Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kölner Institut empfiehlt Anhebung der Fördersätze bei Erneuerbaren

01.06.2007
Neue Studie im Auftrag der Elektrizitätswirtschaft spielt verschiedene Politik-Szenarien durch. VDEW: „Erstes gesamtheitliches Energiekonzept seit Helmut Schmidt“. Degressive Förderung muss dringend angepasst werden. Bundesverband Erneuerbare Energien: „VDEW-Studie enttäuscht“.

Die Energiegewinnung aus Kohle müsse sauberer werden, ohne Atomkraft gehe es derzeit noch nicht und die Förderung der erneuerbaren Energien solle neu angepasst werden, so kann man die Ergebnisse der Studie „Energiewirtschaftliche Grundkonzepte 2030“ zusammenfassen, die im Auftrag des Verbands der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI) und der Energy Environment Forecast Analysis GmbH (EEFA) erstellt wurde. Das Papier, welches jetzt im Rahmen des VDEW Kongress in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, soll künftig als Entscheidungsgrundlage für die Energieversorger dienen, so der VDEW. Auf den ersten Blick versprechen die Kernthesen der Studie zwar wenig Neues – bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Studie jedoch als durchaus diskussionswürdig, gerade mit Blick auf die erneuerbaren Energien. So forderte Werner Brinker, Präsident des VDEW, im Rahmen der Tagung noch einmal ausdrücklich, dass die bestehende degressive Förderung der Erneuerbaren dringend angepasst werden müsse. Prinzipiell sicher ein richtiger Ansatz: Bleibt nur die Frage wie diese Anpassung aussehen soll? Während sich eine Sprecherin des Verbandes im Gespräch mit EuPD Europressedienst ausdrücklich für eine Abmilderung der Degression – und damit längerfristig für eine höhere Forderung der Erneuerbaren – ausspricht, ist an anderer Stelle genau das Gegenteil zu lesen. Nebulös scheinen da auch die ausweichenden Andeutungen von VDEW-Präsident Brinker im Rahmen der Berliner Tagung. Mehrfach forderte er in diesem Zusammenhang zwar die „Anpassung“ der Förderung, ließ aber offen, ob dies eine Anhebung oder eine Absenkung des Fördervolumens bedeutet. Konkreter wurde Brinker bei der Frage, in welcher Form der Energiegewinnung er zukünftig die größten Potentiale sehe. Ausdrücklich sprach sich Brinker hier für die Photovoltaik aus und setzt neben der Steigerung der Effizienz bei den kristallinen Zellen auch auf Innovationen im Bereich der Dünnschicht.

Unterschiedliche Politik-Szenarien – BEE kritisiert Studie als mangelhaft

Anhand von vier unterschiedlichen Politik-Szenarien analysieren die Wissenschaftler aus Köln die Bandbreite der energie- und volkswirtschaftlichen Entwicklung als Folge politischer Vorgaben. Dabei berücksichtigt die Studie – laut der Kölner Institute – auch Variationen der zugrunde gelegten Handlungsfelder. Während das erste Szenario die „Umsetzung der EU-Ratsbeschlüsse unter der Fortschreibung der derzeitigen Energiepolitik bis 2030“ berücksichtigt, beziehen zwei weitere Szenarien explizit den Aspekt der CO2-Zertifizierung mit ein – einmal ohne das Modell der CO2-Auktionierung, einmal mit dem Modell der Vollauktionierung. Das vierte Szenario legt schließlich die Priorität auf die Aspekte „Umweltschutz und Kernenergieausstieg bis 2030“. Nicht ohne Stolz spricht Brinker daher von seiner Studie auch als dem „ersten gesamtheitlichen Energiekonzept seit Helmut Schmidt“. Eine Ansicht, die der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) weit von sich weist. Das Hauptziel der Studie – so der BEE in einer Veröffentlichung zum Thema – sei es wohl, die Kosten für Kohle- und Atomstrom künstlich herunterzurechnen. Ein Vorwurf, den Ralf Wissen vom EWI Köln nicht gänzlich entkräften kann. „Natürlich haben wir die Energiepreise für 2030 nur geschätzt. Anders wäre das ja auch nicht möglich. Wir sind aber sicher, dass unsere Berechnungen auf der Grundlage von zahlreichen Studien und Veröffentlichungen durchaus realistisch sind“, so Wissen gegenüber EuPD Europressedienst. Trotz allem hält der BEE an seinen Vorwürfen fest und bescheinigt der Kölner Studie „gravierende Mängel“. Wissen reagiert hierauf diplomatisch: „Ich vermute, dass der BEE von anderen Zahlen ausgeht. Meiner Ansicht nach legt der Bundesverband bei seinen Berechungen für die Marktentwicklung der Erneuerbaren die Zahlen aus dem Boom-Jahr 2006 zugrunde. Da sind wir einfach unterschiedlicher Ansicht.“ Dieser Schlagabtausch in den Medien verwundert. Besonders angesichts der vielbeschworenen Rückkehr zu einer sachlicheren Diskussion, die in Berlin von allen Beteiligten hervorgehoben wurde.

... mehr zu:
»Anhebung »Anpassung »BEE »EWI »Szenario »VDEW

Modellrechnung: CO2-Reduktion von bis zu 50 Prozent möglich

Der Kern der Studie bleibt jedoch die CO2-Reduktion. Für die vier unterschiedlichen Politikszenarien errechneten die Kölner Wissenschaftler Einsparpotentiale zwischen 30 und 50 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990. Schreibe man die derzeitige Energiepolitik fort (Szenario I), so könnten laut VDEW-Studie in Deutschland rund 30 Prozent, auf EU-Ebene immerhin noch 25 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden. Allerdings, dass räumte Ralf Wissen vom EWI Köln gegenüber dem EuPD Europressedienst ein, habe das Institut für diese Berechnungen bereits leichte Anpassungen der politischen Rahmenbedingungen angenommen. Schon um diese – derzeit festgeschriebenen – Ziele bei der CO2-Reduktion zu erreichen, müsse im Bereich der Off-Shore-Windkraft eine Anpassung der Degression vorgenommen werden, rechnet Wissen vor. „Für das Jahr 2010/2011 ist abzusehen, dass es in diesem Segment mit dem Rückgang der degressiven Förderung gleichzeitig auch zu einem deutlichen Knick führen wird. Um hier gegenzusteuern empfehlen wir – schon in Szenario I – eine leichte Anhebung der Förderung.“

Folgt man dagegen dem Szenario mit Priorität auf „Umweltschutz und Kernenergieausstieg“, sollen sogar 50 Prozent CO2-Einsparung möglich sein (40 Prozent auf EU-Ebene). Dafür seien dann aber – so die Berechnungen des EWI – noch weiter reichende Anpassungen der Förderungen nötig. Das Institut haben zahlreiche Berechnungen angestellt. Im Detail die angepassten Fördersätze zu benennen sei jedoch schwieg, so Wissen auf Nachfrage. Als Größenordnung – das bestätigte der wissenschaftliche Mitarbeiter gegenüber EuPD Europressedienst – empfehle sein Institut bei den Berechnungen aber durchaus Anhebungen der Fördersätze zwischen 50 Prozent und bis zu 70 Prozent, je nach Energieträger. Details hierzu kündigte Ralf Wissen in einer weiteren Veröffentlichung Ende Juni an.

| EuPD Europressedienst Bonn
Weitere Informationen:
http://www.europressedienst.com

Weitere Berichte zu: Anhebung Anpassung BEE EWI Szenario VDEW

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht Europas demografische Zukunft
25.07.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

Spektral breite Röntgenpulse lassen sich rein mechanisch „zuspitzen“. Das klingt überraschend, aber ein Team aus theoretischen und Experimentalphysikern hat dafür eine Methode entwickelt und realisiert. Sie verwendet präzise mit den Pulsen synchronisierte schnelle Bewegungen einer mit dem Röntgenlicht wechselwirkenden Probe. Dadurch gelingt es, Photonen innerhalb des Röntgenpulses so zu verschieben, dass sich diese im gewünschten Bereich konzentrieren.

Wie macht man aus einem flachen Hügel einen steilen und hohen Berg? Man gräbt an den Seiten Material ab und schüttet es oben auf. So etwa kann man sich die...

Im Focus: Abrupt motion sharpens x-ray pulses

Spectrally narrow x-ray pulses may be “sharpened” by purely mechanical means. This sounds surprisingly, but a team of theoretical and experimental physicists developed and realized such a method. It is based on fast motions, precisely synchronized with the pulses, of a target interacting with the x-ray light. Thereby, photons are redistributed within the x-ray pulse to the desired spectral region.

A team of theoretical physicists from the MPI for Nuclear Physics (MPIK) in Heidelberg has developed a novel method to intensify the spectrally broad x-ray...

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Ferienkurs mit rund 600 Teilnehmern aus aller Welt

28.07.2017 | Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Assistenzsysteme für die Blechumformung

28.07.2017 | Maschinenbau

Ruckartige Bewegung schärft Röntgenpulse

28.07.2017 | Physik Astronomie

Satellitendaten für die Landwirtschaft

28.07.2017 | Informationstechnologie