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TU Darmstadt entwickelt neue Formen der Berufsberatung

19.01.2007
Den einen Beruf fürs ganze Leben gibt es nicht mehr: Zum einen unterliegen Berufe immer häufiger einem steten Wandel, zum anderen werden auch die beruflichen Lebensläufe immer heterogener.

Beruflicher Erfolg ist heute untrennbar mit der Bereitschaft zu lebenslangem Lernen verbunden. Dem haben nun Darmstädter Psychologen Rechnung getragen und ein Konzept für moderne Berufsberatung entwickelt. Zugleich ist es "das erste Mal, dass Karriereberatung systematisch evaluiert wurde", erzählt die Psychologin Claudia Schmeink vom Institut für Psychologie der TU Darmstadt.

Die Berufsberatung, wie sie in der Regel von den klassisch arbeitenden Anbietern durchgeführt wird, orientiert sich an der Frage "welche Person passt zu welchem Job". "Unser Modell basiert dagegen auf der Mitarbeit des Kunden. Bei uns erstellen die Berater keine Profile der Jobsuchenden, um ihnen dann entsprechende Angebote zu unterbreiten, sie geben vielmehr Hilfe zur Selbsthilfe", erläutert Schmeink. "Der Kunde selbst weiß am besten, was ihm liegt und was nicht. Wir wollen ihn zur Selbstreflexion anleiten."

Schmeink hat die neuen Beratungsmethoden in einer Studie evaluiert und daraus das Darmstädter Konzept entwickelt. Es kombiniert aufeinander aufbauende Beratungsformen zu einer "längerfristigen Begleitung" der Karrierewilligen. Begonnen wird mit einem Workshop, gefolgt von einer Einzelberatung, von Selbstberatung mittels Leitfäden oder dem Besuch von Erfolgsteams. In den sogenannten Erfolgsteams tauschen sich die Teilnehmer aus und berichten über ihre Erfolge und Misserfolge bei der Umsetzung der zuvor gesteckten Berufsziele.

"In unserem Programm erhalten die Leute nicht eine einmalige Beratung und werden dann mit der Umsetzung der Ergebnisse allein gelassen. Wir wollen, dass die Teilnehmer am Ball bleiben", fasst Schmeink zusammen. "Zu oft verblassen die gesteckten Ziele oder werden sogar aufgegeben. Wir organisieren deshalb alle zwei Wochen Nachtreffen, insgesamt dreimal." Dabei lernen die Jobsuchenden außerdem, ihre Handlungspläne wenn nötig veränderten Bedingungen anzupassen. "Starre Pläne führen meist zum Scheitern", so Schmeink.

Studie bestätigt den Erfolg

Die Darmstädter Psychologen haben gemeinsam mit der Kreisagentur für Beschäftigung des Landkreises Darmstadt-Dieburg die Effektivität der längerfristigen Betreuung wissenschaftlich belegen können. Die Studie zeigte, dass die Teilnehmer an der Darmstädter Beratung nicht nur klarere berufliche Ziele hatten, sondern auch deutlich erfolgreicher waren als andere Studienteilnehmer.

Wer an Anschlusstreffen teilnahm, dem waren seine beruflichen Ziele auch nach sechs Wochen noch wichtig - anders als bei der Mehrzahl der Versuchspersonen ohne Nachbetreuung. Zugleich stuften sich die längerfristig betreuten Personen selbst im Verfolgen ihrer Karriere am erfolgreichsten ein. "Ob Workshop oder Einzelcoaching: Die Beratungsformen basieren alle auf den gleichen Modulen und Übungen und doch sind sie unterschiedlich in der Wirkung", bemerkt Schmeink.

Bezüglich der Effektivität, so zeigte sich in der Studie, waren "die Teilnehmer der Studie mit der Einzelberatung am zufriedensten, einfach, weil sie sehr individuell war. Beim Selbstcoaching bemängelten die Teilnehmer die fehlende Motivation von außen. Die Effektivität der Erfolgsteams - auch das war ein Ergebnis der Studie - hängt von der Zusammensetzung der Gruppe ab.

In Anbetracht der Erfolge wird das Darmstädter Konzept - so hoffen die Forscher - schon bald von einschlägigen Institutionen aufgegriffen werden. Zudem soll noch in diesem Jahr ein Handbuch erscheinen, in dem die einzelnen Bausteine des Beratungsprogramms aufgezeigt werden. Interessierte können dann individuell entscheiden, ob sie an allen oder nur an einzelnen Modulen teilnehmen möchten.

Pressekontakt: Claudia Schmeink, Tel. 06151/162515, schmeink@psychologie.tu-darmstadt.de

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/

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