Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

KPMG-Umfrage: „Öko-Textilien“ ziehen Verbraucher kaum an

02.07.2007
Während viele Konsumenten beim Lebensmitteleinkauf inzwischen sehr genau auf die Herkunft und Produktionsbedingungen achten, wirken ökologisch hergestellte Textilien auf die Verbraucher noch nicht sehr anziehend. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Infratest unter 1.000 Bundesbürgern im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG.

Beim Bekleidungskauf überwiegen offenbar zunächst klar andere Entscheidungskriterien. So ist es 90 Prozent der Befragten wichtig oder sehr wichtig, dass die Kleidung dem persönlichen Geschmack entspricht. Es folgt die angenehme Einkaufsatmosphäre (68 Prozent) sowie die Qualität des Kleidungsstücks (64 Prozent). Auf eine ökologische Herstellung achten hingegen lediglich 15 Prozent der Befragten.

„Angesichts des insgesamt noch recht eingeschränkten Angebots von Öko-Textilien ist eine deutliche Herausstellung dieses Merkmals in den Verkaufsstellen sehr wichtig“, so Johannes Siemes, Leiter Consumer Markets & Retail bei KPMG. Gibt es nämlich einen Hinweis auf die ökologische Herstellung, so wird dieser von gut 70 Prozent der Befragten als ein kaufentscheidender Grund für Baby- und Unterwäsche sowie Kinderbekleidung genannt.

Auf die Frage, was man mit dem Begriff „Öko-Textilien“ überhaupt assoziiere, antworteten 95 Prozent beziehungsweise 86 Prozent, dass solche Kleidung besonders hautfreundlich oder allergikergeeignet sei. Eine umweltgerechte Herstellung sowie sozial vertretbare Produktionsbedingungen in den Herstellerländern verbanden damit 91 beziehungsweise 84 Prozent. Die dahinter stehende Problematik der konventionellen Kleidungsproduktion scheint somit einer großen Mehrheit der Verbraucher bekannt zu sein.

62 Prozent der Befragten gaben an, in Zukunft zumindest gelegentlich Öko-Textilien tatsächlich kaufen zu wollen. In der Vergangenheit haben dies bereits 40 Prozent getan. Johannes Siemes: „Hieran wird deutlich, dass das Thema Öko-Textilien in der Bevölkerung an Bedeutung gewinnt. Auch wenn wir uns noch auf einer eher niedrigen Basis bewegen – wir gehen davon aus, dass Öko-Textilien mittelfristig eine größere Bedeutung im Textilhandel erreichen können.“

Interesse am Thema Öko-Textilien steigt

Diese Einschätzung bestätigt sich auch bei der Frage nach dem generellen Interesse an Öko-Textilien. Seit längerer Zeit hat sich damit jeder sechste Deutsche (16 Prozent) beschäftigt. Seit kurzer Dauer interessiert sich hingegen bereits jeder vierte Deutsche (26 Prozent) dafür. Insbesondere Frauen werden hier als Zielgruppe gesehen, da ihr generelles Interesse an dieser Thematik höher ist als bei Männern (30 Prozent gegenüber 21 Prozent). Ältere Konsumenten achten generell ebenfalls vergleichsweise häufiger auf eine ökologische Erzeugung. Umgekehrt lässt sich an diesem Ergebnis allerdings auch ablesen, dass noch viel Informations- - und damit Überzeugungsarbeit - geleistet werden muss, um das Thema in breiten Bevölkerungskreisen nachhaltig zu verankern.

„Für den Textileinzelhandel ergibt sich die Empfehlung, Öko-Textilien klar herauszustellen, besonders im Bereich Baby- und Kinderbekleidung, aber auch bei Unterwäsche und Bettzeug. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass diese mit dem konventionellen Sortiment nicht nur in punkto Design und Qualität, sondern auch preislich mithalten können“, so Johannes Siemes. Denn eines ergab die Befragung ebenfalls: Für ökologisch erzeugte Kleidung würden gerade einmal 16 Prozent der Befragten deutlich mehr zahlen.

Als Alleinstellungsmerkmal reicht der Faktor „Öko“ somit noch nicht aus, zumal auch die nach wie vor eher unübersichtliche Anzahl an Prüfsiegeln und Öko-Labels beim Verbraucher für Irritationen sorgt. Vielmehr gilt er als wichtige Ergänzung der klassischen Bekleidungsmerkmale. Einzelhändler, die dies an der richtigen Stelle betonen, könnten somit Profiteure des wahrscheinlich nächsten nachhaltigen Trends im Einzelhandel sein. So wurden P&C (61 Prozent), SinnLeffers (56 Prozent), Otto und Karstadt (je 51 Prozent) bereits als besonders kompetente Unternehmen für den Kauf von Öko-Textilien genannt. Die Schlusslichter bildeten New Yorker (22 Prozent) und Woolworth (20 Prozent).

Thomas Blees | KPMG
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Berichte zu: KPMG-Umfrage Produktionsbedingung Siemes Öko-Textilie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops