Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IAB-Studie: Jeder Fünfte wechselt nach der Ausbildung den Beruf

19.01.2007
Ein Fünftel der Absolventen wechselt bereits unmittelbar nach der Ausbildung den erlernten Beruf, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Bei den männlichen Absolventen sei der Anteil der Berufswechsler seit 1977 von 18 auf 26 Prozent gestiegen.

Bei den Frauen sei die Wechselquote dagegen von 19 auf 16 Prozent gesunken. Hinter den gegenläufigen Tendenzen stehe vor allem die unterschiedliche Berufswahl von Männern und Frauen, so das IAB. Bei vielen typischen Männerberufen, beispielsweise den Tischlern oder Rohrinstallateuren, habe die Wechselhäufigkeit im Zeitverlauf eher zugenommen. Bei typischen Frauenberufen, zum Beispiel den Steuerfachgehilfinnen oder Bürofachkräften, sei sie zurückgegangen.

Laut IAB-Studie bestimmen die erlernten Berufe in hohem Maße die Wahrscheinlichkeit, in eine neue Tätigkeit zu wechseln. So finde zum Beispiel in Lehrberufen mit geringen Kosten für die Betriebe häufig eine Ausbildung über Bedarf statt, da die Azubis dort in der Regel als preisgünstige Arbeitskräfte eingesetzt werden können. In der Folge stünden den Absolventen nicht genügend Arbeitsplätze im erlernten Beruf zur Verfügung und Berufswechsel seien deshalb unausweichlich. Sei die Ausbildung eher kostenintensiv und auf den Fachkräftebedarf des jeweiligen Betriebs ausgerichtet, werde das Berufswechselrisiko von vornherein verringert.

"Jugendliche, die vom Ausbildungsbetrieb nicht übernommen werden, verlassen mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit den erlernten Beruf als übernommene Absolventen", schreibt IAB-Arbeitsmarktforscher Holger Seibert in der Studie. Verstärkt werde dieser Effekt, wenn die Absolventen nach dem Verlassen des Betriebs nicht nahtlos eine neue Beschäftigung finden, denn jeder Monat Arbeitslosigkeit entwerte ihren Ausbildungsabschluss.

Die Folgen eines Berufswechsels seien in den letzten drei Jahrzehnten im Wesentlichen unverändert geblieben: Je weiter der erlernte vom aktuell ausgeübten Beruf inhaltlich entfernt sei, desto höher sei das Risiko, "unterwertig" beschäftigt zu sein - also nicht als Facharbeiter, sondern als Un- und Angelernter. Dies zeige, dass der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor in hohem Maße beruflich gegliedert sei. Die These einer zunehmenden "Entberuflichung" bestätige sich zumindest für den Übergang von der Ausbildung in die erste Beschäftigung nicht, so Seibert.

Es falle aber auf, dass seit Ende der 90er Jahre unterwertige Beschäftigung nach der Ausbildung deutlich zugenommen habe - und zwar unabhängig davon, ob der Ausbildungsberuf verlassen wurde oder nicht. Eine Ursache dafür sei der Beschäftigungsrückgang in zahlreichen gewerblichen Berufen, insbesondere in der Metall- und Baubranche sowie im Handwerk.

Der IAB-Kurzbericht "Berufswechsel in Deutschland: Wenn der Schuster nicht bei seinem Leisten bleibt ..." steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb0107.pdf. Analysiert wurden ausschließlich Erwerbsverläufe von westdeutschen Absolventen betrieblicher Berufsausbildungen.

Wolfgang Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.iab.de
http://doku.iab.de/kurzber/2007/kb0107.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften