlüsse und bessere Noten als die Jungen aufweisen. Doch konzentrieren sie sich sehr stark auf nur wenige Berufe. Dementsprechend groß ist dort die Konkurrenz um die vorhandenen Ausbildungsplätze.

Weitere Informationen im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/bibbreport

Dort steht auch die vollständige Ausgabe von BIBB REPORT, Heft 2, September 2007, als Download zur Verfügung.

Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilen:
Michael Friedrich, Tel.: 0228 / 107-2023; E-Mail: friedrich@bibb.de
Dr. Joachim Gerd Ulrich, Tel.: 0228 / 107-1122; E-Mail: ulrich@bibb.de
Ursula Beicht, Tel.: 0228 / 107-1314; E-Mail: beicht@bibb.de
Mit dem Thema "Übergang von der Schule in die Berufsausbildung" beschäftigt sich auch der Arbeitskreis "Schwellen, Hürden, Warteschleifen - Übergänge zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem" im Forum 4 auf dem 5. BIBB-Fachkongress, der vom 12. bis 14. September 2007 im Congress Center Düsseldorf (CCD) stattfindet.

Andreas Pieper | idw
Weitere Informationen:
http://www.bibb.de/fachkongress

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics