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FiBS-Konzept für eine Frauenhochschule wirkt der Abwanderung der Frauen aus Ostdeutschland entgegen

31.05.2007
Mangelnde Berufsaussichten und die technische Ausrichtung der Hochschulen zwingen Frauen in den Westen; auch das Berufsbildungssystem erreicht sie nur begrenzt. Eine umfassende FiBS-Studie zeigt die Zusammenhänge auf, ein innovatives Hochschulkonzept stärkt die Chancen für Frauen und Regionen.

Das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) entwickelt ein Konzept für eine Frauenhochschule und weitere Fördermöglichkeiten in Ostdeutschland. Mehr interdisziplinäre Bildungs- und Forschungsangebote, die technische oder naturwissenschaftliche Inhalte mit geistes- oder sozialwissenschaftlichen Anteilen verbinden, veränderte didaktische Konzepte und neue formale Strukturen bilden die Eckpunkte der Planungen, deren Umsetzung noch 2007 beginnen soll. Damit wird eine umfassende Studie zur Struktur- und Exzellenzbildung in den neuen Ländern fortgesetzt, die das FiBS im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) durchführte und die bereits auf der FiBS-Konferenz im November 2006 im Mittelpunkt stand.

Die FiBS-Studie, die sich ausführlich mit der Situation der Hochschulen in Ostdeutschland und der regionalen Entwicklung beschäftigt, zeigt, dass die überproportionale ingenieurwissenschaftliche Ausrichtung der dortigen Bildungseinrichtungen die Abwanderung junger Frauen begünstigt. Die Zusammenhänge zwischen der Fächerstruktur der Hochschulen und dem Frauenanteil an ihnen und in der Region sind stark: Nur zwei Drittel der weiblichen Studienberechtigten aus den neuen Ländern studieren auch dort. Je technischer die Hochschule, desto geringer der Frauenanteil und umgekehrt, desto stärker der Anteil abwandernder Frauen. Es fehlen interdisziplinäre und für Frauen attraktive Angebote sowie entsprechende Lehrkonzepte an den Hochschulen. Sollte es im Zuge der dramatischen Bevölkerungsentwicklung in den neuen Ländern, durch die der Anteil an Studienberechtigten mehr als halbiert wird, zu einem Abbau von Hochschulkapazitäten kommen, dann wird dies den Abwanderungstrend von Frauen unter Umständen noch verstärken. Auch die duale Berufsausbildung ist stärker auf die männlichen Jugendlichen ausgerichtet. Manche Regionen bieten jungen Menschen nur wenige Bildungs- und Berufschancen, so dass ein Wegzug aus der Heimat unumgänglich ist.

Die FiBS-Konferenz "Attraktive Hochschule sucht Sie für interdisziplinäres Traumstudium mit Zukunft" zeigte bereits Ende letzten Jahres die demografische Entwicklung und die Ursachen für die Abwanderungstendenzen auf.

Das FiBS fordert daher, mehr Durchlässigkeit zwischen Berufsbildungs- und Hochschulsystem zu schaffen, neben der Forschung gerade auch die Qualität der Lehre bedarfsgerecht zu verbessern und die Problematik abwandernder Frauen mit adäquaten Maßnahmen anzugehen. Entsprechende Konzepte, die neben Frauen auch Männer fördern können, werden seitdem mit Hochdruck entwickelt.

Dr. Dieter Dohmen, Bildungsökonom und Direktor des FiBS, ist sich aufgrund der wissenschaftlichen Ergebnisse sicher: "Geeignete, kurzfristig eingeleitete Maßnahmen werden die Hochschulen und die regionale Entwicklung einschließlich der Unternehmen fördern, die bereits jetzt den Fachkräftemangel spüren. Sie brauchen eine bessere Zusammenarbeit von Bildungssystem und Personalentwicklung. Sollen manche Regionen nicht völlig 'an Frauen ausbluten', muss der Weg für neue Angebote dringend frei gemacht werden. Sollte dies nicht angegangen werden, wird der an sich schon gewaltige demografische Wandel durch die Frauenabwanderung noch potenziert."

Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS):
Das FiBS ist eine unabhängige Forschungs- und Beratungseinrichtung für Ministerien auf Bundes- und Länderebene, Bildungs- und Sozialeinrichtungen, Unternehmen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Stiftungen, Fachverbände und internationale Organisationen. Die Analysen, übergreifenden Studien, konkreten Modelle und Strategiekonzepte behandeln alle ökonomischen Aspekte von Bildung, sozialen Fragen, Arbeitsmarkt und Innovation. Das Bildungssystem im demografischen Wandel und Lebenslanges Lernen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Kontakt: Birgitt A. Cleuvers (FiBS), Tel. 0 30 - 84 71 22 3-20

Birgitt A. Cleuvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.fibs.eu

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