Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Blaue Polizei" im Stress - Studie zur Gefährdung von Wasserschutzpolizisten

27.04.2007
Sie sorgt für Sicherheit, doch ihr eigener Schutz kommt häufig zu kurz. Deshalb stand die Wasserschutzpolizei in den letzten zwei Jahren unter besonderer Beobachtung.

Im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) analysierten erstmals Wissenschaftler das Gefährdungspotenzial bei Beamten, die auf Binnengewässern und Seewegen ihren Dienst tun. Mit im Boot: die beiden An-Institute der Uni Duisburg-Essen "Rhein-Ruhr Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP)" und "Entwicklungszentrum für Schiffstechnik und Transportsysteme (DST)" sowie die Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs). Bei einem bundesweiten Treffen zum Thema "Arbeitsschutz bei der Wasserschutzpolizei" am 26. April hat das Forscherteam die Ergebnisse dieser Studie vorgestellt. Anwesend waren Vertreter der Wasserschutzpolizeien der Länder und der Bundespolizei, der zuständigen Innenministerien, der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie von Experteneinrichtungen.

Untersucht wurde an fünf verschiedenen Standorten in Deutschland. Auf Nordrhein-Westfalen mit dem Rhein und seinem ausgebauten Fluss- und Kanalnetz lag einer der Schwerpunkte. Forschungsobjekt war das 12-Meter-Boot auf dem Kanal mit zwei Besatzungsmitgliedern ebenso wie das 65-Meter-Schiff der Bundespolizei auf der Ostsee mit 14 Mann Besatzung.

Entstanden ist das Projekt unter anderem auf Initiative der GdP, denn die "Blaue Polizei" ist in einer besonderen Situation. "Wasserschutzpolizisten haben eigentlich zwei Berufe, sie sind Polizisten und zugleich Schiffer bzw. Seeleute. Daraus ergeben sich spezielle Gefährdungen, die zuvor noch nicht von der Arbeitsschutzforschung untersucht worden waren", erklärt Joachim Liesenfeld vom RISP, das bei der Studie die Federführung hatte. Als Beispiel führt Liesenfeld den Bootsübergang etwa von einem Rheinstreifenboot der Polizei auf Containerschiffe bei Fahrt an. Solche "Sprünge" fänden bei jeder Schicht mehrfach zu Kontrollzwecken statt.

Insgesamt hat das Forscherteam 18 Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit der Polizisten identifiziert.* Vieles hängt mit der Ausstattung der Boote und Schiffe zusammen, vieles mit Fragen der Arbeitsorganisation. Insbesondere wenn Schlechtwetter und schwierige Einsatzsituationen zusammenkommen, ist die Arbeit von Wasserschutzpolizisten "Stress pur".

Aber die Wissenschaftler wissen nicht nur die Schwachpunkte zu benennen, sie stellten bei der Veranstaltung auch Maßnahmen vor, wie die Gefährdungen beseitigt oder reduziert werden können das nämlich war das wesentliche Ziel des Projektes. Ihre Vorschläge reichen von technischen Veränderungen der Schiffskonstruktion und der Ausstattung bis hin zu Qualifizierung des Personals und Sicherheitstraining.

* 18 Gefährdungspunkte:
1 Fehlende Reling / schmales Gangbord
2 Rutschige/vereiste Oberflächen und sonstige Sturzgefahren
3 Aussetzen des Beibootes
4 Bootsübergänge
5 Radar - Strahlungsgefahren
6 Vibrationen und Lärm
7 Ergonomie
8 Schiffsbewegungen
9 Gefahrgut
10 Persönliche Schutzausrüstung
11 Erste Hilfe
12 Traumata und psychische Ängste
13 Monotonie und Unterforderung, Stress und Überforderung
14 Qualifikationen und Qualifizierung
15 Personalbemessung
16 Arbeitszeit
17 Demografie / Alternde Belegschaften
18 Führung und Beteiligung
Weitere Informationen und die Ergebnisse des Projekts "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkonzepte für Polizeiboote auf See- und auf Binnenwasserstraßen" sind über das RISP erhältlich:

Joachim Liesenfeld (RISP), Projektgruppe Arbeit - Bildung - Sozialer Wandel, Tel. 0203/280 99-14, Fax 0203 / 280 99-22, E-Mail: joachim.liesenfeld@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | idw
Weitere Informationen:
http://www.risp-duisburg.de/abtpro/abs/index.htm

Weitere Berichte zu: Gefährdung RISP Stress Wasserschutzpolizist

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie