Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Übernahmevolumen in der weltweiten Stahl- und Metallindustrie bricht alle Rekorde

26.06.2007
Übernahme von Arcelor durch Mittal bringt 2006 Quantensprung beim M&A-Volumen / PwC-Studie: Westeuropa und Nordamerika führen Verschmelzungsprozess an / Chinesische Stahlindustrie bleibt zersplittert

Der Mega-Merger der Stahlproduzenten Arcelor und Mittal hat das Übernahmevolumen in der weltweiten Stahl- und Metallindustrie 2006 sprunghaft ansteigen lassen. Im Vergleich zu 2005 kletterte der Gesamtwert der Fusionen und Übernahmen (Mergers & Acquisitions, M&A) von knapp 35 Milliarden auf über 77 Milliarden US-Dollar, wie aus der Studie "Forging Ahead: Mergers and Acquisitions Activity in the Global Metals Industry 2006" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor geht.

Allein auf den Arcelor-Mittal-Deal entfielen 46 Milliarden US-Dollar. "Auch wenn für das laufende Jahr keine vergleichbare Übernahme zu erwarten ist, dürfte sich die Konsolidierung der Stahlindustrie in hohem Tempo fortsetzen", erwartet Peter Albrecht, Mitglied des Vorstandes von PwC und zuständig für das Industriesegment Industrielle Produktion in Deutschland. So sind 45 Prozent der Vorstandsvorsitzenden in der Stahl- und Metallindustrie davon überzeugt, dass der Zugang zu neuen Märkten die besten Wachstumschancen bietet, und knapp jeder dritte CEO rechnet mit einem Zusammenschluss beziehungsweise der Übernahme eines ausländischen Wettbewerbers im laufenden Jahr.

Westeuropa übernimmt Führung

Mit 224 Fusionen und Übernahmen in der metallerzeugenden Industrie gab es 2006 zwar etwas weniger Zusammenschlüsse als im Vorjahr (250). Der Gesamtwert der Transaktionen erreichte jedoch gut 77 Milliarden US-Dollar - weit mehr als das Doppelte des Wertes von 2005 (34,8 Milliarden US-Dollar).

Gleichzeitig hat sich die Internationalisierung der Branche beschleunigt. Trugen Zusammenschlüsse inländischer Hersteller im Jahr 2005 noch gut die Hälfte zum Transaktionsvolumen bei, sorgte die Übernahme von Arcelor durch Mittal für eine drastische Anteilsverschiebung: Auf Fusionen von Unternehmen unterschiedlicher Herkunftsländer entfielen 2006 rund 67 Milliarden US-Dollar und damit 87 Prozent des M&A-Volumens. Selbst ohne Berücksichtigung des Arcelor-Mittal-Mergers lag der Wert grenzüberschreitender Transaktionen bei über 20 Milliarden US-Dollar, entsprechend zwei Dritteln des Gesamtwertes aller anderen Übernahmen.

Dank des Zusammenschlusses von Arcelor und Mittal führte Westeuropa den Konsolidierungsprozess 2006 an. Insgesamt gab es auf dem Kontinent 60 Deals mit einem Volumen von knapp 50 Milliarden US-Dollar (2005: 58 Übernahmen im Volumen von 8,7 Milliarden US-Dollar). In Nordamerika sank die Zahl der Transaktionen zwar leicht von 68 auf 60, der Gesamtwert kletterte jedoch von knapp 8,4 Milliarden auf 15,5 Milliarden US-Dollar. Niedriger als im Vorjahr waren die Volumina in Zentral- und Osteuropa (2006: 8,0 Milliarden US-Dollar, 2005: 12 Milliarden US-Dollar) und der Region Asien-Pazifik (2006: 3,2 Milliarden US-Dollar, 2005: 4,4 Milliarden US-Dollar).

Stahlindustrie bleibt Schrittmacher

Auf den Stahlsektor entfielen 2006 ebenso wie im Jahr zuvor die meisten Übernahmen und der weitaus größte Teil des Transaktionsvolumens. Das Übernahmevolumen kletterte von knapp 27,4 Milliarden auf 70,4 Milliarden US-Dollar und machte damit über 90 Prozent des gesamten M&A-Volumens in der Stahl- und Metallindustrie aus. Die Zahl der Abschlüsse blieb mit 166 nahezu unverändert (2005: 165).

"Trotz dieser Bilanz bleibt die Stahlindustrie sehr fragmentiert. Die fünf größten Erzeuger erreichen gemeinsam einen Marktanteil von knapp 20 Prozent, während die Top 5 in der Aluminium- und Eisenerzbranche jeweils rund 40 Prozent der weltweiten Nachfrage abdecken. Dementsprechend dürfte das Konsolidierungstempo in der Stahlbranche auf absehbare Zeit höher sein als in den anderen Sektoren", erläutert Albrecht.

In der Aluminiumindustrie gab es 33 Transaktionen gegenüber 41 im Jahr 2005, der Wert der Übernahmen stieg von knapp 4,2 Milliarden auf rund 4,6 Milliarden US-Dollar. Trotz der vergleichsweise weit voran geschrittenen Konzentration im Aluminiumsektor gibt es noch Raum für Zusammenschlüsse, wie der Merger der russischen Produzenten Rusal und Sual mit dem Schweizer Rohstoffhändler Glencore vom März 2007 zum weltgrößten Aluminiumhersteller zeigt. Der Konzern beschäftigt über 110.000 Mitarbeiter in 17 Ländern und produziert 12,5 Prozent des weltweiten Aluminiums. Zum Vergleich: Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor Mittal produziert mit rund 320.000 Beschäftigten etwa zehn Prozent des weltweit benötigten Stahls.

Bei den Herstellern sonstiger Metalle (beispielsweise Kupfer, Blei oder Zink) brachten 25 Transaktionen ein Volumen von 2,4 Milliarden US-Dollar (2005: 44 Transaktionen im Volumen von knapp 3,3 Milliarden US-Dollar).

Politische Widerstände verzögern Konsolidierung

Mit der fortschreitenden Konsolidierung der Stahl- und Metallindustrie wachsen in vielen Ländern die Bedenken vor einem "Ausverkauf" nationaler Ressourcen von strategischer Bedeutung. So wird beispielsweise über einen Kauf der koreanischen POSCO und des russischen Stahlproduzenten Magnitogorsk Iron & Steel durch Arcelor Mittal spekuliert, allerdings dürfte ein Übernahmeversuch auf massive politische Widerstände stoßen.

Auch in China beschränkt die Regierung den Zugang ausländischer Investoren zur einheimischen Stahlindustrie. Die Bemühungen um eine staatlich gelenkte Konsolidierung auf nationaler Ebene zeigen bislang noch keinen Effekt, da sich viele Provinzregierungen aus Sorge vor sinkenden Steuereinnahmen gegen eine Verlagerung lokaler Stahlproduzenten wehren. Im Jahr 2004 produzierten die 15 größten Erzeuger 48 Prozent des chinesischen Stahls, 2006 nur noch 43 Prozent. Damit ist das erklärte Ziel der Regierung in Peking, bis 2010 die Hälfte der nationalen Produktion auf die zehn größten Stahlhersteller zu konzentrieren, weiter in die Ferne gerückt.

Die PwC-Studie "Forging Ahead: Mergers and Acquisitions Activity in the Global Metals Industry 2006" finden Sie als kostenlosen Download unter: www.pwc.de/de/industrielle-produktion

Weitere Informationen erhalten Sie bei:

Peter Albrecht
PricewaterhouseCoopers AG WPG
Mitglied des Vorstands Leiter des Bereichs Industrielle Produktion
Tel.: (0201) 438-1518
Email: peter.albrecht@de.pwc.com
Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.100 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory).

Peter Albrecht | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau