Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wachstumsstarke Energieversorger lösen Übernahmewelle aus

29.03.2007
Accenture und die Jacobs University Bremen untersuchen Erfolgsfaktoren und Zukunftsfähigkeit von Energieversorgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Eine Studie des Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture und der Jacobs University Bremen (vormals International University Bremen) prognostiziert: Wachstumsstarke Energieversorger lösen eine Übernahmewelle aus. Wie die Untersuchung zeigt, war schon in den vergangenen Jahren nennenswertes Wachstum ohne Akquisitionen nicht möglich. Besondere Herausforderungen für profitables Wachstum liegen laut Erhebung in der strategischen Unternehmensentwicklung, bei Produkt- und Prozessinnovationen, sowie in der Fähigkeit, auf Veränderungen im Markt zu reagieren. Darüber hinaus erwarten die befragten Manager den Markteintritt von internationalen Energieversorgern, branchenfremden Unternehmen und Finanzinvestoren. Für die Studie "Value Creator III" wurden die Erfolgsfaktoren und die Zukunftsfähigkeit von 116 Energieversorgern in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht.

Energiemanager erkennen Handlungsdruck

Nach Einschätzung der befragten Manager gewinnen in den kommenden Jahren gerade solche Einflussfaktoren an Bedeutung, die auf einen härteren Wettbewerb hindeuten. Dazu zählt der Markteintritt durch internationale Energieversorger, ein stärkeres Interesse von Finanzinvestoren sowie eine gestiegene Wechselbereitschaft bei den Privatkunden. Um diesen Marktveränderungen zu begegnen, sehen die Befragten Defizite in den eigenen Unternehmen vor allem in drei Bereichen: Bei der strategischen Unternehmensentwicklung, Produkt- und Prozessinnovationen sowie der Fähigkeit der Mitarbeiter, sich erfolgreich auf Veränderungen einzustellen. "Die positive Entwicklung der Profitabilität in den vergangenen Jahren bei stabil leicht über zehn Prozent ist ganz wesentlich durch den effizienteren Einsatz des Vermögens begründet und wurde nicht in erster Linie durch einen Margenanstieg erzielt", sagt Prof. Dr. Andreas Bausch von der Jacobs Universität Bremen und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Die in den kommenden Jahren anstehenden Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen stellen insofern eine besondere wirtschaftliche Herausforderung dar. Sie werden den Ergebnis- und Handlungsdruck deutlich verstärken."

Zwei Marktszenarien: "Kampf um Kunden" und "Ausnutzen der Infrastruktur"

Die Autoren der Studie sehen künftig zwei grundsätzliche Marktszenarien, in denen sich Energieversorger erfolgreich positionieren können. Im Szenario "Kampf um Kunden" sind das Endkundengeschäft sowie marktbezogene Faktoren der Dreh- und Angelpunkt für eine nachhaltig wettbewerbsfähige Positionierung. Zunehmend anspruchvollere und wechselbereite Privatkunden müssen durch ein professionelles Kundenbeziehungsmanagement an den jeweiligen Energieversorger gebunden werden. Im zweiten Marktszenario, dem "Ausnutzen der Infrastruktur", dominieren ressourcenbezogene Faktoren wie beispielsweise die Energieerzeugung oder die Netze. Optimaler Kapitaleinsatz und die effiziente Ausschöpfung vorhandener Kapazitäten sind hier erfolgskritisch.

Die Schere zwischen den Besten der Branche und den Nachzüglern geht weiter auseinander

Ein Vergleich der Profitabilität für den Zeitraum 2003-2005 zeigt, dass die 20 besten Unternehmen der Energieversorgungsbranche im Durchschnitt um 19,2 Prozent profitabler sind als der Durchschnitt der 20 schlechtesten. Dieser Wert betrug in den Jahren 1999-2001 noch 16,7 Prozent. Die Schere geht weiter auseinander. Dynamik und Heterogenität der Branche wachsen. Damit werden Management-Entscheidungen zunehmend wichtig. Die Handlungsoptionen sind vielschichtiger geworden; die mit strategischen Entscheidungen verbundenen Risiken schwerer kalkulierbar. Die Autoren der Studie sehen 36 Prozent der untersuchten Unternehmen "gefangen" und in ihrer Existenz bedroht - solange sie nicht ihre Geschäftsmodelle anpassen und sich klarer im Wettbewerbsmarkt Energie positionieren.

Mittelgroße Energieversorger in der Wachstumsfalle

Der scheinbare Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Unternehmenserfolg zieht sich wie ein roter Faden sowohl durch praxisorientierte Handlungsempfehlungen als auch durch wissenschaftliche Untersuchungen. Wirtschaftliche Größenvorteile prägen die Diskussion. Die Studie zeigt für die Energieversorgungsbranche ein anderes Bild: Kleinere Versorger sind erfolgreicher als die mittelgroßen Unternehmen der Branche. Letztere konnten von ihrer Größe offenbar nicht profitieren und sehen sich durch die zunehmende Größe auch mit der wachsenden Komplexität der Geschäftsprozesse konfrontiert. Zieht man die großen Energieversorger in die Betrachtung mit ein, ergibt sich dann allerdings wieder ein positiver Zusammenhang zwischen Unternehmensgröße und Erfolg: "Die großen Spieler der Branche unterscheiden sich deutlich durch eine andere Struktur der Wertschöpfung", sagt Dr. Torsten Schumacher, Geschäftsführer im Bereich Energieversorgungswirtschaft bei Accenture. "Sie profitieren von den Übertragungsnetzen, umfangreichen Kraftwerkparks und ihren internationalen Aktivitäten."

Mäßige Profitabilität im europäischen Vergleich

Gerade den großen Energieversorgern wird zunehmend vorgeworfen, dass sie einerseits Rekordgewinne einfahren und gleichzeitig insbesondere Haushaltskunden mit Preissteigerungen belasten. Ein Vergleich der großen Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern zeigt allerdings, dass sich die Profitabilität der großen Energieversorger aus Deutschland in den Jahren 2000-2005 im unteren Drittel bewegt. Es zeigten sich zahlreiche Indikatoren, so Andreas Bausch, dass die großen Unternehmen bereits auf dem Weg sind, ihr strategisches Profil den Herausforderungen eines zunehmend europäisch integrierten Marktes anzupassen. Andreas Bausch weiter: "Strategische Profilschärfung geht kurzfristig zu Lasten der Ergebnisqualität, soll aber gerade nachhaltige Wettbewerbsvorteile schaffen."

Profitables Wachstum durch M&A möglich

Aufgrund begrenzter Möglichkeiten für organisches Wachstum sind Unternehmenszukäufe und -fusionen (M&A) von höchster strategischer Relevanz für die Branche. Eine Analyse der M&A-Transaktionen der mittleren Unternehmen ergibt, dass die Profitabilität stabil gehalten werden konnte. Torsten Schumacher: "Die beteiligten Unternehmen haben ihre Integrationshausaufgaben offensichtlich so gut gemacht, dass es im Großen und Ganzen keine spürbaren Ergebniseinbrüche in den Jahren nach der jeweiligen Transaktion gegeben hat."

Restrukturierung lohnt sich

Gerade in den Anfangsjahren der Liberalisierung haben zahlreiche Energieversorger ihre Mitarbeiterzahl reduziert - sozialverträglich und mittels Vorruhestandsregelungen und nicht, wie in anderen Branchen üblich, durch betriebsbedingte Kündigungen. So haben in den Jahren 1999-2002 insgesamt vier von fünf der untersuchten Unternehmen, die in der Vergangenheit keine Zukäufe getätigt haben, Personal abgebaut - in Summe 9.600 Mitarbeiter, was 10 Prozent der damaligen Belegschaft entspricht. Berücksichtigt man den zeitlichen Verzug, schlägt sich dieser Personalabbau in gestiegener Profitabilität für die Jahre 2004-2005 nieder. "Inzwischen haben manche Energieversorger allerdings an empfindlichen Stellen wertvolles Know-how verloren und müssen dieses wieder systematisch aufbauen", sagt Torsten Schumacher.

Integration von Strom und Gas steigert Erfolg

Unternehmen mit einem zunehmenden Umsatzanteil von Strom und Gas weisen eine deutlich höhere Rentabilität auf. Dieser positive Erfolgszusammenhang hat sich in den vergangenen Jahren weiter verstärkt. Die Integration von Strom und Gas zahlt sich offenbar aus. Dies liegt an Synergien, die auf Handelsseite und im Vertrieb gehoben werden können. So werden beispielsweise Bündelungseffekte im Handel erzielt sowie Kostenvorteile durch den gemeinsamen Betrieb von Kundenbetreuungszentren und Abrechnungssystemen erreicht.

Weitere Ergebnisse der Studie

1. Die Energieversorger haben sich mit einer durchschnittlichen Profitabilität von 10,4 Prozent für den Zeitraum 2003-2005 positiv entwickelt.

2. Länderspezifische Ergebnisunterschiede bestehen weiter. Die höchste Profitabilität verzeichnen mit durchschnittlich 13,3 Prozent die Energieversorger aus der Schweiz. Sie profitieren von der geographischen Lage als Knotenpunkt und dem länderübergreifenden Stromaustausch sowie von kostengünstigen Wasserkraftwerken. Die österreichischen Energieversorgungsunternehmen erzielten nach der Schweiz zwar das zweithöchste Umsatzwachstum, aber mit einem Wert von 5,1 Prozent die geringste Profitabilität. Deutliche Senkungen der Netznutzungsentgelte haben im Zuge der Aktivitäten des Regulators ergebniswirksame Spuren hinterlassen.

3. Die Kundenstruktur beeinflusst maßgeblich Erfolg und Umsatzwachstum. Ergebnisrelevant ist insbesondere ein hoher Privatkundenanteil.

4. Ein hoher Anteil an Eigenerzeugung ist kein Garant für Erfolg.

Methodik der Studie

Für die Studie "Value Creator III" wurden zum einen die Ergebnisentwicklung von 113 mittleren und drei großen Energieversorgern (je 11 aus Österreich und der Schweiz, 94 aus Deutschland) in den Jahren 1999 bis 2005 untersucht. Zum anderen befragten Accenture und die Jacobs University Bremen (vormals International University Bremen) 131 Führungskräfte von Energieversorgungsunternehmen in den deutschsprachigen Ländern nach den Erfolgsfaktoren ihrer Branche.

Informationen zu Accenture:

Accenture ist ein weltweit agierender Management-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister. Mit dem Ziel, Innovationen umzusetzen, hilft das Unternehmen seinen Kunden durch die gemeinsame Arbeit leistungsfähiger zu werden. Umfangreiches Branchenwissen, Geschäftsprozess-Know-how, internationale Teams und hohe Umsetzungskompetenz versetzen Accenture in die Lage, die richtigen Mitarbeiter, Fähigkeiten und Technologien bereitzustellen, um so die Leistung seiner Kunden zu verbessern. Mit über 152.000 Mitarbeitern in 49 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Fiskaljahr (zum 31. August 2006) einen Nettoumsatz von 16,65 Milliarden US-Dollar.

Mirko Alexander Lück | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.accenture.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics