Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nur die Waldspitzmaus geriet in Vergessenheit

09.01.2007
Die meisten anderen Tiere sind heutigen Kinder so bekannt wie ihren Eltern vor 25 Jahren - Studie der Universität Leipzig untersucht, wie bekannt einheimische Tierarten bei Kindern sind

Deutschlands Schüler erfahren im Fach Biologie - so bestimmen es die Lehrpläne - viel über die Natur im Allgemeinen, über Ökologie oder Gentechnik; aber sie müssen kaum lernen, was denn die Amsel vom Star oder den Laubfrosch von der Erdkröte unterscheidet. Derartige Unwissenheit wird von Lehrern und Wissenschaftlern zwar schon seit Jahrhunderten beklagt. Aber keiner wusste genau, inwieweit die Kinder denn tatsächlich (nicht) im Bilde sind. Aus diesem Grunde initiierte Prof. Christoph Randler vom Institut für Biologie I der Universität Leipzig eine entsprechende Studie und publizierte deren Ergebnisse kürzlich in der Zeitschrift "Natur und Landschaft".

Knapp 900 Schülerinnen und Schülern zwischen neun und neunzehn Jahren wurden Bilder von Wirbeltieren gezeigt. Sie sollten die Tiere so genau wie möglich bezeichnen. Erkannten sie beispielsweise eine Kohlmeise oder eine Stockente als solche, gab es einen Punkt. Wurde nur Meise oder Ente gesagt, einen halben. Bei der Zusammenstellung der abgefragten Tiere blätterten die Wissenschaftler nicht einfach im Lexikon der deutschen Fauna, sondern versuchten eine repräsentative Auswahl zu treffen. Also wurden die häufiger in der Natur anzutreffenden Geschöpfe bevorzugt abgebildet, die ganz seltenen weniger.

"Das Artenwissen steigt bis zum Alter von 14 Jahren an, sinkt danach wieder ab. Gymnasiasten schnitten signifikant besser ab als Realschüler und die besser als Grundschüler", fasst Randler die Ergebnisse zusammen. "Dass das Artenwissen nur bis zur siebten Klasse ansteigt, mag zum einen mit den Interessen zusammenhängen, die besonders in den Klassen fünf und sechs besonders stark auf Tierarten fokussiert sind, zum anderen mit außerschulischen Aktivitäten wie Besuchen in Tierparks, Zoos und Naturschutzzentren. Ab der siebten Klasse hingegen sinkt das Interesse am Biologieunterricht insgesamt deutlich ab. Und die Kenntnisse schwinden wieder."

Was aber ist dran an der Meinung, früher, als die Kinder Tiere nicht nur am PC erlebten, sei das anders, besser gewesen. Um seine heutigen Umfrageergebnisse mit denen einer Studie aus dem Jahre 1981/82 zu vergleichen, musste sich Randler - wie seine Kollegen damals - auf die Fünftklässler beschränken. Sein Fazit: "Heutige Schülerinnen und Schüler besitzen dieselbe Wirbeltierartenkenntis wie ihre Eltern damals. Dies verweist die Klagen vieler Naturschützer und Lehrer in den Bereich der 'folkloristischen' Falschaussagen der Umwelterziehung."

Von den 21 Wirbeltierarten, nach denen schon 1981 gefragt wurde, waren sieben heutzutage weniger bekannt und 14 besser. Wesentlich mehr der elfjährigen Mädchen und Jungen nannten beispielsweise den Namen des Teichmolches (von 5 auf 24 Prozent), des Stars von 8 auf 42 Prozent), des Dachses (von 43 auf 79 Prozent) oder der Erdkröte (von 58 auf 75 Prozent). Weniger sicher als ihre Altersgenossen vor 25 Jahren waren die Kinder, als es beispielsweise galt, die Wanderratte zu benennen (von 40 auf 27 Prozent), den Buntspecht (von 70 auf 58 Prozent) oder den Grasfrosch (von 71 auf 61 Prozent). Die meisten der Unterschiede waren jedoch kaum der Rede wert. Damals wie heute zählten übrigens Ringeltaube, Maulwurf und Stockente mit einer Bekanntheit von 90 und mehr Prozent zu den VIPs der Tierwelt. Bleibt jedoch die Frage, wo sich die Waldspitzmaus verkrochen hat. Kannten sie 1982 noch etwa zwei Drittel der befragten Fünftklässler, sind es heute nur noch rund 15 Prozent.

Marlis Heinz

weitere Informationen:

Prof. Dr. Christoph Randler
Telefon: 0341 97-36651
E-Mail: randler@uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~instbota

Weitere Berichte zu: Artenwissen Erdkröte Stockente Waldspitzmaus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie