Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Umgang mit den Gefühlen

26.02.2007
Studie zu Strategien bei der Stressabwehr von Journalisten

"Zufrieden", "sehr zufrieden" oder sogar "äußerst zufrieden" mit dem Beruf. Wer kann das schon von sich sagen? Zumindest bei einer Berufsgruppe trifft das auf eine überwältigende Mehrheit zu, nämlich auf knapp 80 Prozent der Journalistinnen und Journalisten, deren Tätigkeit man eher mit besonderem Stress, eingeschränktem Privatleben und ungesunder Lebensweise verbindet. "Biopsychologie von Stress" hieß die Studie der TU Berlin und der Universität Würzburg, die dieses überraschende Ergebnis erbrachte.

Die Untersuchung, die von den Professoren Dr. Gisela Erdmann, TU Berlin, Fachgebiet Physiologische Psychologie und Dr. Wilhelm Janke, Universität Würzburg, Institut für Psychologie, geleitet wurde, hatte zum Ziel, berufliche Belastungen und deren Bewältigung von deutschen und österreichischen Journalisten und Journalistinnen durch psychometrisch fundierte Methoden zu beschreiben. Vor allem wollten sie wissen, wie Stress bewältigt und verarbeitet wird.

"Stressverarbeitungsmethoden werden individuell unterschiedlich eingesetzt", schreiben die Autoren der Studie. Dies habe zur Folge, dass bestimmte Personen unter Belastung wiederholt zu bestimmten Handlungen tendieren, dass Personengruppen stärkere oder schwächere Stressreaktionen aufweisen und dass für Personen, die zu ungünstigen Stressverarbeitungsstrategien neigen das Risiko erhöht ist, Belastungsstörungen zu entwickeln. Daneben wollten die Wissenschaftler herausfinden, wie zufrieden Journalisten mit ihrem Beruf sind und wie stark sie sich belastet fühlen.

... mehr zu:
»Biopsychologie »Psychologie

Hohes Arbeitspensum und unregelmäßige Arbeitszeit

Befragt wurden insgesamt 321 hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten aus Deutschland und Österreich zwischen 20 und 70 Jahren, fest angestellte sowie Freie.

Die Einschätzung der beruflichen Belastung ergab bei deutschen und österreichischen, männlichen und weiblichen Journalisten annähernd symmetrische Verteilungen. Übereinstimmend nannten alle Gruppen als häufigste Belastungsfaktoren das hohe Arbeitspensum und die unregelmäßige und lange Arbeitszeit. Dieses stimme auch mit anderen Erhebungen überein und sei, so die Autoren der Studie, sicher ein besonders hervorstechendes Merkmal des Berufes. Es stelle aber, selbst wenn die Belastungsintensität als nicht besonders hoch eingestuft wird, aufgrund der unzureichenden Erholungszeiten auf Dauer eine Gefährdung für die psychische und körperliche Gesundheit dar.

Die berufliche Zufriedenheit ist in allen Gruppen sehr hoch, am wenigsten zufrieden zeigten sich die meisten mit den Weiterbildungsmöglichkeiten, am positivsten beurteilten sie das Verhältnis zu Kollegen. Am auffälligsten wiederum gegenüber Vergleichsgruppen aus anderen Berufen sind die höheren Werte bei den Positiv-Strategien bei der Stressverarbeitung. Dazu gehören zum Beispiel die Bagatellisierung der Belastung, die Schuldabwehr, die Zuwendung zu positiven Situationen, Situationskontrolle oder Entspannung. Insgesamt gehen die Psychologen aber davon aus, dass nicht alle charakteristischen Strategien, die Journalisten anwenden, sich stressmindernd auswirken. Die Art des Umgangs mit den be-ruflichen Belastungen wirke sich langfristig auch auf das psychische und körperliche Wohlergehen und die Gesundheit von Journalisten aus. Die Studie wurde von mehreren Journalistenverbänden in Deutschland unterstützt.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Gisela Erdmann, Technische Universität Berlin, Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft, Fachgebiet Biopsychologie und Neuroergonomie, Tel.: (030) 314-25292, E-Mail: erdmann@gp.tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.gp.tu-berlin.de
http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2007/pi45.htm

Weitere Berichte zu: Biopsychologie Psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Highlight der Halbleiter-Forschung

20.02.2018 | Physik Astronomie

Wie verbessert man die Nahtqualität lasergeschweißter Textilien?

20.02.2018 | Materialwissenschaften

Der Bluthochdruckschalter in der Nebenniere

20.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics