Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rechte Glatzen - eine Studie über Rechtsextremismus

29.05.2007
Der baseballkeulenschwingende Glatzkopf in Bomberjacke und Springerstiefeln personifiziert in der öffentlichen Meinung das Problem des Rechtsextremismus wie kaum jemand sonst. Dennoch ist über den Zusammenhang von Skinheadsein und rechtsextremer Orientierung wissenschaftlich fast nichts bekannt.

In der Studie von Prof. Dr. Kurt Möller und Nils Schumacher werden rechtsextrem orientierte Skinheads und ehemalige Skinheads über drei Jahre hinweg in ihrer Entwicklung unter die Lupe genommen. Auf der Basis von Wiederholungsbefragungen mittels ausführlicher Interviews zeigt die Untersuchung auf, wie und warum Skinheads zu einer rechtsextremen Auffassung gelangen, wieso sie diese beibehalten, unter welchen Bedingungen sie sie ggf. wieder ablegen und in welcher Weise Skin-Kultur und politische Orientierung sich beeinflussen.

Zu den zentralen Ergebnissen des in seiner Themenstellung und Anlage bundesweit bislang einzigartigen Forschungsprojekts gehört,

o dass Skins immer weniger als solche durch ihr Outfit zu erkennen sind,

o rechtsextreme Orientierungen und Symboliken zunehmend auch in andere Jugendkulturen einwandern,

o rechtsextreme Haltungen immer stärker in den Bereich politisch akzeptierter Einstellungen rücken,

o gleichzeitig der Anteil der Gewaltbereiten im rechtsextremen Spektrum sich in den letzten Jahren vervielfacht hat und

o nicht nur politisch verbrämte jugendliche Rebellion junge Leute zu 'Rechten' werden lässt, sondern vor allem das Gefühl eigener Desintegration und

Missachtung, das Erleben von Konkurrenz mit Migranten und das Aufwachsen in einem menschenfeindlich geprägten Umfeld Anfälligkeiten produziert.

Möllers Fazit: "Das Problem des sogenannten "'jugendlichen Rechtsextremismus" erledigt sich keineswegs von selbst. Weder wachsen die Jugendlichen einfach aus solchen Orientierungszusammenhängen heraus, noch lösen sich mit der Zeit rechte Jugendkulturen rückstandslos auf. Abwarten löst das Problem 'Rechtsextremismus' nicht. Denn es ist strukturell verankert. Es bedarf deshalb weit reichender politischer und gesellschaftlicher Anstrengungen und stärker aufsuchender pädagogischer Unterstützungsangebote, um nachhaltig Ausstiege zu bewirken."

Die Studie benennt als Konsequenzen, was im Einzelnen in Bezug auf Politik, Pädagogik und Soziale Arbeit in Feldern wie Schule, Familienbildung und Jugend- bzw. Sozialarbeit zu tun ist, um die Ursachen von Wendung nach rechts abzubauen und Weichenstellungen bei rechtsextrem Gefährdeten und Orientierten in Richtung auf demokratische Haltungen vornehmen zu können.

Kurt Möller, Nils Schuhmacher:
Rechte Glatzen. Rechtsextreme Orientierungs- und Szenezusammenhänge - Einstiegs-, Verbleibs- und Ausstiegsprozesse von Skinheads.

Wiesbaden: VS-Verlag 2007. 568 S. mit 47 Abb. u. 3 Tab. Br. EUR 39,90 - ISBN 978-3-531-14709-3

Prof. Dr. Kurt Möller ist Hochschullehrer für Soziale Arbeit an der Hochschule Esslingen und Privatdozent an der Universität Bielefeld.

Nils Schuhmacher ist Diplom-Politologe und Diplom-Kriminologe und lebt in Hamburg.

Cornelia Mack | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-esslingen.de

Weitere Berichte zu: Jugendkultur Rechtsextremismus Skinhead

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften