Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regenerative Medizin hat großes Potenzial in Deutschland

20.04.2007
Bundesforschungsministerium legt erste umfassende Analyse vor

Die regenerative Medizin, die sich mit dem Ersatz von erkranktem Gewebe und der Unterstützung von gestörten Organfunktionen beschäftigt, verspricht vielen Patientinnen und Patienten Hilfe. Deutschland nimmt in der Regenerativen Medizin in Wissenschaft und Wirtschaft im internationalen Vergleich einen Platz an vorderster Front ein. Das belegt eine Studie, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt vorgelegt hat und die erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme über die wissenschaftliche und wirtschaftliche Situation beinhaltet.

Eine Analyse der Stärken und Schwächen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergab, dass das Bundesforschungsministerium und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Investitionen in Höhe von insgesamt 230 Millionen Euro seit 1990 eine gute wissenschaftliche Grundlage geschaffen hat. Allerdings bestehen Hemmnisse bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in Produkte und Therapien. Die von der Unternehmensberatung Capgemini Deutschland erarbeitete Studie "Regenerationstechnologien für Medizin und Biologie - Beiträge für ein strategisches Förderkonzept" sieht daher Handlungsbedarf insbesondere bei der Erstattungspraxis durch die Krankenkassen und den geltenden Zulassungsverfahren für medizinische Produkte sowie den Anforderungen an klinische Studien. Diese Rahmenbedingungen sind national und international sehr unterschiedlich und haben einen enormen Einfluss auf die Anwendung eines Produktes im Markt. Sie stellen für die mehr als 60 überwiegend kleinen und mittelständischen High-Tech-Unternehmen auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin in Deutschland derzeit das größte Entwicklungshemmnis dar.

Die Untersuchung konzentriert sich auf medizinische Entwicklungen, bei denen in den nächsten fünf Jahren die Markt- oder Anwendungsreife zu erwarten ist. Unter Berücksichtigung der zu erwartenden Patientenzahlen wurden vier Felder mit exemplarischem Charakter für die Regenerative Medizin ausgewählt. Das unmittelbare Marktpotential bei Hautersatzprodukten für chronische Wunden, Zelltherapien zur Reparatur der Leber und der Reparatur von gelenknahen Knochendefekten schätzt die Studie in Deutschland jeweils auf zunächst rund 150 Millionen Euro pro Jahr. Einen größeren Markt mit mehr als eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr prognostizieren die Experten dem noch jungen Forschungsgebiet Herz in den Indikationen Myokardinfarkt und kongestives Herzversagen. Dazu gehören zum Beispiel Ersatzzellen zur Reparatur geschädigter Herzareale sowie gezüchtete Herzklappen. Steigende Patentanmeldungen sowie eine große Forschungsdynamik weisen noch über dieses kurzfristige Marktpotenzial hinaus, ohne dass jedoch eine seriöse Prognose des zu erwartenden Marktvolumens schon heute möglich wäre.

Um die Entwicklung neuer medizinischer Verfahren zu beschleunigen, empfiehlt die Studie unter anderem, bereits in Förderbekanntmachungen die Marktorientierung stärker zu berücksichtigen. Klinische und gesundheitsökonomische Studien zum Nachweis der Kosten-Nutzen-Effizienz sollen stärker gefördert werden, um den von den Kostenträgern geforderten Nachweis des Nutzens und der Wirtschaftlichkeit von Produkten der Regenerativen Medizin zu erfüllen. Außerdem sollen Experten aus der Forschung verstärkt mit Vertretern der Kostenträger und Zulassungsbehörden in Netzwerken zusammenkommen. Wichtiges Mittel sind laut Studie auch die geplante EU-Zulassung von Produkten der Regenerativen Medizin und eine EU weite Harmonisierung der Kriterien, für eine Kostenerstattung.

Die Studie bildet mit ihrer umfassenden Analyse eine solide Basis, die alle Beteiligten in die Lage versetzt, den Technologietransfer in diesem Forschungsfeld gezielt voranzubringen und im Sinne der Hightech-Strategie deutschen Wissenschaftlern und Unternehmen den Weg zu einem erfolgreichen Technologietransfer zu ebnen.

Eine Kurzfassung der Studie "Regenerationstechnologien für Medizin und Biologie - Beiträge für ein strategisches Förderkonzept" finden Sie im Internet unter www.biotechnologie.de

Silvia von Einsiedel | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/press/2027.php
http://www.biotechnologie.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften