Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auswirkung der IFRS auf die Versicherungsbranche

11.01.2007
Die Deloitte-Studie "IFRS-Konzernabschlüsse inländischer Versicherungen" analysiert und vergleicht die IFRS-Konzernabschlüsse verschiedener Versicherer

Die Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRS) als verbindliches Regelwerk zur Rechnungslegung wirkt sich unterschiedlich auf die Bilanzierung von Versicherungsunternehmen aus. Die Deloitte-Studie zeigt, welche Auswirkungen die unterschiedliche Ausübung von Wahlrechten nach IFRS auf das Ergebnis und das Eigenkapital untersuchter Versicherer hat. Nicht zuletzt ist ein Vergleich von IFRS-Konzernabschlüssen aufgrund der sehr unterschiedlichen Ausübung von Wahlrechten nur begrenzt möglich.

"In unserer Studie 'IFRS-Konzernabschlüsse inländischer Versicherungen' haben wir ausgewählte Wahlrechte und Tendenzen innerhalb der Rechnungslegungspraktiken der Versicherungsunternehmen analysiert", erläutert Marc Böhlhoff, Director der Service Line Versicherungen bei Deloitte. "Die Diskrepanz des Ergebnisses nach IFRS zur zuvor genutzten Rechnungslegungsmethode reichte bei den untersuchten Versicherern, die erstmalig IFRS angewendet haben, teilweise von minus neun Prozent bis zu plus 64 Prozent."

Konzernabschlüsse nach IFRS sind seit dem 31. Dezember 2005 auch für börsennotierte Unternehmen innerhalb der Versicherungswirtschaft verpflichtend, und dies hat weitreichende Konsequenzen. Versicherungsunternehmen sind unter anderem dazu gezwungen, in ihren Konzernabschlüssen Prognosen abzugeben und entsprechende Prämissen festzulegen. Kapitalerhaltung und Gläubigerschutz treten mit den IFRS in den Hintergrund, und der Schwerpunkt liegt nun sichtbar primär auf der Informationsbereitstellung für die Kapitalmärkte. "Bemerkbar macht sich dies beispielsweise in dem Verbot der Passivierung von Aufwandsrückstellungen sowie bei der Bilanzierung von Kapitalanlagen zu Zeitwerten in der Ausweispflicht nicht realisierter Gewinne", sagt Marc Böhlhoff.

Die Unterschiede: drei Beispiele aus der Praxis Wie gehen deutsche Versicherer mit den neuen Bilanzstandards zum Beispiel bei der Gliederung der Bilanz, der Bilanzierung von Kapitalanlagen und der Versicherungstechnik um? Da es nur begrenzte Vorgaben für die Gliederung der Bilanz gibt, sind der Umfang und der Detaillierungsgrad sehr unterschiedlich. Bei den Kapitalanlagen zeigt sich, dass sich nur wenige Versicherungen auf die Mindestkategorisierung nach IAS 32/39 beschränken.

Die Mehrzahl der Unternehmen weist überdies Grundstücke und Bauten, Anteile an assoziierten Unternehmen, Depotforderungen sowie sonstige Kapitalanlagen aus. Festzustellen ist, dass die Kategorie der Kapitalanlagen, die zur jederzeitigen Veräußerbarkeit gehalten werden, von den Versicherern überwiegend genutzt wird. Finanzinstrumente, die mit dem Zeitwert angesetzt werden und deren Wertänderungen erfolgswirksam erfasst werden, sind dagegen von eher untergeordneter Bedeutung. Im Rahmen der Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach IFRS 4 wendet die überwiegende Anzahl der Versicherungen die amerikanischen Rechnungslegungsvorschriften (US-GAAP) an, während nur eine begrenzte Anzahl nach handelsrechtlichen Grundsätzen bilanziert.

