Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zielgruppen-Segmentierung auch bei Generation 55+ entscheidend

02.08.2007
Industrie verpasst nach wie vor die zielgerichtete Ansprache älterer Kunden / Demographischer Wandel ist erkannt, aber bisher ohne Reaktion / Best Ager verfügen über mehr als die Hälfte der hinken im Vergleich zu USA hinterher

Die Debatte über die Auswirkungen des demographischen Wandels wird seit mehreren Jahren kontrovers geführt. Konsequent reagiert hat die Industrie auf die veränderten Verhältnisse hingegen nicht. Wer älter als 49 Jahre ist, existiert für die Werbeindustrie in Deutschland de facto nicht. Nur 3-5% der gesamten Media-Ausgaben zielen auf die so genannten "Best Ager" ab. Dabei verfügen die über 50-jährigen mit 643 Mrd. Euro über mehr als die Hälfte der gesamten privaten Kaufkraft.

Ein riesiges Konsumpotenzial liegt demnach brach. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton.

Dass sich die Best Ager von der Werbung nicht angesprochen fühlen, ist nur eine Facette der Versäumnisse. "Durch den demographischen Wandel ergeben sich eine Reihe von Chancen für die Unternehmen. Um diese zu nutzen, müssen sie bei Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb ganz neue Wege einschlagen", sagt Dr. Rolf Habbel, Senior Partner bei Booz Allen Hamilton.

Demographischer Wandel als Chance

Dabei steigt der Kaufkraft-Anteil der Best Ager weiter an. Im Jahr 2005 waren gut 30% der deutschen Bevölkerung bereits 55 Jahre und älter. Setzt sich die Bevölkerungsentwicklung wie bisher fort, dann werden nach den Berechnungen der UN im Jahr 2050 fast 45% der deutschen Bevölkerung der Generation 55+ angehören. Diese verhält sich anders als die Generation ihrer Eltern im gleichen Alter. "Sie sind jung geblieben und interessiert an neuen Produkten sowie innovativen Dienstleistungen. Daher bieten sich hier für Unternehmen ideale Voraussetzungen, um Konsumbedürfnisse zu befriedigen", erklärt Dr. Wolfgang Zink, Projektleiter bei Booz Allen. Zumal die Best Ager pro Kopf sogar rund 2.000 EUR im Jahr mehr ausgeben können als Personen unter 50.

Die Experten von Booz Allen gehen davon aus, dass zukünftig eine große Anzahl von Unternehmen auf diesen Trend reagieren wird - zunächst vor allem in den Branchen, die vom demographischen Wandel direkt profitieren. Auf der Seite der "natürlichen" Gewinner stehen Unternehmen, die Produkte und Services im Bereich Gesundheit, Reisen und Körperpflege sowie für das Leben in den eigenen vier Wänden anbieten, wie z.B. Möbel und Haushaltsgeräte. Auch für die Finanz- und Versicherungsbranche bietet sich großes Potenzial. Doch die deutschen Institute hinken gerade im Vergleich zu den USA noch hinterher.

Außer speziellen Unfallversicherungen, die Pflege- und Serviceleistungen zu Hause anbieten, stellt die Branche bisher nur wenige Produkte für diese wichtige Zielgruppe zur Verfügung. "Nur wer aktiv dieses Feld besetzt und eine systematische Kundensegmentierung betreibt, kann daraus einen Vorteil erzielen. Nachzügler können sich nicht mehr hervorheben", erklärt Zink.

Neben Produktentwicklung entscheiden Marketing und Vertrieb über den Erfolg

Allerdings führen Produkte, die speziell auf Best Ager zugeschnitten sind, nicht automatisch zum Erfolg. Flops haben ihre Ursache häufig darin, dass die Unternehmen die Zielgruppe nur vordergründig verstehen. Die Älteren möchten keine typischen "Seniorenprodukte", sondern leicht zu bedienende und dennoch dem neusten Stand der Technik und des Designs entsprechende Produkte. Dies gilt auch für das Marketing: Es ist wichtig, so Rolf Habbel, nicht permanent das Alter zu thematisieren, sondern die Werte und lebensprägenden Momente dieser Gruppe zu beachten. "Die Generation 55+ ist keineswegs einheitlich. Neben Baby Boomern stehen Angehörige der Nachkriegsgeneration und selbst noch der Kriegsgeneration mit ganz anderen Werten und Lebensstilen. Der Marketing-Grundsatz gilt auch hier: Erst die Zielgruppe genau segmentieren, und diese dann zielgerichtet ansprechen."

Neben Produktentwicklung und Marketing, müssen auch das Kauferlebnis, der Service und die Beratung stimmen. Im Einzelhandel gibt es beispielsweise erste Supermärkte, die in der Einrichtung und der Produktpräsentation auf die Bedürfnisse der älteren Kunden eingehen. Zusätzlich ist in den entsprechenden Filialen das Personal selbst meist über 50 Jahre alt und kann so den Kunden adäquat ansprechen. "Solche Kontakte auf Augenhöhe schaffen Vertrauen. Und dies ist der entscheidende Faktor bei großen Investitionen und Finanzgeschäften", erklärt Rolf Habbel.

Booz Allen Hamilton ist mit mehr als 19 000 Mitarbeitern und Büros auf sechs Kontinenten die weltweit führende Strategie- und Technologieberatung. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner rund 300 aktiven Partner. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich. Der Umsatz beläuft sich weltweit auf 4 Mrd. US$, im deutschsprachigen Raum auf 229 Mio. Euro.

Robert Ardelt | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.bah.com

Weitere Berichte zu: Demographischer Wandel Produktentwicklung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften