Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zu Fusionen und Post-Merger-Integration in Japan

29.03.2007
  • Ab Mai 2007 können ausländische Unternehmen japanische Firmen einfacher mittels Aktientausch erwerben
  • Zugang zum japanischen Markt sowie zu Produkten, Technologien und Entwicklungsressourcen stellen wichtige Ziele für ausländische Käufer in Japan dar
  • Hauptintegrationsprobleme sind Sprach- und Denkunterschiede sowie fehlende Informationen über japanische Besonderheiten
  • Mangelnde Einbeziehung der Mitarbeiter, zähe Integration und wenig Rücksicht auf kulturelle Unterschiede sind häufige Fehler der Käufer
  • Roland Berger hat acht Erfolgsfaktoren für die Post-Merger-Integration bei japanischen Unternehmen ermittelt

Gesetzesänderungen machen es ausländischen Firmen ab Mai 2007 leichter, japanische Unternehmen per Aktientausch zu erwerben. Über den Transaktionserfolg entscheidet jedoch die Post-Merger-Integration, die in Japan immer noch Besonderheiten aufweist. Berücksichtigt das Management diese kulturellen Unterschiede in den ersten Monaten nach der Fusion, sind hohe Synergien und ein erfolgreicher Zusammenschluss mit japanischen Firmen möglich. Dies zeigt eine Untersuchung von Roland Berger Strategy Consultants, für die neben einer schriftlichen Befragung über 30 an Zusammenschlüssen und Post-Merger-Integration beteiligte Spitzenmanager interviewt wurden.

Die Studie legt dar, dass mangelnde Informationen über kulturelle Besonderheiten in Japan zu großen Problemen bei Fusionen führen können. "Dieses Ergebnis überrascht, zumal viel Literatur über Japan und japanische Unternehmen vorliegt", meint Dr. Dirk Vaubel, Studienautor und Partner bei Roland Berger Strategy Consultants in Tokio.

Aus der Studie, den Interviews sowie jahrelanger Beratungserfahrung mit Post-Merger-Integration in Japan haben die Berater acht Erfolgsfaktoren für eine gelungene Integration definiert:

1. Japanische Besonderheiten verstehen und bei der Integration berücksichtigen

Kulturelle Besonderheiten sind vor allem in den Personalabteilungen, im Einkauf und Vertrieb japanischer Unternehmen stark ausgeprägt. So ist der Einkauf noch von engen Lieferantenbeziehungen geprägt, im Gegensatz zu den eher lockeren, marktlich orientierten Lieferantenbeziehungen in Europa oder den USA. Der Warenweg vom Hersteller zum Endkunden läuft oft über Großhändler, woraus eine teils überraschend geringe Marktkenntnis japanischer Unternehmen resultiert.

2. Von den Stärken der Japaner lernen

Ausländische Firmen haben in den vergangenen Jahren vor allem finanziell geschwächte japanische Unternehmen erworben, prominente Beispiele sind hier etwa Nissan oder Mitsubishi Motors. Dennoch sollten ausländische Käufer ihre Beteiligung nicht nur als Eintrittsmöglichkeit in den japanischen Markt sehen. "Vor allem in Punkto Produktion und Qualität können ausländische Zukäufer oft dazulernen", meint Dr. Carsten Herbes, Autor und Projektmanager bei Roland Berger Strategy Consultants in München und Tokio.

3. Die Unterstützung des Managements und der Mitarbeiter gewinnen

Bei einer Fusion die Führungskräfte und Belegschaft des Partnerunternehmens für sich zu gewinnen gilt zwar auch in Europa als wesentlicher Erfolgsfaktor. In Japan aber wird das Management fast ausschließlich firmenintern rekrutiert. Die Führungsriege fühlt sich daher ihren Mitarbeitern häufig noch mehr verpflichtet als ihren Aktionären. Die Motivation von Management und Beschäftigten zählt bei einer solchen Transaktion also doppelt: beispielsweise indem weltweite Absatzmöglichkeiten für japanische Produkte geschaffen werden oder wenn japanische Mitarbeiter globale Verantwortungsbereiche im neuen Unternehmen erhalten. Aber auch geschicktes Verhandeln in heiklen Fragen kann helfen, Widerstände abzubauen, wie etwa den japanischen Unternehmensnamen nach der Akquisition beizubehalten.

4. Dem negativen Image von Zusammenschlüssen vorbeugen und ein Gefühl der Gleichwertigkeit schaffen

Unternehmenszusammenschlüsse haben in Japan häufig noch ein negatives Image und werden sogar mit Begriffen wie "Kidnapping" oder "Menschenhandel" belegt. Mit feinfühliger Kommunikation, die beispielsweise den Partnerschaftsgedanken hervorhebt oder statt von Akquisition von Kapitalverflechtung spricht, können Firmen diesem Problem vorbeugen. "In Japan ist es üblich, dass auch unterschiedlich große Fusionspartner Gleichberechtigung demonstrieren. Der Käufer sollte symbolische Gesten nutzen, um größere Akzeptanz zu schaffen, ohne seine Integrationsziele aufzugeben", erklärt Herbes.

5. Kommunikationsformen auf Japan zuschneiden

Dies gilt sowohl für den Umgang mit Medien als auch für Inhalte. "Persönliche Kommunikation ist vorzuziehen und konkrete Beispiele, auch aus anderen Branchen, haben sich als Argument bewährt", weiß Vaubel.

6. Freien Meinungsaustausch sicherstellen und Konflikte im Vorfeld vermeiden

Freier Meinungsaustausch wird in Japan oft durch das Senioritätsprinzip behindert, da sich jüngere Mitarbeiter älteren unterordnen und sich in Sitzungen oft weniger beteiligen. Hier kann ein direktes Gespräch mit den entsprechenden Mitarbeitern helfen. Ausländische Erwerber unterschätzen häufig das Konfliktpotenzial, da sich Auseinandersetzungen nicht in offenem Streit, sondern in subtilen Signalen andeuten. "Es gilt, erste Anzeichen eines Konflikts zu erkennen und die mögliche Krise rechtzeitig und konsequent mit japanischen Mitteln zu behandeln, beispielsweise durch informelle Vorgespräche oder über Mittelsmänner. Das ist Grundlage jeder erfolgreichen Integration", betont Herbes.

7. Konsequentes Integrationscontrolling etablieren

Jede Post-Merger-Integration erfordert konsequentes Integrationscontrolling, aber bei einer Beteiligung in japanischen Firmen ist es besonders wichtig. Denn bei Mitarbeitern japanischer Firmen zählt vor allem das Engagement am Arbeitsplatz, während Ergebnisorientierung als eher zweitrangig angesehen wird: Niemand möchte sich vor Kollegen bloßstellen, weil etwa Verzögerungen offenbar werden.

8. Integrationsmaßnahmen nicht von vornherein verloren geben

Viele Unternehmen verzichten auf bestimmte Integrationsmaßnahmen von vornherein oder wenden sie nur in abgeschwächter Form an, weil sie fürchten, an den japanischen Besonderheiten zu scheitern. So werden häufig Synergien verfehlt. Gerade in Bereichen, in denen Erwerber große Widerstände vermuten, sind japanische Mitarbeiter oft zu Veränderungen bereit. "Nie zu früh aufgeben und in vorauseilender Anpassung auf bestimmte Synergieeffekte verzichten. Innerbetriebliche Maßnahmen, wie Zufriedenheitsumfragen oder Vergleiche mit japanischen Wettbewerbern können helfen, Veränderungen auch dort einzuleiten, wo sie zunächst schwierig oder gar unmöglich erscheinen", rät Herbes.

Einen Überblick über die Erkenntnisse der Japan-Experten von Roland Berger Strategy Consultants gibt die Publikation "Mergers and acquisitions in Japan: Successful post-merger integration is the key". Wenn Sie ein Exemplar wünschen, schicken Sie bitte eine E-Mail an:

news@rolandberger.com

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit 32 Büros in 23 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. 1.700 Mitarbeiter haben im Jahr 2005 einen Honorarumsatz von rund 550 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von mehr als 130 Partnern.

Stefan Schüßler | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.rolandberger.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics