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Prostatakrebs: Klinische Studie belegt hohe Wirksamkeit von Docetaxel-Chemotherapie

23.05.2007
Für die Behandlung des hormonunabhängigen Prostatakrebs ist das Chemotherapeutikum Docetaxel die derzeit beste Wahl. Das belegen die Ergebnisse einer jetzt veröffentlichten klinischen Studie, in der die Wirksamkeit der beiden gängigsten Chemotherapeutika verglichen wurde.

Tatsächlich war das Risiko des Fortschreitens der Erkrankung bei der Behandlung mit Docetaxel im Vergleich mit dem nächstbesseren Chemotherapeutikum um über 50% reduziert.

Die chemotherapeutische Behandlung des Prostatakrebs hat in den letzten Jahren rasch an Bedeutung gewonnen. Zu diesem Fortschritt trugen mehrere umfangreiche klinische Studien bei. In zwei dieser Studien zeigte das Chemotherapeutikum Docetaxel eine signifikant verbesserte Prognose für Patienten. Doch in anderen klinischen Studien erzielte auch das Therapeutikum Vinorelbine, das ebenso wie Docetaxel auf die Mikrotubuli der Zellen wirkt, überzeugend positive Ergebnisse und stellt eine häufig genutzte Alternative dar.

Nun wurden an der Medizinischen Universität Wien weltweit erstmals beide Therapeutika direkt verglichen was den behandelnden Ärzten eine wertvolle Entscheidungshilfe liefert.

ZWEI THERAPEUTIKA ­ EINDEUTIGES ERGEBNIS

Tatsächlich gelang es durch diesen direkten Vergleich an 40 Patienten, die überlegene Wirksamkeit von Docetaxel eindeutig zu belegen. Dazu der Studieninitiator und -leiter Prof. Michael Krainer, Onkologe an der Klinik für Innere Medizin I, Medizinische Universität Wien: "Bei jenen 20 Patienten, die wir mit Docetaxel behandelten, dauerte es im Mittel über dreimal länger bis die Erkrankung weiter fortschritt als bei den Patienten, die Vinorelbine erhielten." So entwickelte sich der Krebs bei der ersten Gruppe von Patienten im Mittel für 14,5 Monate nicht weiter. Im Gegensatz dazu setzte bei Patienten, die Vinorelbine erhielten, bereits nach nur 4,4 Monate ein Fortschreiten der Erkrankung ein.

Ähnlich eindeutig verhielten sich die Werte des "Prostata Spezifischen Antigens" PSA, eines etablierten Tumormarkers, der gute Auskunft über das Voranschreiten des Krebses liefert. Während 62,5% der mit Docetaxel behandelten Patienten eine Reduktion des PSA von über 50% zeigten, konnten bei den mit Vinorelbine behandelten nur 11,1% festgestellt werden. Ein klarer Hinweis auf das reduzierte Tumorwachstum durch Docetaxel.

Dass diese große Reduktion des PSA mit Docetaxel in dieser Studie erreicht werden konnte, überraschte selbst das ausführende Team. Dazu Prof. Krainer:

"Im Vergleich zu der so genannten TAX 327 Studie, die erstmals die Wirkung von Docetaxel in einer Phase III eindeutig belegte, verwendeten wir eine deutlich geringere Dosis und unterstützten die Wirkung des Chemotherapeutikums auch nicht durch Cortison. Trotzdem erzielten wir eine vergleichbare Wirkung auf das PSA." Für Prof. Krainer könnte die Ursache für diesen Effekt die geringere Toxizität sein, die sich durch die geringere Dosis ergab und es erlaubte, das Therapieprotokoll besser einzuhalten.

Auch der Krebsspezialist Dr. William K. Oh vom Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School hebt dieses Ergebnis in einem der Publikation angefügten Kommentar hervor: Seiner Ansicht nach bietet dieses in Wien angewendete Therapieprotokoll eine gute Alternative für Cortison-empfindliche Patienten. Ebenso weist er darauf hin, dass die Studie eine Senkung des PSA um 28,6% bei Patienten zeigt, die auf Docetaxel nicht mehr ansprechen, und dieses Chemotherapeutikum somit weiterhin eine Bedeutung haben wird.

KLEINE STUDIE ­ KLARE SACHE

Insgesamt wurden in diese offene, randomisierte Studie der Phase II 40 Patienten inkludiert, die bisher noch keine Chemotherapie erhalten hatten.
Histologische Befunde bestätigten ihre Erkrankung an hormonunabhängigem Prostatakrebs. Die Patienten wurden in zwei Gruppen geteilt, die wöchentlich jeweils entweder 25mg/m2 Docetaxel bzw. Vinorelbine erhielten. Zum Studienumfang sagt Prof. Krainer: "Kleinere Studien wie diese der Phase II können natürlich keine endgültigen Aussagen machen. Diese können nur aus einer sehr groß angelegten, an mehreren Zentren durchgeführten Studie der Phase III kommen. Es ist jedoch sehr wichtig, im Vorfeld zu entscheiden, welches der derzeit aktuell in Betracht kommenden Therapeutika in einer solchen großen und teueren Studie getestet werden sollte. Für diese Entscheidung haben wir nun mit den beeindruckenden Ergebnissen zu Docetaxel klare Daten geliefert."

Originalpublikation: A Prospective, Open Label, Randomized Phase II Trial of Weekly Docetaxel Versus Weekly Vinorelbine as First Line Chemotherapy in Patients with Androgen Independent Prostate Cancer. J. Urol.,
DOI:10-1016/j.juro.2007.01.148

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Michael Krainer
Medizinische Universität Wien
1090 Wien
T +43 / 664 / 183 76 77
E michael.krainer@meduniwien.ac.at

Michaela Fritsch | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at
http://www.jurology.com/article/PIIS0022534707002868/abstract

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