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Zersiedelung verursacht massive Verkehrsprobleme

29.08.2007
VCÖ fordert Förderung von "Verkehrsparhäusern"

Mit vernünftigen Raumordnungskonzepten kann man das Verkehrsaufkommen reduzieren. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Verkehrsclub Österreich VCÖ. Die Zersiedelung, der Boom von Einkaufszentren und Betriebsansiedlungen abseits von Schienennetzen verursachen viel Auto- und Lkw-Verkehr. Ein weiteres Problem dabei ist die Verbauung von zu viel Land: Täglich werden in der Alpenrepublik Flächen von sieben Fußballfeldern ausschließlich für den Verkehr verbaut.

"Die aktuelle Studie zeigt, dass die in Österreich von Siedlungen und Verkehr beanspruchte Fläche von 4.321 Quadratkilometern bereits größer ist als das Burgenland", so VCÖ-Expertin Bettina Urbanek im pressetext-Interview. "Die Bevölkerung im 'Grüngürtel' um die Ballungsräume ist mit plus 13 Prozent seit dem Jahr 1991 doppelt so stark gewachsen wie im Österreich-Durchschnitt", erklärt die Expertin. "Viele der heutigen Verkehrsprobleme sind die Folge der mangelnden Abstimmung von Verkehrs- und Siedlungspolitik."

"Durch den Umzug sind viele Menschen aus der Stadt, wo weiterhin ihr Arbeitsplatz ist, ins Grüne gezogen. Vor allem deshalb ist die Anzahl der Pendler seit dem Jahr 1991 um 31 Prozent auf mehr als 1,9 Mio. gestiegen", so Urbanek. Der durchschnittliche Arbeitsweg habe sich in den vergangenen 30 Jahren auf rund 20 Kilometer mehr als verdoppelt. "In stark zersiedelten Regionen sind die Menschen aufs Auto angewiesen, denn dünn besiedelte Regionen sind schwierig mit Öffentlichem Verkehr zu versorgen." Deutlich werde dies am Beispiel Burgenland, wo 76 Prozent aller Haushalte in Einfamilienhäusern leben. Im gesamten Österreich-Durchschnitt liegt der Wert bei 37 Prozent. "Während im Österreich-Durchschnitt auf 1.000 Einwohner 509 Pkw kommen, ist das Burgenland mit 581 Pkw pro 1.000 Einwohner der Spitzenreiter."

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Die Studie zeigt auch, dass energiesparendes Bauen vor allem verkehrsparend Bauen heißt. Ein Durchschnitts-Haushalt ohne Auto in einem "normalen" Haus hat einen niedrigeren Energieverbrauch als ein Energiesparhaus mit Auto im Haushalt. "Daher fordert der VCÖ, dass die Entfernung zur nächsten Haltestelle des Öffentlichen Verkehrs in der Wohnbauförderung berücksichtigt wird", meint auch VCÖ-Sprecher Christian Gratzer gegenüber pressetext.

Auch die Einkaufszentren an der Peripherie der Städte tragen zum Verkehrsaufkommen wesentlich bei. Allein die Shopping City Süd verursacht pro Jahr rund 300 Mio. Autokilometer. "Die VCÖ-Studie zeigt, dass es in Österreich rund 410.000 Parkplätze bei Einkaufszentren und Geschäften gibt. In Summe machen die Autofahrten von und zu diesen Parkplätzen 5,4 Mrd. Kilometer aus", so Urbanek. Diese Autofahrten verursachen damit mehr als 860.000 Tonnen CO2. Ein weiteres Problem der großen Einkaufszentren am Stadtrand ist das Aussterben der Nahversorger. "Seit dem Jahr 1980 ist die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in Österreich von 27.000 auf weniger als 16.300 Geschäfte gesunken. Jede vierte Gemeinde in der Steiermark hat kein Lebensmittelgeschäft mehr", kommentiert die Expertin die Studienergebnisse.

In den Niederlanden wurde das so genannte ABC-Konzept für eine verkehrsparende Raumordnung entworfen: Geschäfte und Bürogebäude werden vor allem in A-Zonen angesiedelt, das sind Gebiete um Knotenpunkte des Öffentlichen Verkehrs. "Ein solches Konzept würde auch in Österreich durchaus sinnvoll sein." Damit ließen sich nämlich 580.000 Tonnen CO2-Emissionen einsparen, erklärt die Expertin abschließend gegenüber pressetext.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.vcoe.at

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