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Arbeitsfähigkeit und Vitalität von Lehrern und Bürofachkräften

09.03.2007
Große Klassen, verhaltensauffällige Schüler, fehlende kollegiale Unterstützung - der Lehrerberuf ist durch starke Belastungsfaktoren gekennzeichnet. Arbeitsbedingte Erkrankungen und Gesundheitsstörungen haben in deutschen Kollegien ein Besorgnis erregendes Ausmaß erreicht, fast jeder zweite Lehrer fühlt sich durch "Stress" übermäßig beansprucht.

Eine im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erstellte Studie untersuchte deshalb die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit von Gymnasiallehrerinnen (im folgenden Lehrer genannt) in Zusammenhang mit den Auswirkungen ihrer beruflichen Tätigkeit.

Dabei wurden die Lehrer mit einer ebenfalls vorwiegend psychisch belasteten Berufsgruppe mit einem anderen Tätigkeitsschwerpunkt, den Bürofachkräften, verglichen. Im Rahmen der Untersuchung wurden die Auswirkungen berufsspezifischer Belastungen auf die Arbeitsfähigkeit und Vitalität in Abhängigkeit vom Dienstalter festgestellt. Arbeitsfähigkeit ist in diesem Zusammenhang ein komplexes Bedingungsgefüge von beruflichen Faktoren wie Arbeitsintensität und Tätigkeitsspielraum, von persönlichen Faktoren wie Lebensgewohnheiten, Erholungsfähigkeit und sozialer Aktivität, aber vor allem von gesundheitlichen Einflussfaktoren.

So zielte die Studie auf die Beantwortung der Leitfragen, wie sich jüngere beziehungsweise ältere Lehrerinnen von gleichaltrigen Bürofachkräften hinsichtlich ihrer Arbeitsfähigkeit unterscheiden. Gibt es altersabhängige Unterschiede hinsichtlich der subjektiv geäußerten Beschwerden, der Krankheitsdiagnosen und des objektiv bestimmbaren "vitalen Funktionsalters"? Wie wirken berufliche Faktoren auf beide Altersgruppen, und wie unterscheiden sich Lehrer und Bürokräfte hinsichtlich ihres Stils, Belastungen zu bewältigen? Insgesamt nahmen über 250 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an dieser methodisch komplexen arbeitsphysiologisch-psychologischen Untersuchung zu Arbeit und Gesundheit teil.

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Die Ergebnisse der Stichprobenuntersuchung machen auf die besondere psychische und psychosoziale Belastung der Lehrer aufmerksam. Zwar empfinden Lehrer ihre Arbeitssituation als motivierend und anspruchsvoll. Doch während sich in der jüngeren Gruppe die Arbeitsfähigkeit nicht von der der Bürokräfte unterscheidet, schätzen in der älteren Gruppe die Lehrer ihre Arbeitsfähigkeit deutlich schlechter ein. Als Folge von arbeitsbedingten Beanspruchungen lässt sich bei einem Drittel aller Lehrer Erholungsunfähigkeit diagnostizieren und bereits bei jüngeren Lehrern treten Burnout-Symptome auf.

Der lärmexponierte Arbeitsplatz Schule führt auch schon bei jungen Lehrern zu einem deutlich schlechteren Hörvermögen; zudem gibt die hohe Sprechbelastung Anlass zu Klagen. Positiv ist zu betonen, dass die überdurchschnittliche mentale Leistungsfähigkeit von Lehrern im Vergleich zur Normalbevölkerung eine Ressource darstellt. In der arbeitsmedizinischen Forschung und Praxis, so die Autoren, sind weder die Arbeitsbedingungen an Schulen noch die Gesundheit der Lehrer im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes ausreichend beachtet. Vor allem für die Erhebung und Bewertung arbeitsplatzbezogener psychischer Belastungen bestehen Defizite.

Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund/Berlin, Fb 1087 "Arbeitsfähigkeit und Vitalität von Lehrern und Bürofachkräften. Ein Vergleich"; R. Seibt, M. Thinschmidt, L. Lützkendorf, S. Hänsch; 323 S.; ISBN 3-86509-621-0; EUR 21,50. Zu beziehen beim Wirtschaftsverlag NW, Postfach 10 11 10, 27511 Bremerhaven, Tel.: 0471/945 44 61, Fax 0471/945 44 88.

Jörg Feldmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.baua.de

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