Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erblich bedingtes Nierenversagen hinauszögern

15.03.2007
300.000 Euro für die Universitätsmedizin Göttingen

Abteilung Nephrologie und Rheumatologie an der Universitätsmedizin Göttingen koordiniert europaweite Studien über das "Alport Syndrom" bei Kindern

Nierenforscher der Universitätsmedizin Göttingen erhalten rund 300.000 Euro Fördergelder für zunächst drei Jahre für die Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten der bisher unheilbaren, erblichen Nierenerkrankung "Alport Syndrom". Ziel ist es, das Nierenversagen der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu verzögern und damit ihr Leben zu verlängern. Der Studienleiter, Priv. Doz. Dr. Oliver Gross, aus der Abteilung Nephrologie und Rheumatologie (Direktor: Prof. Dr. Gerhard Anton Müller) der Universitätsmedizin Göttingen kooperiert in dem Projekt mit Priv. Doz. Dr. Hans-Joachim Anders vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bewilligt wurde die Förderung von der privaten Französischen "Gesellschaft für die Information und Erforschung erblicher Nierenerkrankungen" (Association pour l`information et la récherche sur les maladies rénales génétiques, AIRG) und ihren europäischen Schwesterorganisationen.

Das Alport Syndrom ist eine seltene erbliche Nierenerkrankung, bei der das Nierengewebe ab dem frühen Kindesalter zunehmend vernarbt. Die Nieren können das Blut nicht mehr reinigen, der Körper "vergiftet sich selbst". Obwohl molekulargenetische Nachweismethoden existieren, wird die Krankheit oft erst im Grundschulalter entdeckt, wenn die Nierenschäden bereits "in vollem Lauf" sind. Die Betroffenen müssen im Durchschnitt mit 20 Jahren an die Dialyse (Blutwäsche) und haben eine verkürzte Lebenserwartung.

Hinter der Krankheit stehen Defekte im Gen für das Struktur-Eiweiß "Typ IV-Kollagen", das am korrekten Aufbau der Niere beteiligt ist. Diese Defekte führen zu einem komplexen "Teufelskreis", bei dem die Nieren zunehmend denen eines fortgeschrittenen Zuckerkranken (Diabetikers) ähneln: Die defekten Eiweiße werden als Vernarbungen erkannt - Entzündungszellen werden aktiv und fördern weitere Vernarbungen. Bis jetzt gibt es keine wirksame Behandlung, um den fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion zuverlässig aufzuhalten. In Deutschland sind etwa 1.000 Kinder betroffenen. 5.000 Familien sind bekannt, in denen die Erkrankung auf Nachkommen vererbt werden kann.

Für die Erforschung des Alport Syndroms arbeitet Dr. Gross seit vielen Jahren, zusammen mit Prof. Dr. Manfred Weber von der Universität Köln bzw. Universität Witten-Herdecke, mit einem Mausmodell des Alport Syndroms. Bei den "Alport-Mäusen" verläuft die Krankheit vollständig im Zeitraffer von zehn Wochen ab. Systematische Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Mäuse mit so genannten ACE-Hemmern, die bei Diabetikern eingesetzt werden, erfolgreich behandeln lassen.

In einer Pilotstudie wurden ab 2001 einige junge Alport-Patienten in Deutschland, der Schweiz und Österreich mit ACE-Hemmern behandelt. Mit Hilfe der Unterstützung durch die AIRG soll die Studie nun auf weitere europäische Staaten ausgeweitet werden. Verlaufen die Studien erfolgreich, könnte dies zur europaweiten Zulassungserweiterung der ACE-Hemmer für die Behandlung des Alport-Syndroms bei Kindern führen.

Die "Alport-Maus" hilft den Forschern zudem bei der Suche nach weiteren Wegen, die Zellen des Immunsystems daran zu hindern, die körpereigenen Nieren anzugreifen und zu vernarben. Als Zeitraffermodell der Nierenfibrose dient die Maus außerdem bei der Entwicklung von Stammzell- und anderen Therapieformen des Alport-Syndroms sowie anderer Nierenerkrankungen. "Unsere Untersuchungen sind von grundsätzlicher Bedeutung für die Erforschung chronischer Nierenerkrankungen", sagt Dr. Oliver Gross.

Bereits im September 2006 hat Dr. Gross für seine Forschung über das Alport Syndrom das Fritz-Scheler Stipendium zweier deutscher nephrologischer Gesellschaften erhalten. Das besondere der Arbeiten ist das Prinzip "bench to bedside": Ergebnisse von der Laborbank (bench) werden zügig in Therapien für die Behandlung von Betroffenen im Krankenbett (bedside) umgesetzt.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Nephrologie und Rheumatologie
Prof. Dr. Gerhard Anton Müller, Telefon 0551 / 39- 6331
gmueller@med.uni-goettingen.de
Priv. Doz. Dr. Oliver Gross, Telefon 0551 / 39- 8912
gross.oliver@med.uni-goettingen.de
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen

Stefan Weller | Uni Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de
http://www.med.uni-goettingen.de/presseinformationen/presseinformationen_5930.asp

Weitere Berichte zu: Alport Nephrologie Niere Nierenerkrankung Nierenversagen Syndrom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie