Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmkrebsvorsorge zu wenig genutzt

03.09.2007
Risikopersonen oft nicht ausreichend informiert / Untersuchung mit zwei Preisen ausgezeichnet

Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebstodesursache - 29.000 Menschen sterben jährlich daran. Ein besonders großes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, besteht bei familiärer Disposition, das Risiko steigt noch einmal an, wenn die Erkrankung bei einem Verwandten ersten Grades vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde.

Aber: Mehr als 90 Prozent der Darmkrebsfälle könnten durch eine Vorsorgekoloskopie (Darmspiegelung) verhindert oder geheilt werden. Professor Dr. Tim Greten, Oberarzt der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat jetzt die Ergebnisse einer Studie vorgelegt, in der er die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten untersuchte, die zum Zeitpunkt der Diagnose das 60. Lebensjahr noch nicht erreicht hatten.

"Die Untersuchung hat gezeigt, dass die betroffenen Verwandten, die über das Risiko der familiären Disposition aufgeklärt waren, deutlich häufiger eine Koloskopie durchführen ließen als die nicht Aufgeklärten", erklärt Professor Greten. "Allerdings ließen sich auch in dieser Personengruppe insgesamt nur 27 Prozent untersuchen."

Die Studie versteht sich deshalb auch als Aufklärungskampagne, um möglichst viele Patienten und Angehörige zu erreichen und für eine Vorsorgeuntersuchung zu sensibilisieren. "Das ist uns gelungen, wir haben mit diesem einfachen Weg sehr viele Risikopersonen erreichen können", sagt Professor Greten. "Und wir konnten auch darüber aufklären, dass das Risiko nicht nur die eigenen Kinder betrifft, die häufig noch viel zu jung sind, sondern vor allem Eltern und Geschwister." Das sei vielen Patienten nicht klar gewesen.

Die Mediziner verschickten Fragebögen an 602 Patienten, die zwischen 2002 und 2005 an Darmkrebs erkrankt und jünger als 60 Jahre waren. 442 Patienten (73 Prozent) beantworteten den Fragebogen, sie waren im Durchschnitt 51 Jahre alt. Gefragt wurde nach dem Wissen der Patienten um das erbliche Risiko, die Häufigkeit von Darmkrebserkrankungen bei Verwandten ersten Grades und die Frage, wieviele Eltern und Geschwister eine Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen hatten. Schließlich fragten die Mediziner nach, ob das Wissen um das erhöhte Risiko die Verwandten bewogen hatte, zur Vorsorge zu gehen.

44 Prozent der Patienten gaben an, dass sie über das erhöhte Darmkrebsrisiko für Verwandte ersten Grades Bescheid wussten. Erschreckend niedrig war die Anzahl der Koloskopien bei den Geschwistern der angeschriebenen Patienten. Bei den Geschwistern, die das Risiko kannten, nahmen 27 Prozent an der Vorsorgeuntersuchung teil, bei den nicht Aufgeklärten nur 20 Prozent. Bei Verwandten ersten Grades von Darmkrebspatienten, also Eltern, Geschwistern und Kindern, ist das Risiko einer Erkrankung um das Zwei- bis Dreifache erhöht. Eine weitere, drei- bis vierfache Risikosteigerung besteht, wenn die Erkrankung vor dem 60. Lebensjahr diagnostiziert wurde.

Derzeit wird Verwandten ersten Grades von Patienten mit kolorektalen Karzinomen eine Vorsorgeuntersuchung empfohlen, wenn sie ein Alter erreicht haben, das zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des betroffenen Patienten liegt.

Die Untersuchung erfolgte 2005 in Zusammenarbeit mit dem Tumorzentrum der MHH und der Tumornachsorgestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Die Untersuchung wird in der August Ausgabe der Fachzeitschrift "Annals of Oncology" veröffentlicht. Professor Greten wurde zudem für die Arbeit mit dem Felix Burda Award 2007 und dem Präventionspreis Innere Medizin der Deutschen Stiftung für Innere Medizin ausgezeichnet.

Weitere Informationen gibt Ihnen gern Professor Dr. Tim Greten, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie unter Telefon (0511) 532-8941.

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de/

Weitere Berichte zu: Darmkrebs Darmkrebsvorsorge Vorsorgeuntersuchung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Massenverlust des Antarktischen Eisschilds hat sich beschleunigt
14.06.2018 | Technische Universität Dresden

nachricht Teure Flops: Nur 5% der Innovationsideen werden erfolgreich
12.06.2018 | Institut für angewandte Innovationsforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics