Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Systemwissenschaftler erstellten Machbarkeitsstudie für nachhaltige Fischzucht am Aralsee

01.03.2007
Das Institut für Umweltsystemforschung der Universität Osnabrück erarbeitete über den Zeitraum eines Jahres eine Machbarkeitsstudie zur ökonomisch und ökologisch nachhaltigen Fischzucht in Usbekistan.

Durch die überhöhte und ineffiziente Wassernutzung zur Bewässerungslandwirtschaft sind die Fischereierträge in Usbekistan seit den sechziger Jahren um 84 Prozent gesunken. Diese Katastrophe zeigt sich am fortschreitenden Rückgang des Aralsees, wo die Fischerei komplett zum Erliegen kam und die Fischerboote im Sandboden festliegen.

Auf einem zweitägigen Abschlussworkshop ab Montag, 5. März, im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der Deutschen Bundesstiftung Umwelt sollen die Ergebnisse des Forschungsprojektes unter dem Titel "Nachhaltige Fischzucht in kreislaufgeführten Systemen ? Machbarkeitsstudie für das Einzugsgebiet des Aralsees" diskutiert werden.

Schon zu sowjetischen Zeiten wurden Fischfarmbetriebe in allen Regionen Usbekistans aufgebaut und große Mengen Seewasserfisch importiert, die in den ehemaligen Fischerdörfern am Aralsee verarbeitet wurden. "Durch diese Planwirtschaft wurden die sozioökonomischen Effekte in den betroffenen Gegenden gemildert, wenn nicht sogar behoben", erklärt der Direktor des Instituts, Prof. Dr. Michael Matthies. Nach der Unabhängigkeit Usbekistans sind jedoch die Fischerei, die Fischzucht und auch die Fischverarbeitung zusammengebrochen. Der Fischkonsum ist seit dem Rückzug des Aralsees dramatisch zurückgegangen.

Dies hängt in erster Linie mit wirtschaftlichen Problemen im Land zusammen. Neben fehlenden Investitionsmitteln, einer schleppenden Privatisierung und schlechtem Management, sind es aber auch veränderte Umweltbedingungen, die zu diesem Rückgang führten. Heute werden ca. 60 Prozent des Gesamtfischertrags mit Produkten aus Fischfarmbetrieben gedeckt.

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurden Konzepte zur Steigerung des Gesamtfischertrags erarbeitet. "Einerseits führen Besatzmaßnahmen in den befischten Gewässern zu einer Verbesserung des Gesamtertrages. Andererseits kann die Produktion von Fischfarmen durch neue Produktionsverfahren und hochwertigere Arten verbessert werden", erklärt Matthies einige der Verbesserungsvorschläge. Neben den allgemein bekannten Verfahren, wie Teiche oder Durchflussanlagen, wurden auch moderne, kreislaufgeführte Systeme in die Untersuchungen mit einbezogen. Die Technologie der Fischzucht in geschlossenen, kreislaufgeführten Anlagen ist in Deutschland weit entwickelt. Diese von der Umwelt entkoppelten Systeme bieten die Möglichkeit der Fischzucht in geschlossenen Wasser- und Stoffkreisläufen, wodurch gleichzeitig ein geringerer Wasserbedarf und eine effizientere Kontrolle über die Produktionsbedingungen erreicht werden. Im Projekt erarbeitete ein Konsortium aus Industrie und Wissenschaft die technische, ökologische und ökonomische Machbarkeit der entwickelten Konzepte. Ziel der Studie war es, die wirtschaftlichen Bedingungen für die Fischzucht im Einzugsgebiet des Aralsees zu optimieren und ein übertragbares Modell für eine nachhaltige Fischereiwirtschaft in degradierten Gebieten unter besonderer Berücksichtigung naturschutzfachlicher Belange zu erarbeiten. Dazu zählten der Erhalt gefährdeter Arten, Verbesserung des Naturhaushaltes und Erhöhung der Biodiversität.

An der Abschlussveranstaltung werden zahlreiche Wissenschaftler aus Usbekistan, Kasachstan, Russland, Pakistan, den Niederlanden sowie Deutschland teilnehmen. Darüber hinaus wurden klein- und mittelständische Betriebe, die kreislaufgeführte Aquakulturanlagen bauen, eingeladen. Vertreter von Landes- und Bundesbehörden, der Sekretär der usbekischen Botschaft und Teilnehmer von Universität Osnabrück und Fachhochschule Osnabrück sind ebenfalls vertreten. Ziel des Workshops ist der Austausch von Erfahrungen beim Auf- und Ausbau der Fischereiwirtschaft durch verbesserte Technologien mit Schwerpunkt auf den zentralasiatischen Staaten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Michael Matthies, Universität Osnabrück,
Institut für Umweltsystemforschung,
Barbarastraße 12, D-49076 Osnabrück,
Telefon: +49 541 969 2576, Fax +49 541 969 2599,
E-Mail: michael.matthies@usf.uni-osnabrueck.de

Dr. Oliver Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-osnabrueck.de/

Weitere Berichte zu: Aralsee Fischzucht Machbarkeitsstudie Usbekistan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise