Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

ETH-Studie zum suburbanen Raum abgeschlossen

08.06.2007
Eine Forschungsgruppe um ETH-Professor Vittorio Lampugnani widmet dem Thema "Agglomeration" eine umfassende Studie. Sie beschreibt dabei erstmals die Stärken und Schwächen des Stadtrandes konkret, schlägt Strategien zur Verbesserung vor und publiziert diese nun in einem praktischen Leitfaden.

Dem Stadtrand - oft auch Agglomeration oder leicht verächtlich kurz "Agglo" genannt - werden jegliche soziale oder architektonische Qualitäten abgesprochen. Meist ist er deshalb kein beliebtes Thema. Für Städtebauer ist dieser Raum aber höchst interessant und weist ein grosses Potential auf. Dies zeigt eine Studie, die im Rahmen des Netzwerkes Stadt und Landschaft (NSL) an der ETH Zürich abgeschlossen wurde.

Prof. Vittorio Magnago Lampugnani und seine Forschungsgruppe vom Institut für Städtebau sprechen lieber wertneutral vom suburbanen Raum. Sie meinen damit den unscharfen Bereich, in dem die Stadt in die umliegende Landschaft übergeht. Dieses Gebiet wird immer grösser und immer wichtiger. "Die rasante Verstädterung unserer Landschaft ist nicht einfach ein Schicksal, das hingenommen werden muss. Wir müssen zusammenrücken und das Vorhandene innovativ bewirtschaften, wenn wir nicht eine Peripherie erzeugen wollen, die weder urban noch ländlich ist", so Lampugnani.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, welche Qualitäten der suburbane Raum aufweisen kann und wie diese zu erzielen sind. Zu diesem Zweck wurden im Zürcher Glattal - einer typischen Agglomerationsregion - verschiedene städtebauliche Situationen ausfindig gemacht und analysiert. Dabei ist den Forschenden aufgefallen, dass bestimmte Merkmale im suburbanen Raum wiederholt auftreten, dass es aber keine konkreten Begriffe gibt, welche diese beschreiben. Sie definierten deshalb sieben suburbane Städtebaukategorien neu: Knoten, Relikte, Siedlungsinseln, Restflächen, Zerhäuselung, Transiträume und Superkomplexe. Siedlungsinseln sind z.B. räumlich isolierte Gebilde im Vorstadtgefüge, wie man sie oft bei geschlossenen Wohnanlagen vorfindet. Mit diesen Kategorien lässt sich jeder beliebige suburbane Raum charakterisieren, was dessen Beurteilung und die Diskussion über den Stadtrand erleichtert.

Nun suchte das Forscherteam der ETH Zürich auf der ganzen Welt nach gelungenen Beispielen aus der Geschichte des Städtebaus. Es wurden städtebauliche Situationen ausgewählt, bei denen ein breiter Konsens über deren Qualitäten besteht. Daraus wurden fünf Strategien für den suburbanen Raum heraus destilliert: Schaffung von Identifikationsorten, Verdeutlichung von Grenzen, Vernetzung, Schaffung von Kohärenz und Stärkung des öffentlichen Raums.

Angewendet auf die einzelnen Städtebaukategorien, führen diese Strategien zu einer höheren Qualität des Raums. Siedlungsinseln können z.B. durch die Stärkung des öffentlichen Raums aufgewertet werden. Der Stadtrand soll aber nicht einfach zum neuen Stadtzentrum werden. Elemente des Agglomerationsraums werden bewusst erhalten oder sogar noch betont. Die Peripherie weist somit andere Qualitäten auf als das Zentrum; sie soll dem Zentrum aber funktional, sozial und ästhetisch gleichwertig sein.

Die Forschenden legen grossen Wert auf Anschaulichkeit. Sie spielten die Kategorien und die vorgeschlagenen Strategien an neun Fallstudien aus dem Glattal ganz konkret durch. Planüberlagerungen und Fotocollagen zeigen, welche Wirkung mit der jeweils gewählten Strategie erzielt werden kann, ohne dass es sich dabei um einen realen, städtebaulichen Entwurf handelt. Mit dem "Handbuch zum Stadtrand" lassen sich Problemzonen einfach erkennen und mögliche gestalterische Vorgehensweisen aufzeigen.

Gedacht ist der praktische Leitfaden für alle, die sich mit dem suburbanen Raum auseinandersetzen möchten: Fachleute der Raumplanung sowie des Städtebaus, aber auch aus der Politik und nicht zuletzt Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtrands. "Das Handbuch mit seinen Strategien regt dazu an, bei komplexen Problemstellungen die historischen Erfahrungen zu nutzen und vielleicht dadurch Fehler zu verringern", meint Lampugnani.

Lampugnani, V.M. ; Noell, M. (Hrsg.) mit Barman-Krämer, G.; Brandl, A.; Unruh, P. : Handbuch zum Stadtrand. Gestaltungsstrategien für den suburbanen Raum. Basel, 2007, Birkhäuser Verlag, ISBN 13-978-3-7643-8369-5.

Für weitere Informationen:
Prof. Vittorio Magnago Lampugnani
NSL (Netzwerk Stadt und Landschaft)
Tel: +41 (0)44 633 29 03
vittorio.lampugnani@gta.arch.ethz.ch

Franziska Schmid | idw
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Berichte zu: Peripherie Siedlungsinsel Städtebau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Intelligente Haustechnik hört auf „LISTEN“

17.01.2017 | Architektur Bauwesen

Satellitengestützte Lasermesstechnik gegen den Klimawandel

17.01.2017 | Maschinenbau