Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Radio-Chemo-Therapie bei Kopf-Hals-Tumoren wirksamer als alleinige Strahlentherapie

11.06.2007
Die Kombination einer Strahlenbehandlung mit einer Chemotherapie ist bei in-operablen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich einer alleinigen Strahlentherapie überlegen. Dies zeigen die 10-Jahres-Ergebnisse einer großen Studie, präsentiert auf dem 13. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Hannover.

Krebserkrankungen des Kopf-Hals-Bereiches machen 6.3 Prozent aller jährlichen Krebsneuerkrankungen aus. Jedes Jahr sterben ca. 5.400 Männer und 1.400 Frauen an diesen tückischen Tumoren. Auch bei maximaler Therapie haben diese Geschwulste ein großes Rückfallrisiko. Neben der Operation ist die Strahlentherapie die entscheidende Behandlungsmethode. Seit einiger Zeit erproben die Ärzte aber auch kombinierte Strategien, bei denen die Radiotherapie beispielsweise mit einer Chemotherapie oder einer Antikörperbehandlung verknüpft wird.

Prof. Dr. Volker Budach (Charité Berlin ) präsentiert nun auf der DEGRO-Tagung in Hannover die 10-Jahres-Ergebnisse einer bundesweiten Studie (ARO 95-07), bei der die Wirksamkeit einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie mit jener einer alleinigen Strahlentherapie bei Kopf-Hals-Tumoren verglichen wurde.
Insgesamt wurden 384 Patienten mit fortgeschrittenen, inoperablen Kopf-Hals-Tumoren in der Studie behandelt. Die meisten Tumoren waren größer als vier Zentimeter oder hatten bereits Nachbarorgane angegriffen. Bei fast allen Betroffenen (365) waren die Lymphknoten mit Tumorabsiedelungen befallen. Es handelte sich also um eine Patientengruppe mit besonders schlechter Prognose.

Eine Hälfte der Patienten erhielt ausschließlich eine Strahlentherapie, die andere Gruppe erhielt eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie. Bei beiden Gruppen dauerte die Behandlung 6 Wochen.

Um die tumorvernichtende Wirkung der Therapie in beiden Gruppen zu steigern und Nebenwirkungen zu verringern, wurden die Patienten jedoch nicht wie sonst üblich einmal am Tag bestrahlt, sondern absolvierten teilweise zwei Therapiesitzungen täglich mit jeweils verringerter Dosis. In der Pause zwischen den beiden Bestrahlungen sollte sich das gesunde Gewebe erholen.

Wie Budach berichtet, waren nach 10 Jahren noch ca. 40 Prozent der kombiniert be-handelten Patienten lokal tumorfrei, d.h. der Tumor war in der ursprünglich befalle-nen Region dauerhaft verschwunden. Bei den nur bestrahlten Patienten war dies nur bei 29 Prozent der Fall. Auch die sogenannten tumorspezifischen Überlebensraten waren in den beiden Therapiegruppen unterschiedlich: Diese lag für die radio-chemotherapierten Patienten bei 41 Prozent, für die ausschließlich bestrahlten dagegen nur bei 32 Prozent. Die Gesamtüberlebens-Rate, bei der auch alle nicht-tumorbedingten Todesfälle mitgerechnet werden, zeigte allerdings bedingt durch die kleine Fallzahl keinen Unterschied zwischen beiden Therapiegruppen.

Die Häufigkeit von Fernabsiedelungen (Metastasen) war in beiden Gruppen ungefähr gleich. Die Anzahl chronischer Nebenwirkungen an der Haut, den Weichteilen oder an den Schleimhäuten war in beiden Gruppen gleich und lag insgesamt sehr niedrig. Diese Ergebnisse zählen auch im internationalen Vergleich zu den Besten die bei derart fortgeschritten Kopf-Hals-Tumoren weltweit je erzielt wurden.

Folgestudie bereits begonnen.

Nachdem die Überlegenheit der kombinierten Radio-Chemotherapie feststeht, su-chen die Forscher nach Möglichkeiten, die Wirksamkeit der Chemotherapie weiter zu verbessern. Budach: "Die Ergebnisse der abgeschlossenen Studie sind zwar insgesamt äußerst ermutigend und zeigen eine hohe Effektivität der Therapie am primären Ort der Erkrankung. Enttäuscht waren wir jedoch, dass die Häufigkeit von Fernmetastasen durch die eingesetzte Chemotherapie nicht wesentlich vermindert werden konnte. Der nächste Schritt ist nun, die Chemotherapie der alten Studie gegen eine neue Medikamenten-Kombination zu testen."

Die neue Studie ist bereits bundesweit angelaufen. Die Ärzte haben bislang 272 Pa-tienten rekrutiert. Weltweit erstmalig werden die Medikamente (Cis-Platin und Mito-mycin) gegeneinander verglichen, die bislang in der Therapie von Kopf-Hals-Tumoren die höchste Wirksamkeit gezeigt haben. Die Strahlendosis bleibt in beiden Gruppen gleich, in den letzten 3 Wochen werden alle Patienten zweimal täglich bestrahlt.

Pressekontakt: Prof. Dr. med. Marie-Luise Sautter-Bihl
Pressesprecherin der DEGRO
Direktorin der Klinik für Strahlentherapie
Städt. Klinikum Karlsruhe Moltkestr. 90 · 76133 Karlsruhe
Tel.: 0721 9744001 · Fax: 0721 9744009
strahlentherapie@klinikum-karlsruhe.de
WÄHREND DES KONGRESSES: Hannover Congress Centrum · Theodor-Heuss-Platz 1-3 Konferenzraum 23 Tel.: 0511 8113-750 · Fax: 0511 8113-751

Barbara Ritzert, | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Kopf-Hals-Tumoren Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften