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Südsee-Insulaner sind die Dicksten der Welt

26.02.2007
Acht der zehn übergewichtigsten Nationen liegen im Südpazifik

Eine WHO-Studie zum Thema "Fettsucht und Übergewicht" hat es auf den Punkt gebracht: Auf den paradiesischen Südsee-Inseln leben die weltweit dicksten Menschen. Trauriger Weltmeister ist die Inselrepublik Nauru, auf der 94 Prozent der Einwohner übergewichtig sind, berichtet BBC-Online. In den Federated States of Micronesia, im Königreich Tonga und auch auf den Cook Inseln scheint es allerdings nicht viel besser auszusehen, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet.

Die WHO warnt vor den gesundheitlichen Folgen der Fettsucht. Schlechte Ernährung und mangelnde Bewegung machen die Menschen krank und können zu frühzeitigem Tod führen. Zudem steigt auch das Risiko an Diabetes zu erkranken, warnen die Gesundheitsexperten. Nach der WHO-Studie sind rund 90 Prozent der Südsee-Insulaner in diesen isolierten Regionen der Erde übergewichtig. Experten machen dafür vor allem westliche Ernährungsgewohnheiten verantwortlich. Westliches Fastfood hat in oftmals die traditionelle Ernährung verdrängt.

"Diese und ähnliche Studien sind mir bekannt", meint der Mediziner Christian Lehner, der mehrere Jahre auf Samoa verbrachte und ein Buch über die traditionelle Medizin schrieb (pressetext berichtete http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=030802002 ), im pressetext-Interview. "Allerdings ist die Erfassung dieser Studienergebnisse zu hinterfragen." Es sei bekannt, dass Samoaner, wenn sie in die USA ausgewandert sind, erhöhtes Risiko haben an Diabetes oder Alkoholismus zu erkranken. Darüber gebe es zahlreiche Studien. "In Samoa gibt es ein Sprichwort, das für die Krankheiten gilt, die nicht in der samoanischen Heilkunde bekannt sind. Es lautet: Wer so lebt wie ein Palangi - ein Weißer -, der bekommt auch die Krankheiten eines Palangi", so Lehner. "Polynesier sagen zu dicken Menschen, dass sie gute Menschen sind, weil ihnen als Geschenke Nahrungsmittel gegeben werden." Ein König oder ein Häuptling sei deshalb dick, weil das Dicksein ein Statussymbol sei, erklärt der Mediziner. Man könne die Statistik deshalb nicht einfach auf den pazifischen Raum umlegen, denn dazu fehle der Hintergrund. "Dick zu sein bedeutet nicht automatisch anatomisch krank zu sein", meint Lehner.

Tatsache sei jedoch, dass es auch im Südpazifik eine Generation gebe, die zunehmend auf verarbeitete und fette Nahrungsmittel oder auch Fastfood zurückgreife. Gezuckerte und hoch kalorienhaltige Softdrinks erfreuen sich großer Beliebtheit und US-Fastfoodketten haben auch auf den Inseln ihre Filialen eröffnet. "Die Polynesier haben nie auf Vorrat gesetzt, da alle Nahrungsmittel wie Fisch, Obst und Gemüse täglich frisch waren und in der Dorfgemeinschaft aufgeteilt wurden." Mit Einführung der Zahlungsmittel habe sich das geändert. "Cola, Eis und Dosennahrung haben plötzlich zu unbekannten Erkrankungen wie Karies geführt", so Lehner. Was den Mediziner bei den meisten dieser Studien stört, sei allerdings die Erhebung der Daten. Die Tradition in Polynesien spiele eine immens große Rolle und daher müsse die gesamte gesellschaftliche Entwicklung mitberücksichtigt werden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.who.int

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