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Genvariante beeinflusst emotionale Erinnerung

16.08.2007
Emotionale Erlebnisse bleiben erfahrungsgemäss besonders gut in unserem Gedächtnis haften. Wissenschaftler der Universitäten Zürich und Basel haben für dieses Phänomen nun einen molekularen Mechanismus entdeckt. Menschen mit einer Genvariante erinnern sich besser an positive oder negative Erlebnisse. Die Ergebnisse dieser Studie erscheinen in der Septemberausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature Neuroscience".

Emotionale Erlebnisse wie beispielsweise eine Hochzeit oder ein Unfall können oft Jahre später noch sehr gut erinnert werden. Demgegenüber werden alltägliche, emotional neutrale Geschehnisse nur oberflächlich abgespeichert und gehen schneller vergessen. Dieser gedächtnisfördernde Effekt von Emotionen ist biologisch durchaus sinnvoll. So brennen sich erlebte Gefahrensituationen tief in unser Gedächtnis ein und können dadurch zukünftig eher vermieden werden.

Die Professoren Dominique de Quervain von der Universität Zürich und Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel haben nun entdeckt, dass ein bestimmter Rezeptor für das emotionale Gedächtnis des Menschen eine wichtige Rolle spielt. Dieser alpha-2B-adrenerger-Rezeptor dient als Andockstelle für den Botenstoff Noradrenalin. In einer Untersuchung bei gesunden Versuchsteilnehmern aus der Schweiz wurden sowohl neutrale als auch emotionale Fotos gezeigt. Wie erwartet wurden in einem darauf folgenden Gedächtnistest viel mehr emotionale als neutrale Bilder erinnert - allerdings nicht bei allen Versuchsteilnehmern in gleichem Masse. Die Forscher fanden heraus, dass eine genetisch verankerte Variante des identifizierten Rezeptors wesentlich dazu beitrug, dass man sich an besonders viele emotionale Bilder erinnern konnte. Die Erinnerungsfähigkeit an neutrale Bilder blieb indes unbeeinflusst.

In einem zweiten Teil der Studie untersuchten die Forscher zusammen mit Konstanzer Wissenschaftlern die Effekte der Rezeptorvariante auf hochemotionale traumatische Erinnerungen. Dabei untersuchten sie Überlebende des Genozids in Ruanda. Rund zwei Drittel der untersuchten Opfer litten an einer so genannten posttraumatischen Belastungsstörung, einer Angsterkrankung, bei der quälende traumatische Erinnerungen zu den Hauptmerkmalen gehören. Die Forscher fanden heraus, dass die Rezeptorvariante für die Stärke der quälenden Erinnerungen an die schrecklichen Erlebnisse während des Bürgerkriegs mitverantwortlich war.

Der entdeckte Mechanismus ist also einerseits dafür verantwortlich, dass man sich an die schönen Momente im Leben gut erinnern kann und er hilft zudem, erlebte Gefahren künftig zu vermeiden. Der Preis, den man für diese positiven Effekte zu bezahlen hat, ist allerdings, dass sich traumatische Erlebnisse so tief in unser Gedächtnis eingraben können, dass sie in Form quälender traumatischer Erinnerungen und Alpträumen weiter existieren.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Dominique de Quervain, Universität Zürich
Tel : +41 44 384 2686
e-mail : quervain@bli.unizh.ch
Prof. Dr. med. Andreas Papassotiropoulos, Universität Basel
Tel: +41 61 267 2002
e-mail: andreas.papas@unibas.ch
Die aktuelle Studie fand im Rahmen des Projektes "Neurobiologische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses" statt, das von Prof. Dominique de Quervain von der Universität Zürich und Prof. Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel geleitet und vom Schweizerischen Nationalfonds und privaten Stiftungen finanziert wird. Ziele des Projektes sind die Identifizierung von neurobiologischen Mechanismen und Molekülen des menschlichen Gedächtnisses und damit die gezielte Entwicklung neuer Therapiestrategien zur Behandlung von Gedächtnisstörungen.

Das Projekt umfasst mehrere tausend Versuchsteilnehmer und Patienten aus Europa, den USA und Afrika. Bisherige Studien wurden unter anderem in den Wissenschaftszeitschriften Nature Neuroscience (2003, 2007), PNAS (2006) und Science (2006) publiziert und letztere von Science als Breakthrough des Jahres 2006 aufgeführt.

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uzh.ch/

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