Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehrweg schlägt Einweg

09.02.2007
Mehrweg-Kunststoffkisten deutlich vorteilhafter als Einweg-Kartonkisten. Stiftung Initiative Mehrweg stellt europaweite Studie zur Nachhaltigkeit von Verpackungssystemen für den Transport von Obst und Gemüse vor.

Im Rahmen der Fruit Logistica, der bedeutendsten Internationalen Messe für Früchte- und Gemüsemarketing, hat die Stiftung Initiative Mehrweg heute in Berlin die Ergebnisse einer umfassenden Studie vorgestellt, in der das auf Kunststoffkisten basierende Mehrwegsystem für den Transport von Obst und Gemüse mit den Einwegsystemen aus Karton und Holz verglichen wurde.

"Mehrweg schlägt Einweg" fasste der Geschäftsführer der Stiftung, Clemens Stroetmann, die Ergebnisse der Studie zusammen.

Einmal mehr habe sich erwiesen, so der ehemalige Staatssekretär des Bundesumweltministeriums, dass Mehrwegsysteme das "Mittel der Wahl" seien. Als besonders erfreulich wertete er die Tatsache, dass das Mehrwegsystem über die ökologische Vorteilhaftigkeit hinaus auch das kostengünstigste und - über den gesamten Lebenszyklus betrachtet - auch das sicherste System darstelle, um Obst und Gemüse an den Verbraucher zu bringen.

"Ökologie und Ökonomie gehen bei Nutzung der Kunststoffkisten eine hervorragende Symbiose ein", betonte der Geschäftsführer.

Die Studie belege in eindrucksvoller Weise, dass wirtschaftliches Denken und verantwortungsbewusstes Handeln zum Schutz der Umwelt keine Gegensätze sein müssen. Erzeuger und Handel seien nun gefordert, die Ergebnisse der Studie in praktisches Handeln umzusetzen.

In der Studie, die im Auftrag der Stiftung von der Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung der Universität Stuttgart und dem Unternehmen PE International aus Leinefelden-Echterdingen erstellt wurde, wurden die marktgebräuchlichen Kunststoffkisten des Mehrwegsystems verglichen mit Kisten aus Holz und Karton - beides Einwegsysteme.

Erstmals wurde der europaweite Markt wirklichkeitsnah abgebildet, indem die Transportwege von Obst und Gemüse unter Berücksichtigung der fünf bedeutendsten Produktionsländer (Frankreich, Spanien, Italien, Niederlande, Deutschland) und der vier größten Abnehmermärkte (Frankreich, Niederlande, Großbritannien, Deutschland) untersucht und bewertet wurden. Dabei wurden je ein konservatives (kSz) und ein technisches Szenario (tSz) zugrunde gelegt.

Bezüglich der Umwelteffekte wurden

- der Primärenergieverbrauch
- das Treibhauspotential -"Treibhauseffekt, Klimawirkung"
- das Ozonabbaupotential - "Schädigung des Ozonschildes"
- das Eutrophierungspotential - "Saurer Regen"
- das Photooxidationsbildungspotential -"Sommersmog"
untersucht.
Darüber hinaus wurden die Kosten des gesamten Lebenszyklus und ausgewählte soziale Aspekte, insbesondere die mit der Herstellung und Verwendung verbundene Zahl der tödlichen und nicht tödlichen Unfälle betrachtet.

In den umweltlichen Wirkkategorien liegen die Kunststoffkisten des Mehrwegsystems gegenüber den Kartonkisten in sämtlichen Feldern weit vorn:

- 81 % (kSz) geringeres Eutrophierungspotential 82 % (tSz)
- 31 % (kSz) geringeres Ozonabbaupotenital 39 % (tSz)
- 46 % (kSz) geringeres Sommersmogpotential 49 % (tSz)
- 54 % (kSz) geringeres Treibhauspotential 57 % (tSz)
- 69 % (kSz) geringeres Versauerungspotential 71 % (tSz)
Die Holz-Einwegkisten zeigen in den Bereichen
- Treibhauseffekt
- Saurer Regen und
- Sommersmog
ähnliche Ergebnisse wie die Mehrweg-Kunststoffkisten. Im Bereich Eutrophierung liegen die Kunststoffkisten, im Bereich Ozonabbaupotential die Holzkisten vorne.

Beim Ozonabbaupotential muss allerdings relativierend bedacht werden, dass der Beitrag zur Schädigung der Ozonschicht aller drei Systeme an den gesamten jährlichen europaweiten Emissionen gemessen, vernachlässigenswert gering ist.

Unschlagbar sind die Kostenvorteile des Mehrwegsystems.

Das Holzkisten-System ist im konservativen Szenario mehr als dreimal (3,08), das Kartonkisten-System fast viermal (3,85) so teuer wie das Kunststoffkisten-System. Diese Kostenvorteile des Mehrweg-Systems steigen im technischen Szenario weiter an: Holzkisten verursachen hier ebenfalls mehr als die dreifachen (3,29), Kartonkisten mehr als die vierfachen Kosten (4,11).

Schließlich ist das Kunststoffkisten-System das System mit den wenigsten tödlichen Unfällen - ein nicht zu unterschätzender Beitrag für die Gesundheit der mit seiner Nutzung beschäftigten Menschen.

Lediglich im Bereich des Primärenergieverbrauchs liegt die Holzkiste vorn. Grund dafür sind Gutschriften, die Holz aufgrund seiner Eigenschaft als nachwachsender Rohstoff aus der energetischen Verwertung zuwachsen. Nach Auffassung der Stiftung sei dies aber kein durchschlagendes Argument gegen Mehrweg. Stroetmann: "Wenn Mehrweg durch Einweg-Holz ersetzt würde, reichen die in Europa verfügbaren Flächen für den Nachwuchs nicht aus". Amerikanischen Untersuchungen zufolge müssten für jeden 9 m-Baum 215 Stück 1,5 m hohe Setzlinge gepflanzt werden, um die CO2-Neutralität zu gewährleisten. Dies bedeute eine Flächeninanspruchnahme für die Aufforstung von rund 1.858 m² oder rd. 18 a pro gefälltem 9 m-Baum. "Dies ist - neben den umweltbedenklichen Folgen der damit zwangsläufig verbundenen Monokulturen - in Europa undenkbar", sagte der Geschäftsführer. Deshalb bleibe es bei der Kernaussage

"Mehrweg ist der Weg und Einweg ein Irrweg".

Die komplette Studie kann bei der C HOCH 4 GmbH, Email: choch4@-t-online.de, bestellt werden; der Preis beläuft sich auf 750,00 Euro/ Exemplar und ist per Vorauskasse auf das Konto der C HOCH 4 GmbH, Konto-Nr. 114462, BLZ: 620 512 60, bei der Sparkasse Duderstadt zu überweisen.

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.duh.de

Weitere Berichte zu: Einweg Kunststoffkiste Mehrweg Mehrwegsystem Ozonabbaupotential

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie