Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radioonkologie 2007: Die Lebensqualität im Mittelpunkt

11.06.2007
Mehr als die Hälfte aller Krebspatienten wird heute geheilt. Moderne Thera-piekonzepte dürften die Heilungsraten weiter steigern. Diese Entwicklung sorgt dafür, dass sich das Augenmerk der Ärzte zunehmend darauf richtet, welche Auswirkungen lebensrettende Behandlungen auch langfristig auf die Lebensqualität der Patienten haben. Unter dem Schlagwort "Cancer Survivorship" stellt Prof. Dr. Johann H. Karstens, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie, dieses Thema erstmals in den Mittelpunkt einer Jahrestagung.

Das vorrangige Ziel jeder Krebsbehandlung ist es, den Patienten zu heilen. Dafür ist häufig eine kombinierte Behandlung aus Operation, medikamentöser Therapie und nachfolgender Bestrahlung erforderlich. Um die Erkrankung dauerhaft zu heilen, müssen mitunter erhebliche, auch langfristige Nebenwirkungen in Kauf genommen werden. In den letzten Jahren stellen sich Ärzte jedoch zunehmend die Frage, um welchen Preis dies geschieht, und ob man die Behandlung schonender gestalten kann, ohne die Heilungschancen zu verspielen. Das Thema "Cancer Survivorship" gewinnt an wissenschaftlicher Aktualität.

Es ist außerordentlich aufwändig, Nebenwirkungen einer Behandlung viele Jahre nach deren Beendigung zu erfassen. Betroffene Patienten müssen ausfindig ge-macht und dazu motiviert werden, sich nachuntersuchen zu lassen. Ärzte müssen gezielte Fragebögen ausarbeiten und spezielle Untersuchungen durchführen, die eine Einschätzung der gesundheitlichen Situation erlauben. Bei vielen unspezifi-schen Symptomen wie "allgemeiner Abgeschlagenheit" oder "Minderung der Potenz" kann es schwierig oder unmöglich sein, diese ursächlich einer bestimmten Therapie zuzuordnen.

Sehr gezielt kann man hingegen bei manchen organbezogenen Fragestellungen vorgehen. Will der Arzt z.B. wissen, ob ein Patient als therapiebedingte Nebenwirkung eine Einschränkung seiner Herzfunktion hat, so lässt sich dies durch elektro-kardiografische Leistungskontrollen sowie bildgebende Untersuchungen exakt bestimmen.

Geheilte Kinder haben noch ein ganzes Leben vor sich.

Die Suche nach den langfristigen Folgen einer lebensrettenden Behandlung spielt insbesondere bei Kindern eine Rolle. Diese haben, wenn sie ihre Krankheit überwunden haben, noch ein ganzes Leben vor sich. Darum gibt es beispielsweises einzelne Untersuchungen, bei denen Ärzte überprüfen, ob und welche langfristigen Folgen etwa eine Chemotherapie bei Hodgkin-Lymphomen, bösartigen Tumoren der Lymphknoten, im Kindesalter hat.

Ein einzigartiges Projekt.

Einzigartig in Deutschland ist das Projekt "RiSK-Register". Diese Nachbeobachtungsstudie dient der Erfassung von Spätfolgen nach Strahlentherapie maligner Erkrankungen im Kindes-und Jugendalter. Es wird gefördert von der Deutschen Kin-derkrebsstiftung und steht unter Federführung von Prof. Normann Willich von der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des Universitätsklinikums Münster.

Ziel der Studie ist die systematische und flächendeckende Erfassung von therapie-bedingten Nebenwirkungen im Kindes-und Jugendalter. Sämtliche Daten werden zentral in Münster erfasst. Alle Nebenwirkungen werden anhand eines systematischen Untersuchungsbogens dokumentiert, beispielsweise Spätfolgen am Herzen, Binde- und Stützgewebe, neurologisch-kognitive Störungen oder Zweittumoren.

Bislang wurden die Daten von 742 Kinder aus bundesweit 59 Zentren in Münster erfasst. Die bisherige Auswertung umfasst 581 Bögen zu akuten Nebenwirkungen und 870 Dokumentationsbögen zu chronischen Behandlungsfolgen. Außerdem werden alle Bestrahlungsdaten im Detail abgefragt. Bislang liegen 761 Bestrahlungspläne- und Protokolle vor. Damit kann man Nebenwirkungen der Bestrahlungstechnik und der Strahlendosis an Risikoorganen zuordnen und Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Behandlungen besonders risikoreich sind.

Durch eine solche Dokumentation erhofft man sich für die Zukunft Strategien für noch schonendere Behandlungsformen entwickeln zu können. Dabei darf jedoch das vorrangige Ziel der Tumorheilung nie aus den Augen verloren werden. "Ich würde mir wünschen", sagt Kongresspräsident Karstens, "dass dieses richtungsweisende Projekt aus der Kinderonkologie auch für erwachsene Krebspatienten Schule macht und es uns gelingt, hier eine entsprechende Ver-sorgungsforschung einzuführen."

Pressekontakt: Prof. Dr. med. Marie-Luise Sautter-Bihl
Pressesprecherin der DEGRO
Direktorin der Klinik für Strahlentherapie
Städt. Klinikum Karlsruhe Moltkestr. 90 · 76133 Karlsruhe
Tel.: 0721 9744001 · Fax: 0721 9744009
strahlentherapie@klinikum-karlsruhe.de
WÄHREND DES KONGRESSES: Hannover Congress Centrum · Theodor-Heuss-Platz 1-3 Konferenzraum 23 Tel.: 0511 8113-750 · Fax: 0511 8113-751

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus

23.02.2017 | Medizin Gesundheit

Viren unterstützen Fotosynthese bei Bakterien – Vorteil in der Evolution?

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Katalyse in der Maus

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie