Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urin-Analyse einer ganzen Stadt

23.08.2007
US-Forscher schließen vom Abwasser auf Drogen-Konsumverhalten

Wissenschaftler der Oregon State University haben gezeigt, wie man aus einem Löffel Abwasser einen Drogentest für eine gesamte Kommune erstellen kann, berichtet der US-Nachrichtenchannel Newsvine. Natürlich könne man anhand des Tests nicht darauf schließen, welche Personen konkret Drogen konsumieren. Dennoch konnten die Forscher Spuren von 15 Substanzen im Abwasser nachweisen. Die Studie wurde im Rahmen des Treffens der American Chemical Society in Boston präsentiert.

Das Forscherteam hat in zehn nicht genannten US-Städten mit einer Einwohnerzahl zwischen 17.000 und 600.000 nach legalen wie auch nach illegalen Substanzen gesucht. Das Ergebnis war, wie sie selbst meinen, ein Schnappschuss von dem, was die Bürger des jeweiligen Ortes zu sich nehmen. "Das ist wie eine Urin-Analyse eines Ortes", meint Caleb Banta-Green, Experte für Drogen von der University of Washington, der an der Untersuchung mitgearbeitet hat. Zwei Bundesagenturen der US-Regierung hatten im Vorfeld bereits Studien durchgeführt, in denen sie nach Drogenspuren in Abwässern suchten. Allerdings seien diese Untersuchungen bei weitem nicht so konkret gewesen wie die der Universität von Oregon.

Eines der offensichtlichsten Ergebnisse der Untersuchungen war der unterschiedliche Gehalt von Methamphetaminen. Eine Stadt, in der auch die Spielindustrie blüht, zeigt fünf Mal höhere Werte als die anderen. "In den kleineren Städten des Mittleren Westens war dieses Substanz praktisch überhaupt nicht zu finden", erklärt die Studienleiterin Jennifer Field, die Umwelttoxikologin an der Oregon State University ist. Eine Substanz konnten die Forscher allerdings in recht großen Mengen in allen untersuchten Abwässern ausmachen: Koffein.

Da in Übereinstimmung mit den Betreibern der Kläranlagen Stillschweigen über die untersuchten Städte vereinbart worden war, wurden diese auch nicht genannt. Field plant jedoch ähnliche Untersuchungen in mindestens 40 Gemeinden in Oregon. Das Testverfahren gebe keinen Aufschluss darüber, wie viele Menschen die Substanzen zu sich nehmen, so die Forscherin. Dennoch lasse die Untersuchung einige Rückschlüsse zu. Interessant sei etwa der Unterschied von einzelnen verbotenen Drogen: Während etwa Kokain und Ecstasy in erster Linie an Wochenenden konsumiert und auch ausgeschieden werden, fanden sich die Spuren von Methamphetaminen die ganze Woche über im Abwasser.

Das sei eine interessante Ergänzung zu den anderen Untersuchungen, die auf freiwilligen Angaben beruhen. Generell gäbe es aber nur wenige Indikatoren für den tatsächlichen Drogenkonsum, meint Jane Maxwell vom Addiction Research Institute an der University of Texas, die nicht an der Studie teilgenommen hat. "Das könnte ein sehr interessanter neuer Aspekt sein", meint die Wissenschaftlerin. Positiv äußerte sich auch David Murray, Chef-Wissenschaftler des US-Office for National Drug Control Policy.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.newsvine.com
http://www.chemistry.org

Weitere Berichte zu: Abwasser Methamphetamin Urin-Analyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften