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Karriere nach der Lehre? IAQ-Studie über Berufsbildung im internationalen Vergleich

30.04.2007
Vor der Gefahr, dass das duale System die besten Jugendlichen verliert, warnt Prof. Dr. Gerhard Bosch, Leiter des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen in einer neuen international vergleichenden Studie.

Das Bildungssystem müsse insgesamt durchlässiger werden, anstatt die klassische berufliche Bildung zu "akademisieren" und an Schulen und Universitäten zu verlagern.

Hintergrund ist, dass die Konkurrenz zwischen den Aufsteigern aus dem dualen System und den Hochschulabsolventen mit Bachelor-Abschluss zunehmend wächst. Beide Gruppen beanspruchen für sich die Fachtätigkeiten mit Führungsaufgaben. "Damit werden traditionelle Karrieren vom Facharbeiter ins mittlere Management blockiert.", kritisiert Bosch.

Eher akademisch ist die Ausbildung in vielen klassischen Lehrberufen - vom Koch bis zur Krankenpflege oder zum Hausmeister - vor allem in den angelsächsischen und romanischen Ländern. Man besucht dazu spezielle Schulen, Colleges oder auch Universitäten. So liegt der Anteil der Universitätsabsolventen in der Gruppe der 24- bis 34-Jährigen in den USA bei 39 Prozent, Kanada 50 Prozent und Korea 40 Prozent.

Erheblich näher an der Praxis und damit am Arbeitsmarkt wird dagegen in den Ländern mit dualem System ausgebildet. Die Akademiker-Quote bleibt aber auch unter dem OECD-Durchschnitt, so in Deutschland bei 22 Prozent und in Dänemark bei 28 Prozent. "Daraus darf aber nicht gefolgert werden, dass die Akademikerquote in Deutschland pauschal gesteigert werden müsste. Vor allem bei der Akademisierung bislang nicht akademischer Tätigkeiten und Berufe ist Vorsicht angebracht.", so Prof. Bosch.

Wie die Untersuchung zeigt, versuchen inzwischen viele Länder die berufliche Bildung wiederzubeleben, denn die Nähe zum Arbeitsmarkt macht diesen Weg für die Absolventen attraktiv - ebenso gute Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten. Der Erfolg der Reformbemühungen ist indes unterschiedlich: Bei schwachen Sozialpartnern muss der Staat in die Bresche springen und das Bildungssystem organisieren.

So spielt der Staat in den Ländern des "freien Marktes", den USA und Kanada, bei Bildung und Erziehung doch eine starke Rolle - mangels anderer Akteure. In den Lehrplänen verwischt die Reform die Unterschiede zwischen Allgemein- und beruflicher Bildung und die Verbindung zum Arbeitmarkt wird damit noch schwächer. In Korea, das in den letzten 50 Jahren seine Industrialisierung enorm vorangetrieben hat und heute ca. sieben Prozent des Sozialprodukts in Bildung und Ausbildung investiert, ist die Rolle des Staates politisches Programm.

Die Länder mit dualem System, wie Deutschland und Dänemark, haben sich die Aufstiegsmöglichkeiten ausgeweitet, so dass auch der Meister mit Zusatzqualifikation an der Hochschule studieren kann. Dieser zweite Bildungsweg hält die Verbindung zwischen beruflicher Bildung und Arbeitsmarkt, macht den Übergang ins Hochschulsystem aber sehr zeitraubend.

Trotz der Vorteile des dualen Systems sieht Bosch auch in Deutschland weiter Reformbedarf. Seit 1996 wurden 64 neue Berufsbilder geschaffen, 190 Lehrberufe modernisiert. Aufgrund der Konkurrenz zum Hochschulsystem wird es notwendig, die Qualität der dualen Ausbildung zu verbessern, Aufstiegswege und Übergänge zwischen den Systemen aufzuzeigen und mehr Durchlässigkeit zum Hochschulsystem zu ermöglichen.

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, Claudia Braczko, Tel. 0209/1707-176, Mobil: 0170-8761608, E-Mail: presse-iaq@uni-due.de

Weitere Infos: Prof. Dr. Gerhard Bosch, Tel. 0209/1707-142, gerhard.bosch@uni-due.de

Beate Kostka | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duisburg-essen.de/

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