Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie der Kühlschrank richtig entsorgt wird

24.04.2007
Neue Studie des Öko-Instituts zeigt, worauf es beim Recycling ankommt

Der alte Kühlschrank ist defekt und muss entsorgt werden. Ein kurzer Anruf bei den Müllbetrieben und das Gerät wird bequem zuhause abgeholt. Aber was passiert eigentlich danach? In vielen Altgeräten findet sich noch immer der Ozonkiller FCKW, der in neueren Kühlgeräten schon längst nicht mehr verwendet wird. Wie vermeidet man, dass dieses in die Umwelt gelangt? In einer aktuellen Studie haben WissenschaftlerInnen des Öko-Instituts nun herausgefunden, dass die gemeinsame Verarbeitung von FCKW-haltigen und FCKW-freien Kühlgeräten in spezialisierten Kühlschrank-Recyclinganlagen eindeutig die umweltfreundlichste Variante bei der Verwertung ausrangierter Modelle ist. Ziel der Untersuchung war es, die Umweltbelastungen bei verschiedenen Aufbereitungsmöglichkeiten für private Altgeräte zu vergleichen.

Hintergrund der Studie ist die Umsetzung der EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (WEEE) und deren anstehende mögliche Veränderungen, die derzeit kontrovers diskutiert werden. Die WissenschaftlerInnen hatten in der Ökobilanzierung ein breites Spektrum von Umweltkriterien wie das Ozonzerstörungspotential und die Auswirkungen auf den Treibhauseffekt in ihre Untersuchungen einbezogen. Alle denkbaren Verwertungsszenarien in Kühlgeräte-Recycling-Betrieben wurden abgeschätzt und verglichen. Mit einem überraschenden Ergebnis: "Dass ein Verfahren bei einer Ökobilanz in allen Kriterien so eindeutig am besten abschneidet, ist äußerst selten", sagt Günter Dehoust, Wissenschaftler im Forschungsbereich Infrastruktur & Unternehmen des Öko-Instituts. "Die schwierige Abwägung verschiedener ökologischer Kriterien untereinander entfällt damit beim vorliegenden Variantenvergleich."

Die zur Aufbereitung anfallenden Kühlgeräte aus privaten Haushalten sind heute zu rund 80 Prozent Geräte mit FCKW im Kühlkreislauf und im Dämmmaterial. Die restlichen Geräte sind zum Großteil FCKW-freie Kohlenwasserstoffgeräte. Als erste Option untersuchten die WissenschaftlerInnen die gleichzeitige Aufbereitung beider Arten von Kühlgeräten in einer Anlage. Dies ist durch technische Fortschritte in den Recyclinganlagen möglich, so dass keine vorhergehende Sortierung nach FCKW-haltigen und FCKW-freien Geräten nötig ist. Als zweite Option wurde die Aufbereitung in getrennten Anlagen untersucht. Deutlich hat sich hier der ökologische Nachteil gezeigt, der durch Fehler bei der Sortierung entsteht: FCKW-haltige Geräte, die versehentlich in der Schiene für FCKW-freie Geräte aufbereitet werden, führen zu hohen Freisetzungen von FCKW in die Umwelt. "Durch die mangelhafte Kennzeichnung vieler Altgeräte ist eine fehlerfreie Sortierung nicht möglich. Denn die Mitarbeiter, die Kühlgeräte sortieren, können bei mangelhaft gekennzeichneten Geräten nicht erkennen, ob sie FCKW enthalten oder nicht", erläutert die Wissenschaftlerin Doris Schüler vom Öko-Institut. "Zudem erhalten sie auch keine Rückkopplung, wenn sie versehentlich FCKW-Geräte der FCKW-freien Aufbereitungslinie zuordnen."

Die hohe Freisetzung von FCKW infolge von Fehlern bei der Sortierung erwies sich auch als problematischster Punkt bei den Optionen drei und vier, bei denen untersucht wurde, welche Auswirkungen es hat, wenn die FCKW-freien Kühlgeräte teilweise oder ganz in Großschredderanlagen gemeinsam mit Altautos und anderen metallhaltigen Abfällen aufbereitet werden.

Die neue Studie des Öko-Instituts ist aufgrund ihrer klaren Ergebnisse eine maßgebliche Referenzquelle, wenn es darum geht, die richtige Entscheidung für eine ökologisch sinnvolle Aufbereitung ausgedienter Kühlgeräte zu treffen. Die Studie des Öko-Instituts war im Auftrag der RAL Gütegemeinschaft Rückproduktion von Kühlgeräten e.V. entstanden.

Die vollständige Studie können Sie kostenlos aus dem Internet herunterladen unter http://www.oeko.de/oekodoc/331/2007-013-de.pdf.

Eine Kurzfassung in Englisch finden Sie im Internet unter http://www.oeko.de/oekodoc/332/2007-014-en.pdf.

AnsprechpartnerIn:

Günter Dehoust, Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt,
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Infrastruktur &
Unternehmen, Telefon 06151/8191-38, E-Mail: g.dehoust(at)oeko.de
Dr. Doris Schüler, Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt,
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich Infrastruktur & Unternehmen, Telefon 06151/8191-27, E-Mail: d.schueler(at)oeko.de

Christiane Rathmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.oeko.de/oekodoc/331/2007-013-de.pdf
http://www.oeko.de/oekodoc/332/2007-014-en.pdf

Weitere Berichte zu: Aufbereitung FCKW FCKW-freien Kühlgerät

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics