Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beschäftigte kündigen seltener in Unternehmen mit Betriebsrat und Tarifvertrag

01.03.2007
Analyse in den aktuellen WSI-Mitteilungen

Beschäftigte in Betrieben, die einen Betriebsrat haben und der Tarifbindung unterliegen, kündigen seltener ihr Beschäftigungsverhältnis. Zu diesem Ergebnis kommt eine ökonometrische Analyse von Christian Pfeifer von der Leibniz Universität Hannover, die in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen erscheint.* Da die Stabilität der Beschäftigung steigt, wirken sich Betriebsrat und Tarifvertrag positiv sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber aus.

Der Ökonom Pfeifer wertete die repräsentativen Daten aus mehr als 1400 niedersächsischen Betrieben aus. Dabei berücksichtigte er wichtige Einflussfaktoren wie die Größe oder wirtschaftliche Lage der Unternehmen. Die zentralen Befunde:

=> Die Existenz eines Betriebsrats allein lässt Eigenkündigungen von Beschäftigten um etwa 20 Prozent sinken. Einen wichtigen Grund dafür sieht der Ökonom in den Einflussmöglichkeiten des Betriebsrates auf die Verbesserung von Arbeitsbedingungen. Er kann zum Beispiel mitreden bei der Festlegung von Arbeitsanfang und -ende, Pausen sowie Betriebsferien. Auch an Entscheidungen über Weiterbildungen, Einstellungen und Entlassungen sind Arbeitnehmervertreter beteiligt. Darüber hinaus kann der Betriebsrat kündigungswilligen Beschäftigten helfen, ihre individuelle Situation zu verbessern - damit sie dem Unternehmen dann doch erhalten bleiben.

=> Eine alleinige Tarifbindung verringert die Zahl der Arbeitnehmerkündigungen um ungefähr sieben Prozent. Die Interessen von einzelnen Arbeitnehmern oder der Belegschaft eines einzelnen Betriebes regeln Tarifverträge zwar nur bedingt. Doch die Tarifbindung sichert allgemein bessere Arbeitsbedingungen. Mit Tarifvertrag sind die Löhne höher, die Arbeitszeit ist geringer.

=> Sind Betriebsrat und Tarifbindung vorhanden, sinken freiwillige Kündigungen sogar um mehr als 30 Prozent. Der Ökonom erklärt diesen starken Effekt so: Betriebsräte können ihre Aufgaben effektiver wahrnehmen, wenn Verteilungskonflikte in Tarifverhandlungen außerhalb des Betriebes laufen. In tarifgebundenen Unternehmen läuft die Kooperation zwischen Arbeitnehmervertretern und Geschäftsleitung besser als dort, wo innerbetriebliche Verteilungskämpfe stattfinden.

Pfeifers Fazit: Beide Seiten im Unternehmen profitieren, wenn es weniger Arbeitnehmerkündigungen gibt. Denn auch für die Beschäftigten ist ein Jobwechsel mit Kosten verbunden - und sei es nur, dass die sozialen Beziehungen am alten Arbeitsplatz verloren gehen. Das Unternehmen spart sich den Aufwand für Neueinstellung und Einarbeitung - "und hat zudem eher Anreize, in betriebsspezifisches Humankapital zu investieren". Dies könne sich positiv auf die betriebliche Produktivität auswirken. Die ist, zeigen andere Studien, bei Unternehmen mit Betriebsrat oft tatsächlich höher. Ein Produktivitätseffekt ist besonders dann festzustellen, wenn diese Unternehmen der Tarifbindung unterliegen.

* Christian Pfeifer, Betriebsräte, Tarifverträge und freiwillige Kündigungen von Arbeitnehmern, in: WSI-Mitteilungen 2/2007

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_85212.html
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/252_36234.html

Weitere Berichte zu: Betriebsrat Tarifbindung Tarifvertrag WSI-Mitteilung Ökonom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einmal durchleuchtet – dreifacher Informationsgewinn

11.12.2017 | Physik Astronomie

Kaskadennutzung auch bei Holz positiv

11.12.2017 | Agrar- Forstwissenschaften

Meilenstein in der Kreissägetechnologie

11.12.2017 | Energie und Elektrotechnik