Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lange Pillen-Einnahme erhöht bei HPV-Infektion Krebsrisiko

28.03.2002


Frauen, die mit dem humanen Papilloma-Virus (HPV) infiziert sind, haben bei langer Pillen-Einnahme möglicherweise ein dreifach erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „The Lancet“. Das betrifft Frauen, die seit fünf Jahren oder länger die Pille nehmen. Ist eine Frau nicht mit HPV infiziert, führt der langfristige Gebrauch hormoneller Verhütungsmittel aber nicht zu einem erhöhten Risiko. HPV-Infektionen sind alles andere selten, verlaufen aber oft unbemerkt: Experten gehen davon aus, dass rund 80 bis 90 Prozent aller Frauen in ihrem Leben einmal mit HPV infiziert waren. Meist verschwindet die Infektion von selbst wieder.

Das absolute Risiko für Gebärmutterhalskrebs rangiert von rund einem Prozent in den entwickelten Staaten bis zu fünf Prozent in weniger entwickelten Ländern. Eine Infektion mit HPV gilt als die Hauptursache von Gebärmutterhalskrebs. Dr. Victor Moreno und sein Team von der International Agency for Research on Cancer (IARC) wollten nun herausfinden, wie orale Verhütungsmittel das Risiko für Gebärmutterhalskrebs bei Frauen steigern, bei denen Tests die DNA der HP-Viren nachweisen konnten (bei denen also eine Infektion vorlag).

Die Forscher fassten Daten aus acht Studien zusammen mit Patientinnen, die unter Gebärmutterhalskrebs litten sowie zwei Studien, deren Teilnehmerinnen die Krebs-Vorstadien aufwiesen. Informationen zum Gebrauch von Verhütungsmitteln zogen die Forscher aus persönlichen Interviews. Daten hierzu gab es für rund 1900 Frauen aus Thailand, den Philippinen, Marokko, Brasilien, Peru, Paraguay, Kolumbien und Spanien.

Von den Frauen mit Krebs wiesen 94 Prozent eine HPV-Infektion auf, von denen mit einem Krebsvorstadium 72 Prozent. Im Vergleich dazu fielen Tests auf Virus-DNA nur bei 13 Prozent der Kontrollpersonen, Frauen ohne Gebärmutterhalskrebs, positiv aus – das heißt, sie waren mit dem Virus infiziert.

Verglichen mit Frauen, die noch nie zu oralen Verhütungsmitteln gegriffen hatten, zeigten HPV-infizierte Pillen-Nutzerinnen bis zu einem Einnahmezeitraum von fünf Jahren kein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs. Hatten Frauen die Pille zwischen fünf und neun Jahre lang geschluckt, war ihr Risiko dreifach erhöht, bei zehn oder mehr Jahren sogar vierfach.

Die Ergebnisse sollten Frauen, die mit HPV infiziert sind, bei der Entscheidung für oder gegen eine langfristige Einnahme von oralen Verhütungsmitteln helfen, die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen, kommentiert die an der Studie beteiligte Forscherin Dr. Silvia Franceschi. Der von dem amerikanischen Online-Dienst befragte Experte Dr. Evan Myers hält Empfehlungen für verfrüht – noch sei der zugrunde liegende Mechanismus nicht geklärt.

Eine zweite Studie untersuchte den Effekt von Geburten auf das Risiko für Gebärmutterhalskrebs bei HPV-infizierten Frauen. Viele Geburten (sieben und mehr) vervierfachten das Risiko gegenüber kinderlosen Frauen und verdoppelten es gegenüber Frauen mit einer oder zwei Geburten. Der allgemeine Rückgang der Geburten könnte daher zum Teil die Abnahme der Fälle von Gebärmutterhalskrebs erklären, wie sie in den meisten Ländern beobachtet werde, kommentieren die Wissenschaftler.

mc | Bayer vital

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften