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Gering Qualifizierte in den USA: Schlechte Jobchancen trotz Niedriglöhnen

28.06.2007
Analyse in den neuen WSI-Mitteilungen

Die Qualifikationsunterschiede zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen sind in den USA im Durchschnitt deutlich größer als in Deutschland. Das widerspricht der Hypothese, wonach geringer Qualifizierte in Ländern mit sehr flexibler Lohnstruktur und schwacher sozialer Sicherung vergleichsweise gute Chancen am Arbeitsmarkt haben. Zu diesem Ergebnis kommt Prof. Dr. Ronald Schettkat von der Universität Wuppertal in einer neuen Analyse auf Basis der internationalen Qualifikationsstudie IALS.

Die Hypothese, dass eine hohe "Lohnspreizung", also ein großer Abstand von niedrigen zu mittleren und hohen Löhnen, Beschäftigung fördere, wird in der Debatte um Mindestlöhne häufig vorgetragen. Sie geht davon aus, dass geringer qualifizierte Arbeitnehmer leichter einen Job finden, wenn sie extrem niedrige Löhne akzeptieren und sich so in den Arbeitsmarkt "hineinpreisen" können. Als Beispiel für diesen angeblichen Zusammenhang werden oft die USA genannt.

Die beobachtete Qualifikations-Differenz ist jedoch ein Indiz dafür, dass Niedriglöhne keine besseren Jobchancen für geringer Qualifizierte eröffnen. Aus den Daten könne man "den Schluss ziehen, dass es geringer qualifizierten Arbeitnehmern in den USA keinesfalls gelingt, sich in Beschäftigung hineinzupreisen", schreibt der Ökonomieprofessor Schettkat in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen. Denn träfe die Hypothese zu, dann müssten Beschäftigte und Arbeitslose in den USA ähnliche Qualifikationsstrukturen aufweisen. In Deutschland müsste die Differenz hingegen größer sein.

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Tatsächlich ist die Situation aber genau entgegengesetzt: Deutsche Arbeitslose erreichen im Mittel 95 Prozent der Qualifikationspunkte, die ein Beschäftigter erreicht. In den USA sind es nur 88 Prozent. Die Daten stammen aus dem "International Adult Literacy Survey" (IALS). Das IALS erhebt in knapp 30 Ländern, welche beschäftigungsrelevanten Qualifikationen die erwachsene Bevölkerung hat.

Die Analyse der IALS-Daten untermauert andere Befunde. So ist die Lohnspreizung in Deutschland während der 90er Jahre sehr stark gewachsen. Schettkats Untersuchung zeigt, dass sie mittlerweile größer ist als in den meisten nord- und westeuropäischen Ländern. Der aktuelle Employment Outlook der OECD bestätigt diesen Trend. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosigkeit unter Personen ohne Berufsabschluss in Deutschland deutlich. "Trotz sinkender relativer Löhne hat die Arbeitslosigkeit der geringer Qualifizierten überproportional zugenommen", hält Professor Schettkat fest. Und zwar nicht nur in Deutschland: In den USA beobachtet der Wissenschaftler das gleiche Muster.

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/119.html
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_84219.html

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