Neue Standards, neues Ergebnis Besonders auffällig sind bei Versicherungen, die erstmalig IFRS anwenden, die Auswirkungen auf Ergebnis und Eigenkapital der Unternehmen. Hier sind zum Teil erhebliche Differenzen zwischen den einzelnen Versicherungen zu erkennen. So zeigt sich beim Eigenkapital zweier Rückversicherer eine leicht negative Veränderung, während ein anderer Versicherer ein Plus von 53,2 Prozent verzeichnet. Ausschlaggebend für die Eigenkapitalveränderungen ist dabei vor allem der Bilanzposten "Kapitalanlagen", der überproportional zum Gesamtergebnis beiträgt.

Ähnlich bedeutsame Veränderungen durch IFRS können im Hinblick auf das Ergebnis konstatiert werden. Hier zeigt sich bei der Betrachtung der Jahresüberschüsse eines Rückversicherers sowie eines Erstversicherers eine umstellungsbedingte Abweichung in Höhe von minus 9,45 bzw. plus 64,45 Prozent. Bei einem weiteren Rückversicherer ist hingegen kaum eine Veränderung zu verzeichnen.

Hierbei ist zu beachten, dass Versicherer vor IFRS teilweise nach US-GAAP bilanziert haben, andere Versicherungen jedoch nach HGB. Die für die Ergebnisänderungen relevanten Faktoren sind hier unter anderem der Wegfall der Schwankungs- und Großrisikenrückstellung, die Konsolidierung von Zweckgesellschaften, Pensionsrückstellungen, ferner die geänderte Bewertung von Immobilien sowie die abweichende Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte.

"Diese Vielzahl von Unterschieden hat eine zusätzliche wesentliche Auswirkung: Die Bilanzen der einzelnen Unternehmen lassen sich schlecht miteinander vergleichen und in Relation setzen", erklärt Marc Böhlhoff. "Dafür sind zum einen die unterschiedlichen Standards, die vorher zur Bilanzierung herangezogen wurden, und zum anderen die vielfältigen Wahlfreiheiten, die die IFRS zurzeit den Unternehmen lassen, verantwortlich. Eine verbesserte Vergleichbarkeit kann nach Abschluss der Phase II des Versicherungsprojektes des IASB erwartet werden."

Die komplette Studie können Sie unter http://www.deloitte.com/dtt/article/0,1002,cid%253D141494,00.html herunterladen.

Deloitte Deutschland Deloitte ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsgesellschaften in Deutschland. Das breite Leistungsspektrum umfasst Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance-Beratung. Mit 3.400 Mitarbeitern in 18 Niederlassungen betreut Deloitte seit fast 100 Jahren Unternehmen und Institutionen jeder Rechtsform und Größe aus allen Wirtschaftszweigen. Über den Verbund Deloitte Touche Tohmatsu ist Deloitte mit 135.000 Mitarbeitern in nahezu 140 Ländern auf der ganzen Welt vertreten.

Deloitte bezieht sich auf Deloitte Touche Tohmatsu, einen Verein schweizerischen Rechts, dessen Mitgliedsunternehmen einschließlich der mit diesen verbundenen Gesellschaften. Als Verein schweizerischen Rechts haften weder Deloitte Touche Tohmatsu als Verein noch dessen Mitgliedsunternehmen für das Handeln oder Unterlassen des/der jeweils anderen. Jedes Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig, auch wenn es unter dem Namen "Deloitte", "Deloitte & Touche", "Deloitte Touche Tohmatsu" oder einem damit verbundenen Namen auftritt. Leistungen werden jeweils durch die einzelnen Mitgliedsunternehmen, nicht jedoch durch den Verein Deloitte Touche Tohmatsu erbracht. Copyright © 2007 Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Alle Rechte vorbehalten.

Isabel Milojevic | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.deloitte.de
http://www.deloitte.com/dtt/article/0,1002,cid%253D141494,00.html

Weitere Berichte zu: Bilanzierung IFRS Kapitalanlage Mitgliedsunternehmen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen